Nach einer rauschenden Saison hat sich der FC Bayern schon häufiger schwergetan. Gerade die Granden Beckenbauer, Rummenigge und Hoeneß wissen aus eigener Erinnerung um die Gefahr.
Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge: Alle drei wissen, wie dem FC Bayern München so ein miserabler Start widerfahren kann. Sie haben es selbst erlebt. Nach sieben Spielen schafften die drei es mit ihrer Mannschaft in der Saison 1974/75, auf dem gleichen zwölften Platz zu landen wie ihre aktuellen Nachfolger. Übrigens setzte es damals bis zu diesem Zeitpunkt Niederlagen in Offenbach (0:6!), Wuppertal und Braunschweig sowie eine Heimpleite gegen Schalke 04.
Bild vergrößern
Chefbubi trifft auf Vorbeischießer: die Elf des Spieltags. (© dapd)
Anzeige
Die Parallele zwischen diesen 36 Jahre entfernt liegenden Ereignissen? Viele Bayern-Spieler erlebten zuvor eine fast rauschhafte Saison. 1974 gewannen die Münchner die Meisterschaft, standen im Halbfinale des DFB-Pokals, siegten zum ersten Mal im Europapokal der Landesmeister. Und als Krönung holten sechs Bayern-Spieler auch noch den WM-Pokal im Finale gegen die Niederlande.
Der letzte, ganz große Triumph in Johannesburg blieb den Bayern-Profis im Jahr 2010 vorenthalten. Auch die Champions League konnten sie nicht gewinnen. Dennoch war es für Butt, Badstuber, Lahm, Schweinsteiger, Müller, Klose und Gomez sowie für die Holländer van Bommel und Robben eine kaum mehr zu überbietende Spielzeit. Gerade die jungen Deutschen waren plötzlich die Lieblinge und Helden der Nation. An so vielen Emotionen und Huldigungen sind schon einige junge Sportler - zumindest vorübergehend - zerbrochen.
"Der ein oder andere Spieler scheint nach der erfolgreichen Saison mit der Höhenluft nicht zurechtzukommen, das scheint mir der ein oder andere nicht verkraftet zu haben", urteilte Präsident Uli Hoeneß nach dem 0:2 in Dortmund.
Wer die vergangenen Spiele sah, weiß, wen er meinte: Bastian Schweinsteiger spielt ordentlich, aber drei Klassen schlechter als im Mai und Juni. Thomas Müller ist immer noch ein Draufgänger, die Gegner stellen sich ihm aber jetzt ebenso draufgängerisch in den Weg. Miroslav Klose hat seinen Nicht-Nationalelf-Blues, die Fehlschüsse von Mario Gomez sind sowieso ein Rätsel. Philipp Lahm ist vom WM-Kapitäns-Koloss zu einem ordentlichen Rechtsverteidiger geschrumpft, Mark van Bommels Schwächen in Spiel- und Lauftempo sind nicht mehr zu übersehen.
Die WM als Ausrede? Zumindest stehen Zahlen im Raum: Die ersten drei der aktuellen Tabelle - Mainz, Dortmund und Hannover - vereinigen insgesamt fünf WM-Fahrer in ihren Kadern, die Bayern alleine 13. Und dass die Münchner den Ausfall ihrer besten Offensivspieler Ribéry und Robben kaum verkraften können, ist schon länger bekannt. Außerdem wird immer deutlicher, dass zwei, drei zusätzliche Verpflichtungen erfolgshungriger Profis diesem Team sehr gut getan hätten.
1974/75 hieß es bald, die Münchner Weltmeister und -stars hätten keine Lust mehr auf die graue Bundesliga, die Bayern schlingerten durch eine ganze Saison und wurden am Ende Zehnter. So weit wird es 2011 wohl nicht kommen, zu hoch ist der Druck im Verein, mit einem Champions-League-Platz die Finanzen abzusichern. Der Ton von Vorstandschef Rummenigge und Hoeneß wird bereits schärfer. "Ich habe mit dem Wort Krise keine Probleme. Die Situation ist so, dass wir uns Sorgen machen müssen. Wir können uns nicht erlauben, mit 13 Punkten hinter der Spitze hinterzuhängen. Jetzt stecken wir in der Scheiße, jetzt müssen wir aus der Scheiße rauskommen", sagte Rummenigge.
Es wird aber auch für die scharfzüngigen Macher des Klubs nicht leicht, ihren WM-Emporkömmlingen den Trott auszutreiben, damit sie wieder mit der nötigen Lust und Euphorie auf den Rasen gehen. Andererseits ist der Zeitpunkt für eine Wende günstig: Zehn Tage mit dem Lustschiff Nationalmannschaft - am Freitag spielt Deutschland in Berlin gegen die Türkei - werden gerade den WM-Fahrern guttun. Es folgen Partien gegen Hannover, Hamburg, Freiburg und Mönchengladbach.
