Von Klaus Hoeltzenbein

Man sieht es der Mimik von Bayern-Manager Uli Hoeneß an, dass ihm so manches, was gerade in München passiert, nicht ganz geheuer ist.

Zum Spiel gegen Lyon hatten einige Fans Selbstgebasteltes mitgebracht. Plakate mit der Aufschrift "Klinsi raus!" oder "Go home!", und als vor dem Anpfiff der Name des Trainers verkündet wurde, pfiff mancher sich die Finger wund. Das Stadion ist ein Meinungstheater, der Kunde ist König, er kauft mit seiner Eintrittskarte das Hier-und-Jetzt und auch das Recht aufs Buuuh und Bäääh. Er will den Augenblick genießen, und der wurde ihm zuletzt beim 2:5 gegen Bremen und beim 0:1 in Hannover grausamst vergällt. Die Bundesliga, das war bis zum Sommer die Domäne der Hitzfeld-Bayern, stolze zehn Punkte Vorsprung waren es zum Ende der vergangenen Saison. Und den Pokal gab's obendrauf.

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Die Mimik von FC-Bayern-Manager Uli Hoeneß (rechts) spricht manchmal Bände. (© Foto: Getty)

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National reihten sich verklärte Triumphe, vergessen aber wird im Taumel schnell, dass nicht nur die Bayern, sondern die gesamte Party-Bundesliga den Anschluss verloren hat: Sie trottet in Europa den Trends hinterher, zu besichtigen im Vorjahr auf der Reise der Bayern durch die Provinzen des Uefa-Pokals. Dieser holprige Folkloretrip blieb nur deshalb in so schöner Erinnerung, weil er in einem Märchen gipfelte, als Oliver Kahn, der Torwart, im Abschiedsrausch nach vorne stürmte und mit einer Art Kopfball das 3:3 beim FC Getafe einleitete. In Getafe! Bei einem Vorortklub vor den Türen von Atletico und Real Madrid, der in Unterzahl sein überlegenes Spiel nicht über die Zeit retten konnte. Im Halbfinale dann bei Zenit St. Petersburg gingen die Bayern unter. Ein weiterer Tiefpunkt in ihrem internationalen Abstieg, der nach dem Champions-League-Gewinn 2001 begann.

Die Mimik des Managers

Auf dieser abschüssigen Straße wollten die Münchner nicht mehr weitergehen. Deshalb holten sie Klinsmann, einen System-Radikalen, der einst als Bundestrainer unter der Parole anfing, "den ganzen Laden" auseinandernehmen zu wollen. Und auch ins schöne Bayern hat er seinen Presslufthammer mitgebracht. Die Straße, auf der die Münchner mehr und mehr in eine falsche Richtung fuhren, wird jetzt aufgerissen, mal fliegen die Steine, mal der Abwehrchef und mal der Kapitän, mal wird in Hannover verloren, dann aber wieder Frankreichs Serienmeister respektabel bekämpft.

Man sieht es dabei der Mimik des Managers Uli Hoeneß auf der Auswechselbank an, dass ihm oft nicht ganz geheuer ist, bei dem, was da so alles neben ihm passiert. "Es ist Leben in der Mannschaft", hat Hoeneß nach dem 1:1 gegen Lyon gesagt. So kann man es auch ausdrücken, wenn ein Kuschelparadies für Fußballprofis in seinem Kern umgebaut wird.

Go home? Wer einen Baumeister holt, der polarisiert, muss ihm ein paar Tage geben, seine Straße zu bauen. Muss ihn beobachten bei der Arbeit, ob er in all dem Lärm eine Elf und die innere Ruhe findet, ihr zu vertrauen. Es ist ja nicht nur die Kurzstrecke nach Bremen und Hannover, die da geplant ist, sondern vor allem die Langstrecke zurück nach London, Mailand und Madrid. Wer hat da heute schon die Gewissheit, dass es eine Sackgasse werden wird?

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(SZ vom 02.10.2008/mb)