FC Bayern in der Bundesliga Diven auswechseln? Nie!

Arjen Robben mag Auswechslungen gar nicht. Wo kämen wir denn da hin?

(Foto: imago/Norbert Schmidt)

Die meisten Arbeitnehmer freuen sich, wenn sie früh in den Feierabend dürfen. Nur Fußballprofis sind da ein bisschen eitler - wie etwa Arjen Robben.

Kommentar von Claudio Catuogno

Der Taxifahrer staunte nicht schlecht. Im Autoradio lief noch die Übertragung des großen Finales, Europapokal der Landesmeister 1986, FC Barcelona gegen Steaua Bukarest, als hinten auf der Rückbank ein Mann im Trainingsanzug Platz nahm. Bernd Schuster, der Barça-Kapitän. Große Verwirrung erst mal: Was machst du in meinem Taxi, du bist doch auf dem Platz, ich höre das Spiel doch im Radio! Aber auf dem Platz war Schuster halt leider nicht mehr, der Trainer Terry Venables hatte ihn ausgewechselt, zehn Minuten vor Ende der regulären Spielzeit.

Ausgewechselt! Seinen Kapitän und ersten Elfmeterschützen! Barça verlor das Finale 0:2 im Elfmeterschießen, Schuster vernahm es im Taxi, auf der Fahrt durch die Nacht von Sevilla. Jahrzehnte später wurde er mal gefragt, wie er das als Trainer heute so fände, wenn ein Spieler noch während des Spiels mit dem Taxi türmen würde. Seine Antwort klang, als habe er Sevilla nie verwunden: Als Trainer sehe er das so, entgegnete er, dass er nie im Leben kurz vor Schluss den Kapitän auswechseln würde! Nie!

Beleidigte Profis treten dann halt Werbetonnen kaputt

Mach heute einfach mal ein bisschen früher Schluss ... Lass die Stechuhr mal Stechuhr sein ... Wie viele Arbeitnehmer wünschen sich solche Sätze von ihren Vorgesetzen vergeblich? Fußballprofis hingegen können es partout nicht leiden, wenn sie bei vollem Lohnausgleich zehn Minuten früher in den Feierabend dürfen.

Sie treten dann Werbetonnen kaputt, wie einst Jürgen Klinsmann, oder gehen tags darauf beleidigt nicht ans Handy, wie es in Barcelona über Lionel Messi erzählt wird. Und natürlich ist es kein Zufall, dass Arjen Robben und Cristiano Ronaldo am Sonntag für jedermann vernehmbar ihre Trainer verfluchten für deren an sich vernünftige Idee, sie ein paar Minuten früher aus der Mühsal des Spiels zu entlassen.

In drei Wochen treffen der FC Bayern und Real Madrid in der Champions League aufeinander, Carlo Ancelotti braucht dann einen fitten Robben und Zinédine Zidane einen fitten Ronaldo, aber so ist das nun mal mit den Diven: Sie kümmern sich immer nur darum, wie sie im Jetzt möglichst gut aussehen. Diven auswechseln? Nie!

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