Bundesliga Heynckes, der gute Verlierer

Von Saskia Aleythe, Leipzig

Am Ende dieser Saison könnte Jupp Heynckes nicht nur als der Mann in Erinnerung bleiben, der den FC Bayern aus größtem Schlamassel befreit hat, sondern auch noch als der Mann, der gut im Verlieren ist. Am Sonntagabend saß der 72-Jährige im Presseraum der Leipziger Arena, natürlich merkte man ihm Unzufriedenheit an nach dem 1:2 gegen RB. Heynckes blieb aber trotzdem erstaunlich gelassen: "Für uns ist es kein Beinbruch, hier gegen so eine gute Mannschaft zu verlieren", sagte er. "Das muss man auch mal einkalkulieren."

Es gibt zwei Theorien, die man zum Verlieren aufstellen kann: Dass es einen besonders wurmt, wenn man es nicht besonders oft tut. Oder dass es einem relativ leicht fällt, weil im Kopf viele andere schöne Erinnerungen verankert sind, die die Laune bei jedem trüben Gedanken wieder aufhellen. Beim Trainer der Münchner schien Letzteres der Fall zu sein. Eine einzige Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach hatte er seit seiner erneuten Amtsübernahme in München kassiert vor diesem Sonntag. Dass es nun nach vier Monaten wieder passierte, fiel eher in die Kategorie "Shit happens".

Heynckes lobt sogar den Schiedsrichter

"Ob wir heute Meister werden, nächste Woche oder in zwei Wochen, das ist immer so ein Ding der Medien", sagte Heynckes sogar, der Punktverlust gegen Leipzig war da nicht mal zwei Stunden alt. "Wichtig ist", betonte der Trainer, "die Mannschaft hat einen riesengroßen Vorsprung, sie hat über die ganze Saison überragend gespielt." So gibt es gar kein annähernd realistisches Szenario, in dem die Münchner ihre Meisterschaft durch das 1:2 nun in Gefahr gebracht hätten, mit 17 Punkten Vorsprung auf Schalke 04 könnten sie nun am nächsten Spieltag gegen Dortmund alles klarmachen, sollte Schalke gegen Freiburg verlieren. Und danach blieben immer noch sechs Versuche.

Manch einem könnte die Heynckes-Einstellung auch als gefährliche Laissez-faire-Haltung rüberkommen. Schon in den letzten Partien hatte sich ja eine Behäbigkeit im Team angedeutet, die lediglich nicht bestraft wurde. Doch Fahrlässigkeit traut man Heynckes dann doch nicht zu mit seiner Erfahrung. Und Lehren will man nun schließlich auch ziehen aus diesem Spiel. "Es war auf jeden Fall ein gutes Beispiel, wie das Spiel in Sevilla laufen könnte", meinte etwa Mats Hummels mit Verweis auf das Anfang April anstehende Viertelfinale in der Champions League: "Ich rechne damit, dass sie ähnlich laufstark sind."

Und dafür hätte Heynckes gerne frisches, nicht ausgelaugtes Personal zur Verfügung, weshalb er auch seine Rotation in der Mannschaft nicht als Fehler verstanden haben wollte. "Bei Leipzig wie bei uns waren sechs Veränderungen im Gegensatz zum letzten Europapokal-Spiel", sagte er, "und wenn jetzt noch die vielen Spiele kommen, muss man auch versuchen, alle Spieler einzusetzen."

Am gravierendsten waren ihm die Schwächen in der Abwehr aufgefallen, "dass wir in der Defensive nicht gut agiert haben, dass wir viel zu große Lücken gehabt haben, besonders im Mittelfeld und dann kann man gegen solch eine Mannschaft nicht gewinnen". Jérôme Boateng hatte er eine Pause gegönnt, dafür spielte Niklas Süle, der nach einer Glanztat in der ersten Hälfte immer mehr ins Straucheln geriet. Insgesamt ließen sich aber viele Münchner von den aggressiveren Leipzigern zu oft überrumpeln. Auch offensiv ging meist wenig, Robert Lewandowski und Franck Ribéry brachte Heynckes erst spät, Javi Martínez gar nicht und in der Statistik standen am Ende neun Torschüsse auf Bayern-Seite, 16 auf der Leipziger.

Was das Bild eines guten Verlierers abrundete, war schließlich noch eine spezielle Aussage zu einer Szene, die sich in der zweiten Hälfte zugetragen hatte: Leipzigs Stefan Ilsanker hatte den Ball im eigenen Strafraum mit der Hand berührt, Schiedsrichter Marco Fritz zog sich zur Beratung zurück - und entschied dann gegen einen Elfmeter. "Das hat der Schiedsrichter hervorragend gepfiffen", sagte Heynckes später bei Sky. Er kann diese Szene und diese Niederlage mit der Gelassenheit eines Mannes nehmen, der noch alle Chancen auf drei Titel hat.

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