FC Bayern Lewandowski irritiert seine Vorgesetzten

Er will nichts hören, nur was sagen ... Stürmer Robert Lewandowski nach einer vergebenen Torchance gegen die TSG Hoffenheim.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)
  • Robert Lewandowski äußert sich in einem Interview sehr offen über das Verhalten des FC Bayern auf dem Transfermarkt.
  • Die Funktionsträger des FC Bayern müssen eine außerplanmäßige Klausur einberufen, um zu entscheiden, wie sie mit der Situation umgehen.
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Von Christof Kneer

Vielleicht ist Roman Bürki an allem schuld. Vielleicht hat er diese Kettenreaktion ausgelöst, an deren Ende Robert Lewandowski gar nicht mehr anders konnte, als dieses Interview im Spiegel zu geben. Im Duell mit Dortmunds Torwart hat sich Lewandowski im April die Schulter ruiniert, und jeder kann sich jetzt je nach Neigung ausmalen, wie die Saison des FC Bayern ohne diesen Zusammenprall verlaufen wäre.

Lewandowski wäre im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League nicht ausgefallen, selbstverständlich hätte er sich gegen Real Madrid den Elfmeter kurz vor der Pause geschnappt, und ebenso selbstverständlich hätte er den Ball nicht wie Arturo Vidal in die Umlaufbahn geschossen, sondern ins Tor. Die Bayern hätten 2:0 geführt und das Rückspiel ohne jede Schiedsrichter-Debatte überstanden, und ganz am Ende der Saison dann ... ja, vielleicht hätten die Bayern tatsächlich die Champions-League-Trophäe auf ihren Rathausbalkon geschleppt, und in einem anderen Land würde jetzt gerade ein prominenter Fußballer einem Nachrichtenmagazin ein Interview geben. Ungefährer Inhalt: Warum auf dem Transfermarkt so einen Wahnsinn veranstalten? Kann man's nicht einfach so machen wie die Bayern?

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Am Ende waren es aber doch die Funktionsträger des FC Bayern, die am Tag nach dem 0:2 in Hoffenheim eine außerplanmäßige Klausur einberufen mussten. Wie umgehen mit diesem Interview? Sanktionieren oder aussitzen? Es war eben doch ein Bayern-Spieler, der das Interview gegeben hatte, offenbar ohne Autorisierung durch den Verein. Bis Sonntagabend blieb offen, wie der Verein auf die sehr freie Meinungsäußerung seines Stürmers reagiert.

Der FC Bayern müsse "sich etwas einfallen lassen und kreativ sein, wenn der Verein weiter Weltklassespieler nach München lotsen will", sagt Lewandowski im Interview etwa, "und wenn man ganz vorne mitspielen will, braucht man die Qualität dieser Spieler." Bis heute habe der Verein "nie mehr als rund 40 Millionen an Ablösesummen für einen Spieler bezahlt", so Lewandowski weiter, das sei im internationalen Fußball "längst eine Summe, die eher Durchschnitt als Spitzenwert ist".

Allein dieser Satz zeigt, warum das Interview aus Klubsicht in doppelter Hinsicht ein Problem ist. Erstens ist es unüblich, dass ein Angestellter seinen Vorgesetzten öffentlich erklärt, was sie künftig besser machen müssen als bisher. Zweitens birgt der Satz genügend Potenzial, um nicht nur die Chefetage, sondern auch die Kabine durcheinander zu bringen. Was soll etwa Correntin Tolisso denken, wenn er einen Satz liest, der "rund 40 Millionen an Ablösesummen" zum Thema hat und mit der Formulierung "eher Durchschnitt" endet?

Tolisso hat 41,5 Millionen gekostet, und er kann sich das jetzt mal überlegen: Hat der Kollege Lewandowski da eher so allgemein gesprochen, oder meint er mit "Durchschnitt" etwa mich?

Im Grunde ist dieses Interview eine Art Zeitdokument. Hier spricht einer, der im Zentrum eines entrückten Marktes steht und aus luxuriöser Perspektive die emotionalen und hierarchischen Kollateralfolgen deutet. Die Machtverhältnisse im Fußball hätten sich "extrem verschoben", erklärt Lewandowski in einem Duktus, der eher an ein Manager-Interview erinnert, "und zwar zugunsten der Spieler. Wenn ein Spieler wirklich wechseln will, dann kann er das in der Regel auch durchsetzen".