Von Johannes Aumüller

Den Bayern kann eine historische Saison gelingen. Doch obwohl sogar der Dreifach-Triumph möglich ist, steht fest: In der nächsten Saison wird es die Mannschaft so nicht mehr geben.

Die erste Zeit des Feierns ist schon 19 Stunden nach dem Triumph vorbei. Für Sonntagmittag, zwölf Uhr, hat der unerbittliche Louis van Gaal eine Trainingseinheit angesetzt - und das, obwohl der FC Bayern doch erst am Abend zuvor seinen 22. deutschen Meistertitel perfekt gemacht hat.

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Bleibt Franck Ribéry oder geht er? (© Foto: AP)

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Aber der Meistertitel, und sei er noch so imponierend erarbeitet wie der diesjährige, ist für einen Münchner Trainer immer das Pflichtprogramm. Die angestrebten Saison-Attribute aber lauten sehr gut (Meisterschaft und DFB-Pokal-Sieg), herausragend (Meisterschaft und Champions-League-Erfolg) oder gar historisch (Triple). Und für solch ein Saison-Attribut bedarf es eben auch einer Trainingseinheit kurz nach dem Meistertitel.

Die Bayern haben den Dreifach-Triumph vor Augen, doch die kommenden Tage zu gestalten, ist für einen Trainer keine leichte Aufgabe. Nach all den englischen Wochen haben die Bayern ausgerechnet jetzt sieben Tage lang Pause, spielen dann die bedeutungslos gewordene Partie in Berlin, in der van Gaal unter Umständen einige Ersatzspieler einsetzen will, pausieren dann wieder eine Woche, spielen dann im DFB-Pokal-Finale gegen Bremen, pausieren dann wieder eine Woche und spielen dann am 22. Mai in Madrid gegen Inter Mailand um den Champions-League-Sieg. Wie schwer es ist, über einen so langen Zeitraum die Spannung aufrecht zu erhalten, beweist alleine die Aussage von Louis van Gaal nach dem Spiel: "Ich weiß noch nicht, wie ich es mache", gestand er, der doch sonst immer alles weiß.

Egal, wie er es nun am Ende macht: Die Bayern geben sich ziemlich überzeugt davon, dass dieser erste Titel des Jahres nicht der letzte Titel des Jahres bleiben wird. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge drückte sich mit den Worten "Alles ist möglich" noch ziemlich vorsichtig aus. Spieler und Trainer gingen deutlich offensiver zu Werke. "Wir wissen, dass wir in zwei und in drei Wochen riesige Chancen haben, die Saison zu vergolden", sagte Arjen Robben. Und Louis van Gaal dachte in historischen Dimensionen: "Das Champions-League-Finale ist für mich das wichtigste. Es gibt nur Ottmar Hitzfeld und noch einen Trainer [Ernst Happel], die mit zwei verschiedenen Vereinen die Champions League gewonnen haben. Das ist eine Herausforderung."

Wie groß die Chance auf den Sieg in der Königsklasse ist, entscheidet sich auch am kommenden Mittwoch. Dann steht in Lyon die Berufungsverhandlung in der Causa Franck Ribéry an. Nach der roten Karte im Halbfinal-Hinspiel hatte die Uefa das Foul des Franzosen an Lyons Lisandro Lopez als Tätlichkeit gewertet und Ribéry für drei Spiele, also auch das Endspiel, gesperrt - doch die Bayern wollen sich damit nicht abgeben.

"Das wichtigste ist, dass wir das Uefa-Gericht überzeugen, dass es keine Tätlichkeit, sondern nur ein grobes Foulspiel war", beschrieb Rummenigge die Strategie des FC Bayern für die Berufungsverhandlung. Neue Hoffnung auf eine Reduzierung der Sperre erhielten die Münchner in den vergangenen Tagen, als ausgerechnet der von Ribéry gefoulte Lopez den Bayern-Spieler entlastete. "Er hatte keine böse Absicht. Wir sind beide auf den Ball gegangen. Ich war nur vor ihm da", sagte Lopez.

Wer kommt außer Kroos, Ottl, Breno?

Franck Ribéry nimmt aber nicht nur mit Blick auf das Champions-League-Finale eine zentrale Position ein, sondern auch mit Blick auf die neue Saison. Bleibt der Franzose oder geht er doch nach Madrid/Chelsea/Barcelona? Von der Antwort auf diese Frage hängt in den Personalplanungen des FC Bayern viel ab. Unter Umständen muss sich der FCB nach einem neuen Starspieler umschauen. Das Geld dafür ist nach den Champions-League-Erfolgen reichlich vorhanden, doch wie unterschiedlich Verpflichtungen von Spitzenspielern ausgehen können, zeigt sich gerade in dieser Saison exemplarisch: hier der 30-Millionen-Euro-Mann Gomez, der weitestgehend enttäuschte, dort der 25-Millionen-Euro-Kauf Robben, der oft überragte.

Bisher stehen außer der Rückkehr der Leihspieler Toni Kroos, Andreas Ottl und Breno noch keine Zugänge fest. Dass sich unabhängig von Ribéry im Kader noch etwas tut, gilt als ausgemacht, vor allem in der Defensive. Die Suche nach einem neuen Torwart scheinen die Verantwortlichen zwar eingestellt haben zu haben, aber in der Innenverteidigung war die Mannschaft in der Rückrunde etwas dünn besetzt, und links hinten haben sich in dieser Saison viele Spieler versuchen dürfen (Edson Braafheid, Danijel Pranjic, Diego Contento, David Alaba), doch von der internationalen Klasse ist dieses Quartett entfernt.

Louis van Gaal jedenfalls geht nicht davon aus, dass die Bayern-Mannschaft der Saison 2010/11 mit der Bayern-Mannschaft der Saison 2009/10 identisch ist. "Diese Mannschaft wird es so nicht mehr geben", sagte der Niederländer nach dem Spiel - und widersprach somit all denjenigen, die ob der Kader-Mischung aus internationalen Stars, fleißigen Arbeitern und Talenten aus der eigenen Jugend an den Beginn einer Ära glaubten.

Wie aber die Mannschaft ab Sommer aussehen wird, weiß van Gaal auch noch nicht. So hat der Niederländer aber in jedem Falle eine gute Motivation, sollte er nach zwei Final-Siegen die Münchner tatsächlich zum historischen Triple geführt haben.

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(sueddeutsche.de/bgr)