FC Bayern in der Einzelkritik:Weltmeisterliche Sommerfußballer

Mario Götze ist mit der Brechstange erfolgreicher als mit Pirouetten, Thiago Alcántara beweist Kunstverstand bei der Ballannahme und bei Jérôme Boateng sind die Schluderbruder-Tage gezählt. Der FC Bayern beim 3:0 gegen Guangzhou Evergrande in der Einzelkritik.

Von Jonas Beckenkamp, Agadir

FC Bayern in der Einzelkritik

Manuel Neuer

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(Foto: AFP)

Manuel Neuer: Gibt im arktischen Bundesliga-Winter stets Anlass zur Sorge - es sollen ja schon beschäftigungslose Sportler festgefroren sein. Diesmal bestanden keine Bedenken: Es war ja bestes Rumstehwetter in Agadir. Musste dennoch nicht um seine Bewegungspauschale fürchten, denn die Mitspieler fütterten ihn mit ein paar dankbaren Rückpässen. Und sonst so? Außer zwei entfesselten Klärungs-Ausflügen in der ersten Halbzeit nicht viel. Konnte sich so den kugelrunden Mond über dem Stadion anschauen.

FC Bayern in der Einzelkritik

Rafinha

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(Foto: dpa)

Rafinha: Trat zuletzt gar als akrobatischer Vorlagengeber in Erscheinung, was den Verdacht nährt, dass da einer mit allen Mitteln um seinen Platz im Team kämpft. Eigentlich galt doch als ausgemacht, dass Philipp Lahm hinten rechts kreiseln darf, sobald im Zentrum die Verletztenmisere behoben ist. Doch, Pustekuchen: Rafinha spielt (fast) immer. Lieferte eine seriöse Partie ab, wenngleich er so gut wie gar nicht gefordert wurde. Die Chinesen hatten offenbar beschlossen, seine Seite nicht zu betreten. Verschlechterte seine Chancen auf weitere Einsätze keineswegs.

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Daniel Van Buyten

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(Foto: dpa)

Daniel Van Buyten: Hat es nicht so sehr mit der Akrobatik, obwohl er als Sohn eines Jahrmarkts-Wrestlers eigentlich biegsam wie eine Gumminudel sein müsste. Wirkte gegen die schnellen Offensivleute des Gegners ein wenig steif, was aber nicht ins Gewicht fiel. Erinnerte mit seinen Riesenschritten im Vergleich zu den wuseligen Asiaten immer ein wenig an Big Foot. Erzielte diesmal kein Kopfballtor - das wäre auch gemein gewesen gegen die Lemminge von Guangzhou Evergrande.

FC Bayern in der Einzelkritik

Jérôme Boateng

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(Foto: REUTERS)

Jérôme Boateng: Sprach über dieses Turnier in höchsten Tönen, schließlich käme "eine solche Gelegenheit nicht jeden Tag". Wollte damit demonstrieren, dass mit seinem neuen Vertrag in der Tasche die Schluderbruder-Tage endgültig gezählt sind. Untermauerte seine Ambitionen mit einer aufgeweckten Abwehrleistung. Wann immer Guanghzou den Hauch von Gefahr ausstrahlte, flog ein Stück Boatengscher Körper dazwischen: Hacke, Schulter, Rumpf. Hatte damit wohl die ungewöhnlichsten Ballkontakte aller Akteure. Kriegt noch eine Gelegenheit, dieses Event toll zu finden.

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David Alaba

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(Foto: REUTERS)

David Alaba: Skifahren, Schnitzel, Schlagobers - das kann jeder Österreicher. Aber welcher Alpenbewohner kann sich schon Klubweltmeister nennen? Beziehungsweise: Wööödmaster. Wedelte mutig nach vorne, denn zu Verteidigen gab es ja wenig. Unterbrach seine Darbietung mit einem kurzen Gebet vor dem Wiederanpfiff - und machte danach einfach wööödmasterlich weiter. Klärte im Fallen bei einem seltenen Angriff des Gegners, hielt links den Laden dicht und hätte sich vermutlich auch noch einen Verlängerten genehmigen können, weil so wenig los war.

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Philipp Lahm

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(Foto: REUTERS)

Philipp Lahm: Jetzt macht das mit dem Regieren doch wieder die Merkel, dabei hätte er auch einen glänzenden Staatsmann abgegeben. Äußert sich ja ähnlich dezent und unangreifbar wie die Kanzlerin, beherrscht zudem seit dieser Saison auch das Reich der goldenen Mitte - als Sechser. Trat dort als Organisator auf, aber auch als Antreiber. Komplettierte seine Vorführung mit einem kernigen 80-Meter-Sprint in den eigenen Strafraum, wo er per Kung-Fu-Grätsche die beste Gelegenheit der Chinesen vereitelte. Wäre zumindest einer für Merkels Kabinett.

