"Wir haben hier dominiert und hätten etwas verdient gehabt", klagte 96-Coach Ewald Lienen nach 8:2-Ecken und dem Ende seiner hübschen Siegesserie. Allerdings hatte die aufmerksame Münchner Deckung um Kovac und Demichelis den Gegenspielern diesmal nur zwei Chancen ermöglicht, weshalb Torsteher Kahn den beschäftigungslosen Arbeitstag zur Selbstfindung hätte nutzten können.

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Und so muss man nach diesem Heimspiel endgültig befürchten, dass die Bayern zu ihrem hässlichen Stil zurückgekehrt sind, obwohl sie ihn ja für Allezeit dem Publikum vorenthalten wollten. Ballacks platter Sinnspruch - "Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, heilt nur der Erfolg alle Wunden" - diente jedenfalls als Beleg für diese schreckliche Nachricht. Auch Magath besang beinahe euphorisch eine neue Effektivität "vor dem gegnerischen, aber auch vor dem eigenen Tor".

Und teilte Mäklern lächelnd mit, er habe doch niemandem "vorgegaukelt, dass wir 68 Spiele Tempo machen". Nebenbei sei das ja auch gar nicht möglich, betonten alle, wie auch Roy Makaay, der mit letzter Kraft darauf hinwies, man habe "alle drei Tage ein Spiel, da kannst du nicht immer voll spielen". Lienen wiederum sprach, als habe er in das Gesicht eines vergessen geglaubten Gespenstes geschaut. "Das ist doch das, was die Bayern seit Jahren praktizieren", sagte er, "dass sie normal, durchschnittlich und unansehnlich spielen." Und gewinnen.

Magath verzichtet auf Ballacks Torgefährlichkeit

Wenigstens ist Mehmet Scholl zurzeit nicht verletzt, ihn kann man zur zweiten Hälfte einwechseln, und dann fällt er gleich auf mit seinen Übersteigern und Drehungen und mit seinem wehenden Haar, denn er ergreift ausdauernd Initiative. Wer kann das momentan sonst noch von sich behaupten?

Frings (der gut begann) nicht und auch nicht der zurückversetzte Ballack, auf dessen Torgefährlichkeit Magath einstweilen freiwillig verzichteten möchte, "weil er vor der Abwehr einiges wegholen kann". Also schickte Scholl den stark verbesserten Makaay, damit dieser erstmals wieder seit Ende September treffen konnte (80.). Makaay legte schließlich dem jungen Peruaner José Paolo Guerrero, 20, in der Schlussminute sogar noch das 3:0 auf.

Dreinull. Vorläufig Zweiter. Auf einen Punkt an die Spitze gerückt. Der Gewinner des Spieltages, wie man so sagt. Nach so einem Spiel. Der FC Bayern ist wohl wieder ganz er selbst.

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(Süddeutsche Zeitung vom 8.11.2004)