FC Bayern Lewandowski kompensiert das Abwehr-Drama

Umringt und geherzt von dankbaren Mitspielern: Robert Lewandowski

(Foto: AP)
  • Robert Lewandowski dringt beim 3:1 gegen den FC Augsburg in neue Sphären vor: Zum ersten Mal seit Gerd Müller in der Saison 72/73 hat ein Spieler zu diesem Zeitpunkt der Spielzeit schon 21 Tore.
  • In Zeiten, in den der FC Bayern kaum noch eine Abwehr hat, ist es für Trainer Guardiola umso wichtiger, dass vorne jemand zuverlässig trifft.
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Von Martin Schneider, Augsburg

An dem Tag, an dem sich Robert Lewandowski in die Bundesliga schoss, nahm er den Ball im Strafraum gekonnt an, drehte sich und traf mit dem rechten Fuß ins lange Eck zum 1:0. Er schoss danach noch zwei Tore gegen den FC Augsburg, zwischendurch traf auch noch Mario Götze. Es war der achte Spieltag im Oktober 2011, Dortmund gewann 4:0, und zum ersten Mal schoss der Pole einen Dreierpack in der Bundesliga. Die Saison davor saß er in Dortmund auf der Bank, der Boulevard nannte ihn "Lewandoofski". In der Süddeutschen Zeitung stand damals: "Anspiele auf Lewandowski waren oft gleichbedeutend mit Ballverlust".

Viereinhalb Jahre später, am Sonntagabend beim Spiel des FC Bayern, nahm er den Ball im Strafraum gekonnt an, drehte sich und traf mit dem rechten Fuß ins lange Eck zum 1:0. Er schoss danach noch ein Tor gegen den FC Augsburg, danach trafen auch noch Thomas Müller und Raúl Bobadilla. Es war der 21. Spieltag im Februar 2016, Bayern gewann 3:1, und zum ersten Mal seit Gerd Müller in der Saison 72/73 hat ein Spieler zu diesem Zeitpunkt der Spielzeit schon 21 Tore. Auf der Bank sitzt er schon lange nicht mehr, dem Boulevard gehen so langsam die Superlative aus. Anspiele auf Lewandowski sind oft gleichbedeutend mit sicheren Toren.

"Er sollte so weitermachen. Das wird uns nicht schaden", sagte Thomas Müller. "Das ist diese individuelle Weltklasse", sagte Augsburgs Trainer Markus Weinzierl. "Robert ist sehr professionell, auch in seinem Privatleben fokussiert er sich auf Fußball, Fußball, Fußball. Er ist nie verletzt und immer dabei. Es ist eine Ehre für mich, sein Trainer zu sein", sagte Pep Guardiola. In Zeiten, in denen der Bayern-Trainer durch die Verletzungen von Jérôme Boateng, Javi Martínez und Holger Badstuber kaum noch eine Abwehr hat, ist es für Guardiola umso wichtiger, dass vorne jemand zuverlässig trifft.

Lewandowski trifft wie aus dem Stürmer-Lehrbuch

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Lewandowski selbst, der jetzt auf 31 Tore in 31 Pflichtspielen kommt, sagte kaum etwas zu seiner Leistung. "Schade, das wir ein Gegentor bekommen haben. Klarer Sieg, nächste drei Punkte." Das war noch das aufschlussreichste Statement. Wenn er in der Interview-Zone steht, geht er zwischen dem Entertainer Thomas Müller oder dem Spiel-Erklärer Philipp Lahm oft unter. Manchmal sind Journalisten aus Polen da, da klingt es von der Sprachmelodie her so, als ob er mehr Spaß am Reden hätte. Aber auch dann zuckt er bei seinen Antworten so oft mit den Schultern, wie bei Interviews auf Deutsch. Er ist 1,84 Meter groß, nicht besonders breit und hat einen natürlichen Schlafzimmerblick. Ohne Ball am Fuß ist er keine besonders imposante Erscheinung. In seiner Jugend nannten ihn die anderen Kinder "Bobek", das heißt "kleiner Mann".