Und wenn es doch zum großen Krisenjahr des FC Bayern München in der Bundesliga kommt? Dann ist da ja noch die Champions League. In der Saison 1974/75 hat der Verein dann eben zum zweiten Mal den Europapokal der Landesmeister gewonnen.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Bundesliga RSS
- Bundesliga, 7. Spieltag Mainz steht Kopf 02.10.2010
- Bundesliga: Dortmund - FC Bayern Attacke Hoeneß: "Das ist der Super-Gau" 04.10.2010
- Freizeitkicker Thomas Tuchel "Wir spielen jetzt mit Mainz-Trikots" 07.10.2010
- 2 um 2 - Udos Erben "Gomez sollte ein Stuttgart-Trikot drunterziehen!" 05.10.2010
- Bundesliga: Krise des VfB Stuttgart Mr. Murphys grausames Programm 05.10.2010
- Bundesliga: Elf des Tages Chefbubi trifft auf Vorbeischießer 04.10.2010
- FC Bayern: Einzelkritik Orchester ohne Ordnung 03.10.2010
(sueddeutsche.de/jüsc)
Freundschaft zwischen den Geschlechtern
ich empfehle den sogenannten granden beim "fcb" dringend, ihre kritik intern zu äußern ...
was für die spieler gilt, sollte auch für die herren beckenbauer, rummenigge und hoeneß gelten ...
Wenn jemand die letzte Saison als "rauschend" bezeichnet, könnte ein Rausch (Oktoberfest?) der Auslöser sein. Bitte schauen Sie sich die Ergebnisse der letzten Saison in Ruhe an, "rauschend" waren einige wenige Spiele, besonders aber das Happy end. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Hauptsache ist doch, dass der Vertrag mit dem Trainer verlängert wurde...
Wie so oft ist es wieder einmal der Trainer, der so bescheiden spielt! Gut dass man den Vertrag verlängert hat. Hoffentlich ohne Option für vorzeitige Beendigung, so kann man dann bei Rausschmiss den Rest des Vertrages schön auszahlen!
Spielen die 11 auf dem Platz wieder einmal gegen den Trainer, wie sie es in der Vergangenheit so oft getan haben oder können die tatsächlich nichts mehr?
Gruß nach München! Die Wies'n ist vorbei, jetzt dürft ihr wieder arbeiten!
In Deutschland wird ALLES vom Ergebnis her beurteilt. Wenn die Arbeit, die man erbringt, den nötigen Geldregen aufkommen lässt, dann ist die Arbeit in Ordnung gewesen. Vielleicht hilft ja der Blick in die Autoindustrie. Mehr als selten zuvor müssen Autos reiehnweise in die Werkstatt zurückgerufen werden, weil sich im nachhinein der ein oder andere Fehler auftat. Die Folgen sind sehr teuer.
Die Einstufung des FCB in den letzten Jahren erinnert mich an dieses Beispiel der Autoindistrie. Man hat vor Jahren in Trainer (Klinsmann besonders) und in teure Spieler investiert. Ob das alles zusammenpasst, schien nicht so wichtig. In der letzten Saison hing Alles an einem Spieler (Robben). Seine Genialität hatte dem FCB neben dem berühmten Dusel die Meisterschaft gebracht. In der europaklasse wäre man in der Vorrunde fast ausgeschieden. Weil aber die Meisterschaft eingefahren wurde und man bis ins Endspiel kam, war klar: Die beste Mannschaft der welt kommt aus Bayern. Vom Papier stimmt diese Trugschluss immer noch: die teuerste Mannschaft der Liga hat der FCB. Ob diese Truppe aber zusammen passt (Warum konnte Klose seine Leistungen aus Kaiserslatutern und Bremen bislang nicht abrufen? Warum ist Gomes ein totaler Versager, was seine Ansprüche angeht?), das wurde in all den vielen jahren nicht wirklich angegangen; der Erfolg sprach für sich.
Ob es klug ist, diese Truppe mit einem Wiesnbesuchsverbot zu bestrafen, erinnert mich an hilflose Lehrer, die mit ihren Wohlstandsbuben nicht zurecht kommen.
Was der FCB von Mainz und Dortmund lernen kann ist: Spielfreude und Identifizierung mit dem Verein. Ob das aber nach der Tradition des FCB sowohl in die Köpfe der verantwortlichen als auch der Spieler gelangt. bleibt fraglich. Man hat andere Ansprüche und der vordergründige Erfolg wird als Beweis geliefert.
Jetzt hat man in der Krise den vertrag mit dem Trainer erst verlängert. Das sollte Ruhe in den Verein bringen. Wenn die nächsten zwei Spiele verloren würden..... Armer FCB.
Fakten:
Der FC Bayern hat momentan 5 Punkte Rückstand auf den dritten Platz, der zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigt. Der FC Bayern hat drei Punkte weniger als letzte Saison, damals wurden sie mit 5 Punkten Vorsprung Meister. Der bis dahin ungeschlagene Tabellenführer am siebten Spieltag der letzten Saison konnte sich nicht für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren.
Das kann man nun bewerten wie man will. Ebenso die Information aus dem Artikel:
"Die ersten drei der aktuellen Tabelle - Mainz, Dortmund und Hannover - vereinigen insgesamt fünf WM-Fahrer in ihren Kadern, die Bayern alleine 13."
Ich glaube aber, dass die Tabelle am 7. Spieltag selten mit der am 34 übereinstimmt und denke, dass sich einige, die sich jetzt die Hände reiben am Ende wieder etwas verbitterter sind.
Nebenbei, mir ist als Bayern-Fan dieses Jahr die Meisterschaft nicht so wichtig wie der Auftritt in der Champions League. Ein dritter (besser zweiter) Platz am Saisonende würde mir auch reichen.
Paging