FC Bayern in der Champions League Da kommt noch einiges!

Toni Kroos: wieder eine ansprechende Leistung.

(Foto: AFP)

All jene, die den FC Bayern angesichts der gezeigten Leistungen zuletzt vor dem Einzug ins Champions-League-Finale im Wembley-Stadion wähnen, sollten die Tabellen von Europas großen Ligen studieren. Überall einsame Dominatoren: Barcelona, Manchester United, Juventus Turin oder Paris St. Germain. Es ist ein weiter Weg bis zur nächsten Heldensage für die Ewigkeit.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Niemand weiß, was da noch folgen wird, es gibt ja weiterhin hohe Schwellen zu überwinden, am kommenden Mittwoch kommt zunächst Dortmund, der nationale Rivale, zum Prestige-Duell im Pokal, dann Arsenal zum Rückspiel, anschließend steht erst einmal das Viertelfinale der Champions League im Programm.

Es ist also ein weiter Weg bis zur nächsten Heldensage für die Ewigkeit, aber die Momentaufnahme ist doch so: Was gibt es da groß zu verbessern? Wo setzt, Stand heute, eine neue Personalpolitik an? Wo soll der neue Trainer, der im Sommer anfängt, seine Revolution beginnen?

Selten hat sich ein Klub in eine so verzwickte Zwickmühle manövriert. Einerseits kann jeder Sieg genossen werden, der Fußball, den der FC Bayern präsentiert, polarisiert kaum noch, er trifft fast schon den Massengeschmack. Andererseits muss parallel zum frischen Erfolg der Wechsel von Jupp Heynckes zu Pep Guardiola gestaltet werden.

Heynckes wollte noch nicht aufhören, und spätestens jetzt, in seinem zweiten Amtsjahr, ist es ihm gelungen, der strengen, oft aber ermüdenden Louis-van-Gaal-Doktrin (,Die Macht auf dem Platz erwächst aus endlosem Ballbesitz!') die Zielstrebigkeit hinzuzufügen.

An allen Schwachstellen, die im Mai 2012 im verlorenen Finale gegen Chelsea sichtbar wurden, ist konsequent gearbeitet worden; sogar die Standards, Ecken wie Freistöße, wirken, als seien sie emsig trainiert. Zudem: Zugang Dante festigt die Abwehr, Zugang Martinez das Mittelfeld, und Zugang Mandzukic schlängelt sich inzwischen im Sturm als sei er der Erbe des legendären Jürgen Wegmann. Dieser hinterließ zwischen 1987 bis 1989 unter anderem ein Zitat: "Ich bin giftiger als die giftigste Kobra."

Andererseits aber sollten alle, die die Erben der Kobra schon heute vor der Rückkehr nach London, vor dem Einzug ins Finale im Mai im Wembley-Stadion wähnen, erst einmal die Tabellen von Europas großen Ligen studieren. Überall einsame Dominatoren, nicht mit einem 15-Punkte-Polster wie die Bayern, aber weitgehend souverän: Barcelona, Manchester United, Juventus Turin oder die vom Scheich alimentierten Neureichen von Paris St. Germain. Da kommt noch einiges! Vorausgesetzt, es folgt im Rückspiel mit Arsenal kein Arroganz-Anfall, ist ab dem Viertelfinale gar das K.o-Duell mit den Dortmundern möglich.

Nie zuvor hat ein Fußballklub beschlossen, auf derart hohem sportlichen Niveau - ohne Einvernehmen - den Dompteur zu wechseln. Eine kuriose Situation, die kaum souverän zu lösen ist. Allenfalls, wenn der baldigen Meisterschaft eine weitere folgt: Eine Meisterschaft in der Moderation des Übergangs.