Die Niederlage im Madrider Finale zeigte: Den jungen Bayern fehlt noch die internationale Erfahrung. Doch auch die große Klub-Ära in den siebziger Jahren begann mit einer fürchterlichen Niederlage.
Diese Lockerheit in den Tagen vor dem Spiel, diese Zuversicht, die 67 Prozent Ballbesitz nach einer halben Stunde - die Gunst der Stunde schien sich den Bayern zuzuneigen an diesem denkwürdigen Sommerabend im Estadio Bernabéu von Madrid. Doch ein folgenschwerer, wie man in der Fußballersprache sagt, individueller Fehler von Martin Demichelis ließ die Balance des Spiels zur anderen Seite kippen, warf die Münchner jäh aus ihrer Siegesgewissheit. Aus der Traum, der im europäischen Fußball aus Gold ist.
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Der zweite Streich: Diego Milito umkurvt Bayern-Vetreidiger Daniel van Buyten (r.) und wird das 2:0 erzielen. (© dpa)
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Das ist keineswegs unverdient für Inter Mailand, aber schade für den deutschen Meister. In der spanischen Hauptstadt endete abrupt ihr irrer Erfolgsweg durch nationale Meisterschaft und Pokal sowie bis zum Finale dieser Champions League. Und damit ist auch ein zarter Gedanke durch eine schmerzhafte Realität verdrängt, der mit dem Beginn einer Ära spielte.
Einer Ära unter dem Strategen Louis van Gaal, mit außergewöhnlichen Spielern wie Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und den hochbegabten jungen Leuten wie Thomas Müller und Holger Badstuber. Eine Ära, das ist im Sport langanhaltende Dominanz, dauerhaft überlegene Klasse, die begleitet und gelenkt wird von großen Persönlichkeiten. So wie sie die Bayern Mitte der siebziger Jahre hatten mit den Klub-Legenden Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier.
Damals triumphierten sie in diesem Wettbewerb, der seinerzeit noch Europapokal der Landesmeister hieß, dreimal nacheinander - 1974, 1975 und 1976. Niemand konnte ihnen das Wasser reichen, in den Endspielen bezwangen sie durch die Qualität der Einzelspieler und durch ein Höchstmaß an Erfahrung auf internationalem Parkett. Genau dies fehlt der relativ jungen aktuellen Elf. Noch.
Doch noch einmal zurück zu den alten Bayern. In der Verklärung war ihr Triumphzug ein ungestörter, eben und leicht. Aber das ist falsch, sie wurden erst durch einen geradezu fürchterlichen Rückschlag zu den Siegertypen, als die sie nun in Erinnerung sind. Ähnlich wie ihre Nachfolger schwebten sie 1973 auf Wolken, nichts schien sie aufhalten zu können, als sie 1973 in Amsterdam von Ajax bereits im Viertelfinale mit 0:4 aus dem Stadion geschossen wurden.
An dieser Niederlage kauten sie lange, aber sie weckte die Kräfte, die notwendig waren, um eine Ära zu begründen. Van Gaals Bayern erinnern an jene von Udo Lattek und Dettmar Cramer damals. Und sie haben genug Zeit, um das Beispiel der Altvorderen nachzuleben. Das verlorene Finale Madrid ist vielleicht nur eine unglückliche Zwischenstation gewesen.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 23.05.2010)
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