Von Von Marc Baumann

Philipp Lahm bleibt ganz ruhig im Wissen, dass er beim Rekordmeister dringend gebraucht wird.

Man muss das vielleicht betonen: Philipp Lahm kann im Moment nicht joggen und schon gar nicht sprinten, er kann nicht einmal ein bisschen mit dem Fußball spielen, "dafür sind die Muskeln in meinem Knie noch zu schwach", sagt er. Von der körperlichen Verfassung her ist der 21-Jährige derzeit so belastbar wie die Rentner-Ehepaare, die hier am Tegernsee die Uferpromenade gemächlich auf und ab laufen: Ein kurzer Spaziergang ist drin, aber nicht überanstrengen und immer schön langsam.

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So ist der Stand der Reha. Keiner weiß das besser als Philipp Lahm. Und dann sagt er gut gelaunt: "Ich gehe fest davon aus, dass ich in der Rückrunde als linker Verteidiger spiele, eine halbe Saison reicht mir, um wieder auf dem Level zu sein, um die Weltmeisterschaft spielen zu können". Verletzungen brauchen ihre Zeit, es ist noch ein weiter Weg bis Philipp Lahm wieder im Trikot des FC Bayern oder gar der Nationalmannschaft auflaufen wird, aber in seinen Sätzen ist er schon wieder auf dem Rasen.

Am 23. Mai wurde Philipp Lahm in den USA am rechten Knie operiert, er hatte sich gerade von dem Bruch des Mittelfußknochens erholt und nur sechs Spiele für den VfB Stuttgart gemacht, da ist sein Kreuzband gerissen. "Schmerzen hatte ich nie, ich bin ja sogar noch in die Kabine gegangen." Das war erst vor sechs Wochen.

"Ich bin ein optimistischer Typ"

"Es wird immer besser, ich mache Aquajogging, gehe in den Kraftraum und fahre ein bisschen Fahrrad, man sieht die Fortschritte, das ist wichtig für den Kopf", sagt Lahm bei der kleinen täglichen Pressekonferenz im Trainingslager der Münchner. Abgesehen von der OP-Narbe an seinem Bein, hat sich Lahm nicht verändert: Er schmiert sich immer noch viel Gel in seine kurzen blonde Haare, er redet schnell und viel, "junges Fleisch heilt gut", sagt er und lächelt dazu. Er trägt ein T-Shirt mit aufgedruckten Palmen, auf dem "be prepared" steht, "sei bereit".

In seiner Unbekümmertheit vor den Kameras und Mikrofonen erinnert er an Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger, nur redet er in ganzen Sätzen. Wenn Philipp Lahm nicht ein guter Schauspieler ist, dann stellt sich für ihn nicht die Frage, ob er wieder der alte wird, sondern nur wann. Das geht nicht allen so: Wenn sich ein junger Fußballprofi zweimal in kurzer Zeit schwer und noch dazu am selben Bein verletzt, hört man schnell das Wort Karriereende. Es gibt Spieler, die scheinbar unverwundbar sind, Michael Ballack gehört dazu, und dann gibt es die Sorgenkinder, die bei jedem Foul den Fans und dem Trainer das Herz stehen bleiben lassen. Sebastian Deisler ist so einer und jetzt auch Philipp Lahm.

"Ich denke, dass es ganz ordentlich aussieht bei mir", sagt Lahm, "ich bin ein optimistischer Typ". Das liegt wohl auch daran, dass sie ihn nicht vergessen haben in all den Tagen im Krankenhaus. Es gibt wohl keinen anderen Fußballspieler in Deutschland, dessen Comeback so sehr ersehnt wird wie seins. Beim Confed-Cup war die deutsche Abwehr ein wackliges Gebilde, in dem sich sogar die Australier vergnügen durften. Und beim FC Bayern steht hinten links ein in die Jahre gekommener, kleiner Franzose, der eigentlich bereits in den fußballerischen Ruhestand hatte eintreten wollen..

Wenig Konkurrenz

Es gibt wenig Konkurrenz zu Philipp Lahm, der nur 1,70 Meter groß ist, aber trotzdem die Kopfballduelle gewinnt; der Verteidiger ist, aber mühelos bis an jeden Strafraum dribbeln kann. Jürgen Klinsmann hat Schneider und Hitzlsperger an Lahms Position spielen lassen, Notlösungen. "Am Nachmittag, als ich mich verletzt habe, hat Klinsmann gleich angerufen", erzählt Lahm. Klinsmann erkundige sich immer wieder bei ihm nach dem Stand der Genesung, "das freut mich als jungen Spieler", sagt Lahm. Auch Felix Magath darf man als Fan des Verteidigers bezeichnen. "Er hat mich in Stuttgart aufgestellt, dank Magath bin ich Nationalspieler geworden, ich habe ihm viel zu verdanken", sagt Lahm. Mit gutem Recht glaubt er, dass ihm Magath einen Stammplatz reserviert.

Die lange Pause hat Philipp Lahm auch vor dem Fernseher verbracht, die Spiele im Konföderationen-Pokal hat er sich angesehen, "die Kritik bleibt jetzt wieder an der Abwehr hängen, aber jeder Spieler einer Mannschaft muss mit angreifen und verteidigen". Philipp Lahm hat das verstanden, auch darum vermissen sie ihn ja so sehr.

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(SZ vom 7.7.2005)