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Toni Kroos

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(Foto: dpa)

Toni Kroos: Ist von seinem Naturell her eher der Typ "Sommerfußballer", weshalb ihm die Bedingungen in Marokko sicher schmeichelten. Seine Eleganz passt auch eher zu lauen Mittelmeernächten als zum Bibberkick bei Minusgraden. Agierte merklich weit hinten, was durchaus als taktische Vorsichtsmaßnahme zu verstehen war. Schlich sich trotzdem nach vorne und sorgte mit einem Kanonengeschoss für ein Novum: Zum ersten Mal war bei einem Spiel einer deutschen Mannschaft die Torlinientechnik auf der Stadionleinwand zu sehen. Insgesamt aber etwas zu phlegmatisch für die Position in der Defensive. Was war noch einmal ein Sommerfußballer?

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Thiago Alcántara

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(Foto: dpa)

Thiago Alcántara: Kennt sich aus mit dieser komischen Klub-WM, schließlich hat er sie 2011 mit Barcelona schon gewonnen. Durfte mit dieser Vorgeschichte natürlich von Anfang an ran und scheint derzeit ein wenig mehr Guardiola-Gunst zu genießen als Javier Martínez. Trieb sich überraschend oft im offensiven Mittelfeld rum und bewies, dass er auch zentimetergenau an den Pfosten schießen kann. Erhob jede Ballmitnahme zur hohen Kunst - oder spielte die Kugel gleich direkt weiter, wie bei seiner magarinenweichen Hereingabe vor dem 2:0. War diesmal einer der Besten, was die Frage aufwirft: Sollte er öfter auf der Zehn spielen?

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Franck Ribéry

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(Foto: Bongarts/Getty Images)

Franck Ribéry: Schönwetterfußballer? Das warfen Kritiker ihm einst vor, doch mittlerweile kann man sich seine Schaffenskunst auch auf einer Schafswiese in Island vorstellen. Trotzdem: Marokko, Nordafrika, der besonders laute Applaus von den Rängen - der praktizierende Moslem Franck "Bilal" Ribéry hatte ein Heimspiel. Wurde von den Chinesen gezupft, gehalten und beackert, ehe ihm beim 1:0 Torwart Cheng Zeng ein Freundschaftsgeschenk machte. Genoss sichtlich die Zuneigung der marokkanischen Fans, der ihm bei jeder Ecke entgegentönte. Als er ging, sang das Volk: "Allez les bleus".

FC Bayern in der Einzelkritik

Mario Götze

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(Foto: AFP)

Mario Götze: Kann von falscher Neun bis wandelnde Billardbande eigentlich alles - tut sich aber mit Robben-Vertretung auf Rechtsaußen irgendwie schwer. Ließ Bälle weghüpfen, vertändelte sich im Dribbling und kredenzte ein paar erstaunliche Fehlpässe. Als er die gefühlt 20. Pirouette verschusselte, klappte es plötzlich: Zog schnörkellos Richtung Tor und schoss das 3:0. Hatte noch zwei Chancen, als er erneut einfach mal draufknallte. Sollte in Zukunft öfter den brachialen Weg gehen. Er wäre dann vermutlich überhaupt nicht mehr zu stoppen.

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Mario Mandzukic

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(Foto: dpa)

Mario Mandzukic: Ein echter Stürmer gegen eher kleingewachsene Chinesen - noch dazu einer, der seine Knochen überall hineinwirft. Nicht die schlechteste Variante aus der Pep'schen Taktikkiste. Begab sich zunächst in Lauerstellung und wartete so lange, bis endlich ein zartes Flankenbällchen von Thiago hereinsegelte - als dem soweit war, stand es schwupps 2:0. Trat ansonsten nicht mehr groß in Erscheinung und durfte schließlich für Pizarro vom Feld. Kurz vorbeigeschaut, Treffer gemacht, Duschen gegangen. Typischer Stürmertag.

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Einwechselspieler: Javier Martínez, Xherdan Shaqiri, Claudio Pizarro

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(Foto: AFP)

Javier Martínez: Kam Mitte der zweiten Hälfte für Kroos und bezog Stellung in der Zentrale. Ragte mit seiner Körpergröße über fast alle Chinesen hinaus. Verhielt sich in der Defensive gewohnt energisch und bedeckte offene Räume gekonnt. Jagte sogar noch einen Schuss Richtung Gibraltar. Xherdan Shaqiri: Eingewechselt, gleich losgewuselt und ein kerniger Hieb ans Außennetz. Auch kein schlechter Arbeitsnachweis. Claudio Pizarro: Eingewechselt, feine Füße bewiesen, Doppelpässe gespielt. Runder Pollunder. (Archivbild)

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