Eine missratene Einkaufspolitik, Spieler ohne Selbstvertrauen, öffentliche Kritik am Trainer: Der FC Bayern erlebt eine selbstverschuldete Sinnkrise.
Es kann einem im Sinne von Uli Hoeneß angst und bange werden beim Gedanken an die Jahreshauptversammlung des FC Bayern München am kommenden Freitagabend. Da soll jener Mann aus seinem Amt verabschiedet werden, dem der Klub seit 30 Jahren einen Großteil seiner sportlichen Erfolge, seines Ruhms und seiner wirtschaftlichen Kraft zu verdanken hat.
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Zwei Protagonisten unter Druck: Manager Uli Hoeneß (l.) und Trainer Louis van Gaal. (© Foto: ddp)
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Uli Hoeneß tritt als Manager ab und wird Präsident des Klubs. Und nun droht angesichts des aktuellen Zustands der ersten Fußballmannschaft ein Aufruhr.
Wie konnte es nur dazu kommen, dass der FC Bayern bereits im zweiten Jahr auf der Suche nach seiner Identität ist? Nach seinem unerschütterlichen Glauben an die eigene Stärke, selbst noch nach einem Gegentor in der 90. Minute? Der finanziell der Liga längst enteilte Rekordmeister steht nach 13 Spieltagen auf Platz sieben. Hinter Aufsteiger FSV Mainz 05. Am Mittwoch droht das Aus in der Champions-League-Vorrunde.
Trainer Louis van Gaal analysierte nach dem trüben 1:1 gegen Bayer Leverkusen treffend: "Wir haben einen FC Bayern gesehen ohne Selbstvertrauen." Das traf den Kern der Sache, war aber noch glimpflich ausgedrückt: Die Münchner Spieler wirken derzeit verunsichert, wie man das selten erlebt hat in den vergangenen Jahrzehnten.
Trainer van Gaal sagte das so dahin in der Pressekonferenz nach dem Spiel. Der listige Mediendirektor des Vereins ließ kaum Nachfragen zu und beendete die Angelegenheit schnell. Dabei wäre es schon interessant gewesen, von diesem schlauen Fußballlehrer van Gaal zu erfahren, wie er sich das erklären kann, dass seine Spieler mit derart zitternden Knien umherlaufen. Dass ihnen bisweilen der einfachste Pass misslingt, die Flanken zur Eckfahne segeln, die Torschüsse im zweiten Rang landen.
Ribérys Ausfall wiegt schwer
Bei aller Taktik und Ordnung auf dem Platz - den Spielern Glauben in ihr eigenes Können zu vermitteln, sie mental vielleicht stärker zu machen als sie physisch sind, auch das ist eine zentrale Aufgabe des Trainers.
Die Brachial-Psycholgie des niederländischen Dozenten ist aber nur ein Grund für die Misere des Rekordmeisters. Schwerwiegend ist der Ausfall des Inspirators Franck Ribéry, ebenso fehlt seit Wochen der zweite überragende Einzelkönner Arjen Robben. Mit den beiden Wirbelstürmern auf den Flügeln wurde Juventus Turin wie eine Schülermannschaft vorgeführt, mit ihnen stünde Bayern sicher nicht auf Platz sieben. Doch durch ihre Ausfälle tritt die ansonsten missratene Einkaufspolitik der vergangenen Jahre zum Vorschein.
Vor allem im zentralen Mittelfeld tut sich seit Jahren ein erschreckendes Kreativloch auf. Derzeit werkeln da Mark van Bommel und Anatolij Timoschtschuk, zwei schwerfüßige Zweikämpfer ohne Talent für den entscheidenden Pass, die zudem noch das Spiel auf ein Tempo herunterdimmen, das ihren technischen Fähigkeiten entspricht. Ähnliches gilt bisweilen für Bastian Schweinsteiger.
Nahrung für Enttäuschte und Unzufriedene
Unruhestiftend wirkt seit dem Abgang des hochgeschätzten Ottmar Hitzfeld zudem, dass die Trainer mit öffentlichen Querschüssen von Spielern und sogar Vorstand leben müssen. Die Autorität von Jürgen Klinsmann wurde von den Profis bald per Interviews untergraben, gebilligt offenbar von der Chefetage.
Das Gleiche ergießt sich nun über van Gaal, zuletzt haben ihn sogar Hoeneß und Noch-Präsident Franz Beckenbauer selbst angegriffen. Das hätte es unter Hitzfeld niemals gegeben. Man erinnert sich an einen vergleichsweise zarten Protest von Martin Demichelis, er wolle nicht im defensiven Mittelfeld spielen, sondern in der Abwehr. Im nächsten Spiel in Cottbus saß er auf der Tribüne.
Wenn ein Klubvorstand seine Trainer derart beschädigt oder beschädigen lässt, darf er sich nicht wundern, wenn plötzlich all die Enttäuschten und Unzufriedenen ihrem Unmut freien Lauf lassen. Klinsmann war irgendwann sturmreif geschossen, van Gaal droht nun Ähnliches. Und so greifen die sogenannten Mechanismen des Geschäfts: Sollte der Van-Gaal-FC-Bayern am Mittwoch aus der Champions League fliegen, vielleicht sogar, weil er mit einer weiteren düsteren Vorstellung Maccabi Haifa nicht besiegen kann, dürfte es um den Trainer geschehen sein.
