FC Bayern Hoeneß: Playoff-System in der Bundesliga wäre "total unfair"

Playoffspiele statt Meisterschaftsduelle bis zum letzen Spieltag? "Das kann es ja wohl nicht sein", meint Uli Hoeneß.

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  • Uli Hoeneß will kein Playoff-System in der Bundesliga.
  • Anders als etwa im Basketball, wo weniger Teams in der Lage seien, die ersten drei zu schlagen, sei "der Kampf im Fußball in 34 Spielen zum großen Teil schwieriger". Folglich sei das Meisterschaftsmodell im Fußball "total richtig", sagt Hoeneß im Gespräch mit der SZ.
  • Gegen etwas mehr Wettbewerb hätte der Bayern-Präsident aber nichts einzuwenden.
Von Ralf Tögel

Es ist eine schöne Vorstellung für Uli Hoeneß, dass er sich an diesem Samstag, so gegen 17.15 Uhr, auf einem der gepolsterten Sitze in der Augsburger Fußball-Arena, die besonderen Gäste zur Verfügung gestellt werden, zurücklehnen kann, um den sechsten deutschen Meistertitel in Serie erfreut zur Kenntnis zu nehmen. Mehr ist nicht geplant, wie sein sportlicher Vorarbeiter und Freund Josef Heynckes schon im Vorfeld mitteilte. Ein Gläschen Schampus in der Kabine vielleicht, das schon, aber es werde eine bessere Gelegenheit kommen, "um die Sau rauszulassen".

Es ist nun keine sehr gewagte These, dass es im Gegensatz zum Präsidenten des designierten Champions auch Menschen gibt, denen sich bei oben genannter Vorstellung keine Körperhärchen aufrichten werden. Vielmehr wird einmal mehr im Umfeld der Bundesliga diskutiert, wie man denn der vorherrschenden Langeweile - ob der seit mittlerweile sechs Spielzeiten anhaltenden Dominanz des FC Bayern München - Einhalt gebieten kann. Wozu sich zahlreiche Fachleute mit diversen Lösungsansätzen zu Wort gemeldet haben, der gängigste bleibt: ein Playoff-System. Was hierzulande im Basketball längst Usus ist, hält Uli Hoeneß, der in dieser Sportart eine Unterabteilung des FC Bayern betreibt, die sich ebenfalls anschickt, nationaler Champion zu werden, für "gar nicht gut".

Im Gegensatz zum Basketball sei "der Kampf im Fußball in 34 Spielen zum großen Teil schwieriger". Weil im Basketball weniger Teams in der Lage seien, die ersten Drei zu schlagen. Folglich sei das Meisterschaftsmodell im Fußball "total richtig". Was ein Blick in die Praxis beweise: "Der FC Bayern ist jetzt im Halbfinale des DFB-Pokals und möglicherweise im Halbfinale in der Champions League. Und irgendwann müsste man mit den Playoffs anfangen. Oder nehmen wir mal an, wir kommen ins Champions-League-Finale, dann müssten wir noch zwischendrin Playoffs spielen. Wie soll denn das gehen?" Undenkbar, so Hoeneß, außerdem würde "die gute Arbeit, die der FC Bayern macht, konterkariert".

"Ich glaube einfach, dass die anderen Vereine besser arbeiten müssen"

Gegen etwas mehr Wettbewerb hätte der Präsident indes nichts einzuwenden: "Jetzt sind noch sechs Spieltage, und wir werden vielleicht schon deutscher Meister. Das ist schön für Bayern München, aber ich habe Meisterschaften erlebt, da wurde in den letzten fünf Minuten der Bundesligasaison alles entschieden, das war auch nicht so schlecht."

Es sei freilich nicht Aufgabe der dominierenden Münchner, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Konkurrenz aufschließen könnte: "Ich glaube einfach, dass die anderen Vereine besser arbeiten müssen." Die Münchner Dominanz sei schließlich das Produkt harter Arbeit: "Wir haben ja beim FC Bayern nicht einen besonderen Mäzen, der uns Geld schenkt. Oder eine Erbtante aus Amerika. Wir haben uns das in 40 Jahren hier erarbeitet." Eine Änderung des Wettbewerbs wäre daher "einfach total unfair", so Hoeneß weiter: "Jetzt einfach die Regeln ändern, nur weil die anderen nicht so leicht mitkommen und damit sie wieder wettbewerbsfähig sind? Das kann es ja wohl nicht sein." Schließlich sei der FC Bayern nicht unrechtmäßig zu diesem Erfolg gekommen - "das kann man ja nun wirklich nicht behaupten".

Der 66-jährige Vordenker des FCB erinnert bei dieser Gelegenheit an die Zeit, als er als junger Mann in die Landeshauptstadt gekommen war: "Damals war der TSV 1860 der wichtigere Verein in München. Und nun sieht man, was daraus geworden ist." Für Titel Nummer 28 genügt dem FC Bayern ein Sieg in der Partie beim FC Augsburg.