FC Bayern in Freiburg Vier Streiche und ein Streich

Bayern-Trainer Jupp Heynckes (links) scherzt mit seinem Kollegen Christian Streich.

(Foto: Ralph Orlowski/Reuters)
Von Benedikt Warmbrunn, Freiburg

Christian Streich klatschte in die Hände, er wedelte seine Spieler nach vorne, er wollte unbedingt mehr von dem sehen, was sie ihm bisher boten. Dann stopfte Streich beide Hände in die Hosentaschen, so zufrieden war er. Wenige Augenblicke später führte der FC Bayern. Streich nahm die Hände aus den Hosentaschen heraus, er klatschte, seine Spieler sollten bloß nichts verändern. Vier Minuten später stand es aus Sicht der Freiburger: 0:2.

Der FC Bayern hat am Sonntagabend beim SC Freiburg 4:0 (2:0) gewonnen, es war allerdings kein durchweg souveräner Auftritt, gerade in den Anfangsminuten wirkte der Favorit unsortiert, behäbig, fast schon lustlos. Die bessere Mannschaft war zunächst der Außenseiter, der diszipliniert spielte, der frech auftrat, der einer klaren Idee folgte. Die bessere Mannschaft war zunächst die von Christian Streich.

"Loser Kontakt" zum FC Bayern?

Das passte, denn die Partie im Schwarzwald bildete ja den Abschluss eines Wochenendes, an dem es bei den beiden Vereinen hauptsächlich ein Thema gegeben hatte: Christian Streich. Oder besser gesagt: das Thema, ob Streich ein Thema sei, beim FC Bayern, als Nachfolger von Jupp Heynckes im Sommer.

Die Bild hatte gemeldet, dass es "losen Kontakt" zwischen den Münchnern und dem Freiburger Trainer gegeben habe. Offiziell ist der FC Bayern zwar gar nicht auf Trainersuche, weil sie in München ja offiziell weiterhin versuchen, ihren Heynckes zum Weitermachen zu überreden, obwohl dieser offiziell zu dem Thema nichts mehr sagen will, weil er offiziell schon oft genug gesagt hat, dass er im Sommer aufhören will. Für den Fall, dass Heynckes tatsächlich ihrem hartnäckigen Werben nicht nachgibt, gehen sie beim FC Bayern aber schon ein paar Namen von deutschen und deutschsprachigen Trainern durch, ganz inoffiziell natürlich nur, um ihren Heynckes nicht zu verärgern.

Und Christian Streich ist ja nachweislich ein Trainer, ein deutscher sogar. Wobei: Streich spricht Alemannisch.

Das Gerede beendet Streich persönlich, kurz vor dem Anpfiff. Dem Sender Sky sagte er: "Das ist alles total ersponnen", und "das entbehrt jeglicher Realität." Niemand habe ihn angerufen, "sonst würde ich nicht sagen", dass die Geschichte nicht stimmt. Er machte sich lustig über die Meldung: Wenn immer nur andere Trainer als Heynckes-Nachfolger genannt würden, "da wäre ich ja beleidigt gewesen, wenn mein Name nicht einmal aufgetaucht wäre".

Dann kam der Anpfiff, es ging wieder um Fußball. Es begann eine Partie, die zunächst beste Werbung war für die Arbeit des alemannischsprachigen Trainers Christian Streich.

In typisch grotesker Müller-Manier

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Heynckes hatte die Aufstellung des FC Bayern kräftig durcheinander geschüttelt, auf der Bank saßen Lewandowski, Martínez, Robben; verletzt fehlten Coman, Ribéry und James. Die Mannschaft, die spielte, begann verhalten, es fehlte an Bewegung, an Unterstützung im Spielaufbau, an Abstimmung in der Verteidigung. Nach elf Minuten schoss Corentin Tolisso aus der Distanz aufs Tor, gefährlich war das alles nicht.