FC Bayern FC Bayern: "Ein Verein muss seine Werte leben"

Der FC Bayern München reist am Mittwoch erneut ins Winter-Trainingslager nach Doha in Katar - Fanclubs kritisieren das.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der FC Bayern München reist am Mittwoch erneut ins Winter-Trainingslager nach Doha in Katar.
  • Schon im vergangenen Jahr wurde der Klub für die Reise und für ein Freundschaftsspiel in Saudi-Arabien kritisiert. Die Menschenrechtslage in beiden Ländern sei nicht so, dass der FC Bayern es durch sein Auftreten unterstützen sollte, hieß es.
  • Der Dachverband der Fanclubs kritisiert beim Vorstand die Reise. Einzelne Fans treten aus dem Verein aus.
Von Benedikt Warmbrunn

Die Aspire Academy im Süden von Doha hat 15 Fußballplätze, sie hat 14 Kilometer Laufstrecke, zu ihr gehören ein Fußballstadion mit 50 000 Sitzen, eine Halle mit eigenem Fußballplatz, ein Hotel, das wie eine olympische Fackel aussieht, ein Hotel, das wie ein Puppenhaus aussieht, außerdem steht an ihrem Rand eine Shopping Mall, in der sich, unter anderem, ein kleiner Kanal befindet, ein Vergnügungspark sowie eine Eislauffläche. Wer als Sportverein aus sportlichen Gründen nach Doha reist, zum Beispiel für ein Trainingslager, dem fehlt also nichts.

Dass es allerdings für einen Sportverein nicht ganz so leicht ist, allein aus sportlichen Gründen nach Doha zu reisen, zum Beispiel für ein Trainingslager, das wissen sie beim FC Bayern München vielleicht so gut wie bei keinem anderen Verein.

An diesem Mittwoch fliegt der Tabellenführer der Fußball-Bundesliga für sieben Tage in die Hauptstadt des Emirats Katar an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf, doch für den FC Bayern ist es nicht einfach nur ein Winter-Trainingslager. Es ist das erste Winter-Trainingslager seit dem vergangenen Winter.

Bayern landete in Saudi Arabien als ein Blogger ausgepeitscht wurde

Mitte Januar 2015 kehrte der Klub von einer zehntägigen Reise zurück, die als eine der unglücklichsten der Vereinsgeschichte in Erinnerung geblieben ist. Erst war das Team acht Tage lang in Katar, dem Ausrichterland der Fußball-WM 2022, in dem mehrere internationale Organisationen Menschenrechtsverletzungen beanstanden. Dann flog die Mannschaft noch zu einem Testspiel nach Saudi-Arabien, auf Einladung der dortigen Volkswagen-Niederlassung. Sie landete dort an dem Tag, an dem ein Blogger ausgepeitscht werden sollte, weil er sich unter anderem für Demokratie und religiöse Freiheit ausgesprochen hatte.

Politiker und auch Fans mit politischer Haltung kritisierten die Reise; sie waren enttäuscht, dass sich der FC Bayern mit seiner internationalen Strahlkraft auf eine Reise begeben hatte, mit der er die von sich selbst propagierten Werte wie Respekt und Verantwortung vergessen hat. Vier Tage nach dem Testspiel äußerte sich Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsboss des FC Bayern, erstmals öffentlich zu dem Ausflug, er räumte ein, dass es besser gewesen wäre, im Rahmen der Partie "deutlich anzusprechen", dass der FC Bayern "jede Form von grausamer Bestrafung, die nicht im Einklang mit den Menschenrechten steht" verurteile. Er sagte: "Natürlich tragen am Ende alle, also auch wir, dafür Verantwortung, dass Menschenrechte eingehalten werden."

Beim FC Bayern betonen sie, dass sie sich auch andere Standorte angeschaut hätten

Ein Jahr später, vor dem sechsten Trainingslager in Doha in Serie, bereitet sich der Klub nun problembewusster auf die Reise vor. Sie versuchen im Verein, die Kritik an dem Testspiel in Saudi-Arabien von den Tagen in Doha zu trennen. Sie betonen, dass sie sich auch andere Standorte angeschaut hätten, dass aber an keinem die Bedingungen so gut seien wie in der Aspire Academy. Und sie arbeiten im Hintergrund daran, den Dialog mit ihren Partnern von der Aspire Academy weiterzuentwickeln.

In einem Interview kurz vor Weihnachten hob Rummenigge die Werte hervor, für die der FC Bayern stehen soll: "Wir kommen als Sportler ja immer mit der Botschaft von Integration und freier Lebensgestaltung." Die Partner in Doha, sagte der Vorstandsboss, "kennen unsere Überzeugungen, zum Beispiel bei der Frage von Arbeiterrechten. Aber sie werden uns nur zuhören auf der Grundlage von Respekt und Vertrauen." Zugleich wollte Rummenigge der Reise jedoch die politische Dimension nehmen: "Ein Trainingslager ist keine politische Äußerung. Niemand sollte Dinge vermischen, die nicht zueinander gehören."