Von Andreas Burkert und Javier Cáceres

Barcelona umwirbt den überragenden Bayern-Profi, der als Star ohne Mannschaft betrachtet wird. Doch der Kaiser fragt: "Wo soll er denn da spielen?"

Die Groupies postierten sich clevererweise am Arena-Ausgang, dort stand der Mannschaftsbus des FC Barcelona. Und die Aufwartung lohnte sich, nahezu der komplette Barça-Kader ließ dort das Prozedere grinsend über sich ergehen: Einen rechts eingehakt und einen links, und dann bitte recht freundlich lächeln - klick.

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Im Schwebezustand: Trotz der vehementen Gegenwehr von Verteidgier Daniel Alves entwischte Franck Ribéry der Abwehr des FC Barcelona des öfteren - und bot sich für höhere Aufgaben an. (© Foto: AP)

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Die beiden Fotografen sammelten ausdauernd Schnappschüsse, auf denen jetzt ihre Kumpels mit Samuel Eto'o und sogar mit dem geduldigen Gästetrainer Josep Guardiola verewigt sind. Einer der Fotografen ist Lukas Podolski gewesen. Der andere: Franck Ribéry.

Während Podolski verletzt fehlte (und auch für Bielefeld auszufallen droht), konnte sich Kollege Ribéry angesichts der einträglichen Ernte fürs Familienalbum endgültig als Gewinner des Abends fühlen. Er dürfte ja nach seinem Auftritt bereits geahnt haben, dass er anderntags in der Presse der katalanischen Hauptstadt gefeiert werden würde.

"Holt Ribéry!", war denn auch ein Editorial des Herausgebers der Zeitung Sport überschrieben, der Franzose habe "hinreichend Klasse gezeigt", um schon in der kommenden Saison für Barca zu spielen.

El Mundo Deportivo erhob Ribéry in den Rang des Hauptdarstellers; das Spiel habe das perfekte Röntgenbild geliefert, um zu diagnostizieren, dass Ribéry der "Crack ohne Team" sei. El Periódico kam zu dem Schluss: "Ribéry spielt im falschen Team."

Auch Ribéry schwärmte hinterher, "die Champions League ist meine Bühne", sagte er. "Ich bin persönlich sehr zufrieden, ich habe richtig Spaß gehabt." Auch Barcelona dürfte eine gewisse Freude gehabt haben, da Ribérys Tempo und Technik trotz vehementer Gegenwehr etwa von Rechtsverteidiger Daniel Alves bei den Gastgebern funkelnd herausstach.

Die beste linke Seite

Und Fakt ist: Guardiola und Sportdirektor Txiki Begiristain sind geradezu besessen von der Idee, Ribéry - und weiterhin auch Philipp Lahm - zu verpflichten. Mit Alves und Messi verfügt Barcelona über die wohl beste rechte Seite der Welt; der Traum ist nun, auch die beste linke Seite der Welt zu besitzen: Lahm und Ribéry.

Und Barcelona wäre wohl bereit, eine gewaltige Investition zu tätigen; man ist zudem guter Dinge, dass Bayern den Weißrussen Aleksander Hleb in Zahlung nehmen werde. Allerdings, dies ist wiederum in München zu vernehmen, favorisiert dort vor allem Jürgen Klinsmann Hlebs Zugang; angesichts des offenbar endenden Engagements des Trainers gilt der Transfer zurzeit als unwahrscheinlich.

Unbehagen bereitet den Katalanen noch Ribérys kompliziertes Beziehungsgeflecht und seine bisherige Unstetigkeit in Anstellungsfragen. Ribéry hat einen sehr kurzen Draht zum früheren Nationalspieler Zinédine Zidane - der wiederum bei den Rückkehrplänen von Florentino Pérez auf den Präsidentensessel bei Real Madrid, dem Erzfeind Barças, eine zentrale Rolle spielt.

Bayern-Präsident Franz Beckenbauer sieht derweil ein ganz anderes Problem. "Wo soll er denn da spielen?", fragt er mit dem Hinweis auf Ribérys Landsmann Thierry Henry, der gewöhnlich die linke Angriffsflanke besetzt. Henry wird allerdings 32, und spätestens übernächstes Jahr, heißt es in Barcelona, werde der Franzose in die USA wechseln. Der Weg für Ribéry wäre dann frei.

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(SZ vom 16.04.2009/cpah)