Bayern-Sieg in Gladbach Das Geheimnis in Guardiolas Stirnfalte

Ist als Moderator gefordert: Bayern-Trainer Pep Guardiola.

Der FC Bayern macht zum Rückrundenauftakt in Mönchengladbach da weiter, wo er aufgehört hat: Mit einer glanzlosen Leistung, die zum Sieg reicht. Das große Thema ist jedoch ein Spieler, der überhaupt nicht im Kader steht.

Von Benedikt Warmbrunn, Mönchengladbach

Pep Guardiola legte seine Stirn in Falten, er kann das ziemlich gut, sein Gesichtsausdruck wird dann ein würdevolles Zweifeln an all dem Unwissen auf der Welt. Am kräftigsten faltet sich seine Kopfhaut zwischen den Augenbrauen, und in dieser Falte also saß nun das Geheimnis des Abends. Denn Guardiola ließ die Welt würdevoll in ihrem Unwissen. "Nein, nein", sagte der Trainer des FC Bayern, "er weiß meine Meinung, und er weiß, dass sie in der Kabine in der Säbener Straße bleibt."

Er, das war das Gesprächsthema an diesem Freitagabend in Mönchengladbach. Er, das war Mario Mandzukic. Der Mann, der für den FC Bayern in der Hinrunde die meisten Tore erzielt hatte (zehn). Der Mann, den Guardiola aus dem Kader für das erste Rückrunden-Spiel verbannt hatte.

Es hätte ein entspannter Abend werden können für den Tabellenführer der Bundesliga. Ein souveräner 2:0-Sieg beim Tabellendritten, die Stimmen nach der Niederlage im Testspiel in Salzburg eine Woche zuvor gleich wieder besänftigt. Doch es wurde auch ein Abend, an dem deutlich wurde, wie leicht es in dem Kader atmosphärische Brodeleien geben könnte.

Mandzukic war ja in den vergangenen Tagen immer wieder ein Thema gewesen. Nachdem der Klub endgültig die Verpflichtung von Robert Lewandowski im Sommer aus Dortmund bestätigt hatte, fragten viele, wo für den kroatischen Nationalstürmer noch Platz sein soll im System von Guardiola. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hatte zunächst gesagt, dass Mandzukic unbedingt bleiben werde. Es klang wie ein Basta-Machtwort.

Schluss mit Kuscheln

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Am Freitag äußerte sich dann jedoch Franz Beckenbauer. Lewandowski passe von seiner Spielweise "besser zu Guardiolas Vorstellungen als ein reiner Mittelstürmer wie Mandzukic", sagte der reine Fußballkaiser. Und öffnete damit wieder Raum für Spekulationen.

Das Geheimnis, das Guardiola in seiner Stirnfalte verstecken wollte, deutete schließlich Matthias Sammer an, der Sportvorstand. Der Stürmer habe gefehlt, "weil er sich nicht so präsentiert habe, wie wir es von ihm gewohnt sind"; die Entscheidung gelte vorerst für einen Spieltag. Ob sich der Verein so bereits auf die Zeit von Lewandowski vorbereite? Sammer verstärkte Tonlage und Gesichtsfarbe: "Wenn wir taktieren, dann auf dem Spielfeld. Aber doch nicht mit einem Menschen." Überhaupt, sagte Sammer den Journalisten: "Es ist alles falsch, was sie spekulieren." Aha.

Mandzukic war jedoch nicht der einzige Spieler, wegen dem Guardiola seine Stirn in Falten legen musste. Da war auch noch die Einwechslung von Arjen Robben. Der Niederländer durfte nach 79 Minuten aufs Spielfeld, er wirkte dabei pampig, diskutierte lange mit dem Trainer. "Arjen hat ein paar Probleme mit dem Sprunggelenk", sagte Guardiola, "daher habe ich ihm gesagt, dass er sich schonen soll, wenn er etwas spürt." Aha.

Die Kunst für den Katalanen, das zeigte dieser Freitagabend, wird es in den nächsten Wochen nicht nur sein, den Spielern auf dem Platz zu erklären, wohin sie wann laufen und passen müssen. Sondern vor allem den Spielern auf der Bank und der Tribüne zu erklären, warum sie überhaupt nicht laufen und passen dürfen. In der vergangenen Woche, sagte Sammer, habe Guardiola schon einmal "einen fantastischen Job gemacht".

Denn das Team startete so in die Rückrunde, wie es aufgehört hatte. Mit einer Leistung, die keine glänzende war. Aber mit einer Leistung, die für einen Sieg reichte.