Von Klaus Hoeltzenbein

In Berlin funktioniert beim FC Bayern die Meisterschafts-Herbeiredungs-Strategie - die spielerischen Details dagegen irritieren.

Ob's am Schnürsenkel lag? In der Kabine einer Fußballmannschaft regiert oft der Aberglaube, der Erste zieht immer zunächst die linke und dann die rechte Socke an, der Zweite muss unbedingt kurz vor Anpfiff einen neuen Stollensatz anschrauben, und der Dritte kann nur so auflaufen wie der Rumäne Adrian Mutu vom AC Florenz: "Böse Flüche können mir nichts anhaben, weil ich meine Unterwäsche auf links trage."

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Zé Roberto und Schweinsteiger konnten gegen Hertha nicht überzeugen. (© Foto: dpa)

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Nun ist Mark van Bommel bislang weder als abergläubisches Modell für Herren-Unterbekleidung aufgefallen, noch sind Hexenbeschwörungen oder andere okkultische Kabinenhandlungen von ihm bekannt. Tatsache aber ist, dass er in Berlin länger als die anderen zu tun hatte. Nicht nur die erste, auch die zweite Halbzeit war mit Verspätung angepfiffen worden, weil der Niederländer nicht pünktlich war.

Über die zweite Verspätung schwieg er sich aus, für die erste hatte er eine Erklärung: Schnürsenkel gerissen! Dem Herthaner Andrej Woronin schlugen die Verzögerungen (und vermutlich noch einiges andere) so mächtig auf den Nerv, dass er später feststellte: "So einen arroganten Spieler wie van Bommel habe ich noch nie gesehen. Mit dem werden die Bayern nie Meister." Worauf der Beklagte lakonisch konterte: "Wenn der Schnürsenkel kaputt ist, kommt man zu spät. So ist das nun einmal."

Die Bayern fanden auf der Etappe in Berlin auf alles eine Antwort - gemessen an ihren Worten. Gemessen an den Taten war vieles schiefgelaufen, aber das hat sie in ihrem Kurs nicht irritieren können. Wenn etwas auch nach der zweiten Rückrunden-Niederlage (0:1 in Hamburg, 1:2 in Berlin) im erst dritten Spiel noch reibungslos zu funktionieren schien, dann war es die Meisterschafts-Herbeiredungs-Strategie.

Mit zwei Großmeistern der Erweckungs-Rhetorik; mit Trainer Jürgen Klinsmann: "Jetzt müssen wir es eben nochmals etwas aufschieben um ein paar Tage, bis wir Tabellenführer sind. Wenn wir unseren Lauf wieder aufnehmen, der jetzt unterbrochen wurde, werden wir oben stehen. Das ist unser Glaube und unsere feste Überzeugung"; und mit Manager Uli Hoeneß: "Wenn wir mal drei Spiele in Serie gewinnen, dann ist der Spuk vorbei. Und das muss ja jetzt irgendwann kommen."

Allenfalls Franck Ribéry wirkte wie in seinen Dribblings leicht verwirrt und verließ den allgemeinen Kurs: "Ich hätte nie gedacht, dass es im Meisterschaftsrennen mal so eng und kompliziert werden würde." Klage über den Rasen führte er nicht, das tat sein Anwalt: "Kriminell" sei der Berliner Boden gewesen, meinte Uli Hoeneß, "eine Eislaufbahn" mit erheblichen Nachteilen für Hauptdarsteller: "Der Ball hat doch mit dem Ribéry gemacht, was er will."

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