Doch auch ein solcher Schritt würde kaum dazu führen, dass die Jahreshauptversammlung am Freitag zu einem rauschenden Abschied für Uli Hoeneß wird.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/aum)
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Die Krise beim FCB ist hausgemacht; darüber braucht man nicht mehr diskutieren . Warum schaut dieser ehem. Vorzeigeclub nicht auf die Konkurenz?
Werder Bremen hat nicht die finanziellen Mittel und dennoch spielen sie seit Jahrzehnten oben mit. Immer dann, wenn ein Star verkauft werden "muss" (siehe Diego!), ist es für die Mannschaft eine Chance, sich von außergewöhnlichen Spielern zu befreien. Immer dann wenn die Alphaspieler krank sind (wie zur Zeit), gelingt der Mannschaft außergewöhnlich viel.
Es geht also nicht darum, die anderen vereine zu schwächen, wie es die Vereinsoberen beim FCB seit Jahren umsetzen. Es geht darum ein Trainerstab und eine Philosophie zu entdecken, die zum Verein passt. Aber was passt zum FCB? Vermutlich nicht mehr die Aroganz (Honeß: "Zu Weihnachten stehen wir auf Platz 1"). Vermutlich hat sich auch der bekannte FCB-Dusel verabschiedet, was ja nichts anderes heißt: früher waren die anderen nicht viel schlechter; aber gewonnen hat fast immer Bayern. Kleinere Brötchen backen und nicht hochnäsig sich über Erfolgstrainer wie Otto Rehagel erheben. Immerhin hat dieser Mann 14 Jahre lang Werder Bremen trainiert und ist mit Griechenland Europameister geworden. Und das allerletzte kann sich Bayernb von Manchaster abgucken: Geduld haben. das heißt: lass doch einen Trainer ein oder zwei Jahre mal kein Erfolg haben aber die Zeit eine starke Truppe aufzubauen.
Die Strategie der letzten zwei oder drei Jahren, mit Geld sich den Erfolg zu sichern, ist nun wirklich gescheitert. Und hier ist vor allem Uli Hoenß gescheitert. er, der sparsame Schwabe, glaubte Real und Mailand nacheifern zu können und ließ sich vom Mamom leiten.
Bei aller Kritik, die am Freitag auf den Tisch kommen muss, sollten die Fans nicht die Verdienste von Hoeneß vergessen; aber auch nicht umgekehrt: weil er so viel für Bayern getan hat, darf man ihn jetzt nicht kritisieren.
Der Autor spricht ja auch von der aktuellen Verfassung dieses Akteurs "Derzeit werkeln ...". Ob mann deshalb dem Autor seine Sachkunde absprechen kann - ich denke nicht.
Ich frage mich jedenfalls, ob besagter Akteur vor seiner Verpflichtung wirklich anhand mehrerer Spiele beurteilt wurde (und nicht nur anhand seiner zwei Auftritte gegen den FC Bayern anno 2007). Ich kann nur seine Auftritte im Trikot des FC Bayern beurteilen, und diese, mit Verlaub gesagt, waren bisher eines Spielers des FC Bayern nicht würdig. Ich hoffe inständigst, dass es am fehlenden Selbstvertrauen liegt und lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Nach den bisherigen Leistungen ist T. leider ein klarer Fehleinkauf! Es haben bisher wenige Spieler geschafft mich zu verärgern, dieser Spieler schafft es jedoch zur Zeit jeden Spieltag auf's Neue.
"Derzeit werkeln da Mark van Bommel und Anatolij Timoschtschuk, zwei schwerfüßige Zweikämpfer ohne Talent für den entscheidenden Pass, die zudem noch das Spiel auf ein Tempo herunterdimmen, das ihren technischen Fähigkeiten entspricht."
Herr Hummel, haben sie mal Timoschtschuk bei St. Petersburg spielen sehen?
Es ist ja richtig, dass er bei Bayern bisher noch nicht die Leistung gebracht hat, aber deshalb sein Talent in Abrede zu stellen, ist eher polemisch und wenig sachkundig.
... den Bayern Vorstand in sportlichen Fragen sehr häufig kritisiere, an erster Stelle immer wieder gerne diesen Rumpelnigge Rummenigge, der sich öffentlich - meiner Meinung - mal massiv zurück halten sollte und seine Arbeit auf den internen Fokus legen sollte um damit auch das Umfeld zu beruhigen. Hoeness hat in den letzten Jahren mit seinen sportlichen Entscheidungen auch nicht immer richtig gelegen, andere Bundesligisten haben da massiv aufgeholt und durch besonnen, riskante und manchmal unerwartete Transferpolitik ein bißchen aufholen können.
Hoeness ist aber als Manager aus kaufmännischer Sicht aber trotzdem so ziemlich der beste Manager, der im UEFA Raum unterwegs ist. Wie er es geschafft hat aus dem FC Bayern eine Marke zu machen, Gewinne einzufahren, ein Stadion zu bauen und auch (hallo Schalke!!) noch bezahlen zu können, wie er Verträge aushandelte, Sponsoreneinnahmen über viele Jahre auch für seinen Nachfolger sicherte - das ist einmalig. Meiner Meinung nach. Wo sind denn heute die Manager, die sich immer auf Augenhöhe mit den Bayern sahen? Calli? Assauer? Meier? (Jenau der größenwahnsinnige Meier, der Dortmund mal fast an den Rande des Ruins gebracht hätte)
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