Heute Válerien Ismaël, bald Daniel van Buyten? Der FC Bayern lässt seine Irrtümer ziehen und will in echte Qualität investieren.
Eine der schönsten Phantomdebatten unterhielt den FC Bayern vor zwei Jahren, es ging um den französischen Innenverteidiger Valérien Ismaël. Ob er sich vorstellen könne, für Deutschland zu spielen, hatte jemand den Profi aus Straßburg gefragt, und aus ein paar netten Worten über seine Gastgeber ("fühle mich wohl in Deutschland") entwickelte sich rasch eine Expertendiskussion, die dann allerdings der damalige Bundestrainer abrupt beendete. Denn Jürgen Klinsmann hatte ja Robert Huth.
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Wie gesagt, zwei Jahre ist das erst her, doch inzwischen weiß niemand mehr so genau, wer dieser Huth war - und wie aus Ismaël ein vermeintlicher Kandidat fürs Sommermärchen werden konnte. Ismaël ist an der Entwicklung kaum schuldig, denn ein gutartiger Tumor und ein Haarriss im linken Schienbein sowie im August 2006 ein Schien- und Wadenbeinbruch degradierten ihn anderthalb Jahre zum Patienten. Dass er nun zum Januar München verlässt und bis 2010 bei Hannover 96 unterschrieb, nachdem er am Mittwoch den Medizincheck bestand, ist einerseits erfreulich für den 32-Jährigen, der sagt: "Ich will endlich wieder spielen." Anderseits ist sein Abschied auch ein Eingeständnis der Bayern: das stille Eingeständnis eines Irrtums.
"Im ersten Jahr war er recht gut, dann war er leider permanent verletzt"
Es ist der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, der nun in diesem Zusammenhang einen interessanten Satz prägt, bei dem er womöglich auch an Ismaël denkt. Man habe Gefallen an sündhaft teuren Transfers wie Ribéry gefunden, sagt Rummenigge, deshalb gedenke man auch künftig viel Geld zu investieren. "Aber nicht mehr wie in der Vergangenheit in Spieler, die ihr Geld nicht wert waren."
Dass Ismaël doch nicht jene acht Millionen Euro Ablöse wert gewesen ist, welche die Bayern im Sommer 2005 an Werder Bremen überwiesen, hatten sie bereits vor der Blessurenserie des Elsässers geahnt - spätestens nach dem fürchterlichen 1:4-K.o. im Achtelfinale der Champions League 2005/06 beim ACMailand. Rummenigge sieht das heute etwas anders, "im ersten Jahr war er recht gut, und dann war er eben leider permanent verletzt", sagt er. Aber Rummenigge ist ebenso der Meinung: "Wenn er wieder einigermaßen seine alte Form erreichen will, muss er regelmäßig spielen. Und das kann er eher in Hannover." Bei den Bayern steht er diese Saison bei drei Einsätzen. Bei den Amateuren.
Van Buyten dürfte im Sommer der nächste sein
Einigermaßen eine bayerischen Ansprüchen angemessene Form zu erreichen, dies fällt auf - das schaffen in München regelmäßig einige Neue nicht. Wie Daniel van Buyten, der wie zuvor Ismaël in Bremen die Bayern mit einem starken Jahr beim HSV verzückte - und in München zuletzt als Sicherheitsrisiko galt. Der Belgier hat zehn Millionen Euro gekostet, womit auch er eine kostspielige Liebe auf den flüchtigen Blick wäre. Denn Rummenigge sagt klipp und klar: "Ich gehe davon aus, dass Demichelis mit Lúcio wieder in der Abwehr spielt, wenn Lúcios Sperre abgelaufen ist."
Van Buyten dürfte im Sommer der nächste sein, der, sofern er im zweiten Glied verbleibt, um Abschied bittet. Denn diesen Winter soll ja Breno, 18, kommen, der mutmaßliche Wunderknabe vom FC Sao Paulo. "Da bin ich vorsichtig optimistisch", sagt Rummenigge, was angesichts seiner sonstigen Zurückhaltung den baldigen Abschluss des angeblich 14 Millionen Euro teuren Transfers nahelegt. Van Buyten, der nächste sündhaft teure Irrtum, ein One-Hit-wonder, welchem die Bayern aufgesessen sind? "Das sehe ich anders", entgegnet Rummenigge abermals, er halte Ismaël wie van Buyten "nach wie vor für keine schlechten Einkäufe". Ebenso Jan Schlaudraff oder den - übrigens zehn Millionen Euro teuren - Argentinier José Ernesto Sosa. "Wir wollten doch jede Position doppelt besetzt haben, damit der Konkurrenz-Kampf geschürt wird."
Trotzdem dürften die Bayern demnächst wohl noch genauer hinschauen, wenn sie shoppen gehen. Mit Luca Toni und Franck Ribéry haben sie ja wenig falsch machen können, doch im kleineren bis mittleren Preissegment liegen sie bisweilen arg daneben. Dass Huth inzwischen bei Middlesbrough auf der Bank sitzt, mag Experten noch bekannt sein - doch wissen sie auch, dass der Paraguayer Julio dos Santos, noch bis 2009 bei Bayern unter Vertrag, derzeit an Spaniens Aufsteiger UD Almeria ausgeliehen (und noch ohne Einsatz) ist?
Rund 200.000 Euro erhält Bayern jetzt wohl für Ismaël. Und dann? Holen sie neue Helden, "denn wenn wir auf Dauer wirklich Erfolg haben wollen, dann brauchen wir weitere Stars", sagt Präsident Franz Beckenbauer. Rummenigge hat diesbezüglich bereits von Namen wie Daniele de Rossi, AS Rom, gelesen. "Die klassische Ente", sagt er dazu amüsiert, "können Sie alles vergessen. Denn Spieler wie de Rossi werden mit Geld zugeschmissen und glauben zudem, sie lebten in der schönsten Stadt der Welt". Doch irgendwer wird schon kommen, "wir schauen uns ja im Jahr bis zu 100 Spieler an", sagt Rummenigge. "Nicht mal zehn Prozent werden wir nehmen", versichert er. Aber fast.
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(SZ vom 06.12.2007/lsp)
Totilas und sein Reiter
ist schon ok, mein Kommentar war ja auch eher irionisch gemeint.
@irishman: sorry, dachte die Ironie wäre deutlich geworden. Zaunpfähle lassen sich schlecht in die Telefonleitung schieben.
Richtig - wieso auch BL - da müssen wir uns mit den 2.klassigen BVB etc. rumschlagen. Karl-Heinz & Uli basteln eh schon an der Euroliga. Ich will in Zukunft lieber nach London, Rom, Mailand, Barcelona und Madrid zu Auswärtsspilen - hauptsache Italien eben :-))))
ach ja richtig, ohne Manchester United zum Beispiel, da kamen Millionen her. Oder ohne Schalke, die haben uns den Altintop überlassen. Oder ohne den BvB, dort haben wir den Kovac hin abgegeben. Sorry, das hatte ich alles vergessen...
oh mann, ihr kapiert ja echt gar nix! Ohne den FC Bayern und seine unendlich vielen Fehleinkäufe gäbe es die BuLi doch gar nicht mehr. Woher sollen denn sonst die anderen Clubs alle ihre Euros bekommen? Vom eigenen Erfolg und den damit verbunden Werbeeinnahmen ja wohl nicht...
Paging