FC Bayern München Der Geist von Jupp

Entspannte Atmospähre im Trainnigslager des FC Bayern: Jerome Boateng, Manuel Neuer und Pep Guardiola (von links)

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Trainerwechsel sind eine Spezialität des FC Bayern geworden, so sehen das zumindest die Verantwortlichen. Alles soll so laufen wie beim Übergang von Jupp Heynckes zu Pep Guardiola.

Von Benedikt Warmbrunn, Doha

Große Trainer kommen, große Trainer gehen, das verkaufen sie beim FC Bayern zu Beginn dieses Jahres als eine Selbstverständlichkeit des Sports, und so kommt am Freitagvormittag ganz selbstverständlich ein großer Trainer auf die Anlage der Aspire Academy in Doha. Schweren Schrittes marschiert er am Rasenplatz vorbei, begrüßt die Wichtigen und die ganz Wichtigen beim FC Bayern. Dann setzt sich Boris Becker erst einmal. Becker ist in dieser Woche mit seinem Schützling, dem Tennisprofi Novak Djokovic, in Doha, am Freitag schaut er Pep Guardiola, noch so einem großen Trainer, bei der Alltagsarbeit zu. Nach einer halben Stunde geht Becker wieder, weiter schweren Schrittes, neben ihm läuft Volker Braun, der Mannschaftsarzt des FC Bayern. Dann ist dieser große Trainer wieder weg.

Ein großer Trainerwechsel steht beim FC Bayern erst im Sommer an, dann, wenn Guardiola nach drei Jahren geht und Carlo Ancelotti kommt. Der Klub hat das vor Weihnachten vergleichsweise geräuschlos vorbereitet, und auch im neuen Jahr bemüht er sich, kein großes Aufsehen um diesen Vorgang zu machen. Trainerwechsel sind ja auch eine Spezialität des FC Bayern, so sehen das zumindest alle Wichtigen und ganz Wichtigen beim FC Bayern, und beim vergangenen Trainerwechsel war es ja auch tatsächlich so.

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Vor ziemlich genau drei Jahren, Mitte Januar 2013, verkündete der FC Bayern, dass der damalige Trainer Jupp Heynckes im Sommer ersetzt werde durch Pep Guardiola. Auch diesen Wechsel hatte der Klub vergleichsweise geräuschlos vorbereitet, so geräuschlos sogar, dass auch Heynckes von dieser Bekanntgabe etwas überrascht wurde. Nach ein paar Tagen großer Aufregung startete die Mannschaft eine Siegesserie, die sie zu Meisterschaft, Pokal und Champions-League-Titel führte. Den Weg zu diesen Erfolgen hatte sich die Mannschaft damals selbst vorgegeben, was Heynckes in seiner großväterlichen Onkeligkeit schnell als ein Zeichen der inneren Stärke erkannte und mit Ansprachen an die inneren Stärke förderte.

Dieses letzte Halbjahr unter Heynckes nehmen sie beim FC Bayern nur ungern als Maßstab, der Gewinn der Champions League soll unter keinen Umständen als eine Selbstverständlichkeit des FC Bayern wirken. Nun, drei Winter später, erinnern sie sich gerne an diese Rückserie.

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Dass ein Trainerwechsel ansteht, sagt Sportvorstand Matthias Sammer, "damit haben wir schon gute Erfahrungen gemacht". Dass ein Trainer jetzt nur noch als lame duck gesehen wird, sagt Kapitän Philipp Lahm, "die Gefahr hatten wir schon einmal, und da haben wir das Triple gewonnen". Selbst einer wie Sebastian Rode, der 2013 bei all den Erfolgen noch nicht dabei war, ist von diesem Geist von Jupp Heynckes so angetan, dass er sagt: "Das ist auf jeden Fall ein gutes Omen."

Ein paar feine Unterschiede zum Januar 2013 übergehen sie drei Jahre später zwar, angefangen damit, dass der Verein ja eigentlich ganz gerne weiter mit dem Trainer gearbeitet hätte, der damals im Sommer kam. Oder auch, dass Guardiola kaum so großzügig die Hoheit über seine Spielidee abgeben wird. Vor allem liegt der große Unterschied aber in der Mannschaft, die damals angetrieben wurde von Wunden der Eitelkeit, vom verlorenen Finale Dahoam in der Saison zuvor zum Beispiel oder von dem gängigen Vorurteil, dass die Generation um Lahm und Bastian Schweinsteiger nicht gut genug sei für die ganz großen Erfolge. Der Champions-League-Titel 2013 war damals auch eine Genugtuung, nach innen und nach außen.