FC Bayern Krieger Vidal soll den Platz umgraben

Arturo Vidal und Gianluigi Buffon begegnen sich auch in München wieder. Man schätzt sich von früher.

(Foto: dpa)
  • Arturo Vidal sieht sich immer wieder mit Gerüchten und Anschuldigungen konfrontiert. Dazu war er nicht der absolute Wunschspieler von Trainer Pep Guardiola.
  • Dennoch hat sich der Mittfeldspieler der Bayern mittlerweile zu einem Leistungsträger entwickelt.
  • Im Champions-League-Spiel gegen seinen Ex-Klub Juventus Turin will er seinen Aufwärtstrend fortsetzen.
Von Christof Kneer

In Leverkusen erzählen sie die Geschichte bis heute gerne. Umstritten ist allenfalls die Uhrzeit, es war - je nach Quellenlage - vier oder fünf Uhr morgens in New York, als das Telefon eines Mitarbeiters von Bayer 04 klingelte. Am anderen Ende der Leitung und der Welt: Arturo Vidal, ein junger Mittelfeldspieler, den die Leverkusener erst kürzlich käuflich erworben hatten. Er wolle eine Pizza essen, teilte Vidal mit, und der Bayer-Mitarbeiter, der heute immer noch in Leverkusen tätig ist, setzte sich morgens um vier (oder fünf) in New York an den Laptop. Er bestellte eine Pizza, die bei Vidal in Leverkusen dann pünktlich zur Auslieferung kam.

Was diese Geschichte sagen will? Das ist eine gute Frage. Arturo Vidal, 28, muss ja seit Jahren damit leben, dass bei ihm jedes Detailchen umgehend auf sein Skandalpotenzial untersucht wird, und wer möchte, könnte natürlich auch in diesem Fall sagen: Ha! Erwischt! Ein unmündiger Profi, der vielleicht Autos in Leitplanken fahren, sich aber keine Pizza kaufen kann! Man könnte es aber auch andersherum sehen: Vidal war halt jung damals, er war neu in Deutschland, konnte kein Wort dieser seltsamen Sprache, und er hatte Hunger. Also: Warum nicht einen Mitarbeiter um Hilfe bitten, von dem er nicht wusste, dass er gerade ein paar Zeitzonen entfernt ist?

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Für seine aggressive Spielweise wird er gleichzeitig gelobt und kritisiert

So ist das mit Arturo Vidal. Er ist unbestreitbar und unbestritten ein internationaler Topathlet, auf seiner Visitenkarte stehen vier italienische Meisterschaften mit Juventus Turin und ein Copa-America-Triumph mit Chiles Nationalelf, und trotzdem ist dieser Spieler bis heute Geschmackssache, weil man ja nie weiß, ob seine Visitenkarte gerade irgendwo in einem rauchenden Ferrari liegt. Spielt Vidal aggressiv, loben ihn seine Unterstützer als genau jenen Spieler, den eine Mannschaft braucht. Seine Gegner sagen dann: Der foult zu viel. Spielt er weniger aggressiv, sagen seine Unterstützer: Seht her, der nickelt nicht nur, der kann auch richtig gut kicken. Seine Gegner sagen dann: Nicht mal richtig foulen kann er.

Wer sich aktuell mit der Dominanz dieser exquisiten Bayern-Elf befasst, der landet einerseits bei diesem manisch präzisen Trainer und andererseits bei diesem kostbaren Spielerkader, der - so die allgemeine Meinung - im vorigen Sommer noch mal mustergültig verstärkt wurde. Der artistische Costa, der rasende Coman, der frühreife Kimmich! Arturo Vidal, im selben Sommer von Juventus Turin nach München gewechselt, kam in diesen Hymnen bislang eher am Rande vor. Er war halt auch im Team, ein verrückt frisierter Adabei, aber was genau war noch mal sein Beitrag im vergangenen Dreivierteljahr?

Die Turiner Fans verehren Vidal bis heute

Am Mittwoch kommt Juventus Turin zum Achtelfinal-Rückspiel in die Stadt, jener Verein, bei dem es Vidal in seinen vier Turiner Jahren zu verblüffender Beliebtheit gebracht hat. Die Fans verehren diesen grimmigen Temperamentsbolzen bis heute, und bei seinem neuen Klub in München waren sie deshalb vor dem Hinspiel ein wenig aufgeregt: Würde Vidal sich und seine dazugehörigen Nerven im Griff haben vor diesem emotionalen Wiedersehen, oder würde er herumnickeln, herumfoulen und in die Leitplanken grätschen?

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Nach dem Spiel waren sich die Berichterstatter in beiden Ländern übrigens einig: Einer der besten Münchner war Arturo Vidal. Es war derselbe Schluss, zu dem auch jene Berichterstatter kamen, die kurz darauf über das Spiel Dortmund gegen Bayern urteilten. Sie sahen einen Spieler, der produktive Kampfeslust mit professioneller Abgeklärtheit mischte.