Von Jürgen Schmieder

Der FC Bayern gewinnt mit 1:0 in Leverkusen und unterstreicht eine These dieser Saison: Jede Mannschaft kann verteidigen und Fußball spielen - aber es sind die Geistesblitze der kreativen Individualisten, die ein Spiel und eine Saison entscheiden. Verwirrung gab es um Lukas Podolski.

Es gibt einen Werbespot des Fanshops von Bayer Leverkusen, in dem Models als Fußballer verkleidet auf einem kleinen Platz bolzen. Sie geben alles, unterliegen am Ende aber doch dem Fußballprofi Bernd Schneider. Der nimmt den Fußball in die Hand, guckt verschmitzt in die Kamera und zwinkert mit dem linken Auge. Wenn man möchte, könnte man in diesen Spot viel hineindeuten.

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Luca Toni und Miroslav Klose: zwei Drittel des bayerischen Kreativ-Trios. (© Foto:)

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Freilich verfügt Bayer Leverkusen über hervorragende Fußballer, doch Schneider verfügt über die herausragenden individuellen Fähigkeiten, um der Mannschaft ein Profil zu geben, ein Gesicht. Umso schlimmer war die Ankündigung vor dem Spiel gegen den FC Bayern, dass Schneider aufgrund einer Oberschenkelverletzung passen musste. Ausgerechnet gegen die Münchner, die in dieser Spielzeit über eine Vielzahl Individualisten verfügen, die mit einer gelungenen Aktion Spiele entscheiden können: Franck Ribéry etwa, Miroslav Klose oder Luca Toni.

So entwickelte sich eine Partie, bei dem das Kollektiv Bayer Leverkusen gegen die herausragenden Individualisten des FC Bayern antreten musste. Die zeigten auch gleich, dass sie den Abstand zu Schalke 04 wiederherstellen und Leverkusen auf Distanz halten wollten. Die Autoren von Live-Tickern kamen in der Anfangsphase gar nicht hinterher, alle Chance aufzuschreiben. Ribéry schoss (4.), Toni köpfte aufs Tor (5.), Klose erzielte ein reguläres Wembley-Tor (12.), das nicht gegeben wurde. "Ich bin zwar für technische Hilfsmittel, aber das muss der Linienrichter trotzdem sehen", schimpfte Uli Hoeneß nach dem Spiel.

Auf Seiten der Leverkusener gab es ebenfalls gute Gelegenheiten: Ein Kopfball von Friedrich (6.) kann auf der Linie geklärt werden, Barnetta traf den Pfosten (10.), Kießling (14.). scheitert freistehend an Rensing, der für Oliver Kahn zwischen den Pfosten stand.

Man konnte in diesem mitreißenden und schnell geführten Spiel deutlich die Unterschiede in den Spielweisen beider Mannschaften erkennen. Der FC Bayern versuchte, in der Defensive sicher zu stehen und hoffte in der Offensive auf sein Kreativ-Trio. Das jedoch missverstand sich häufiger als es gefährliche Situationen kreierte.

Bei Bayer Leverkusen war zu sehen, dass mehrere Spieler versuchten, das Spiel zu gestalten. Barbarez und Barnetta verteilten die Bälle, Rolfes und Vidal schalteten sich immer wieder ein, Kießling ließ sich oft fallen, um an Bälle zu kommen. Nach einer halben Stunde hatte man den Eindruck, dass Kollektiv würde die Einzelspieler dominieren können.

Dann kam die 40. Minute und der Auftritt der bayerischen Individualisten. Ribéry steckt per Kopf auf Klose, der legt in die Mitte, wo sich Luca Toni schön von seinem Gegenspieler gelöst hatte und nur noch den Fuß ausstrecken musste, um seinen sechsten Saisontreffer zu erzielen. "Es war ein schöner Pass von Ribéry, und für mich war es leichter querzulegen als selbst zu schießen", sagte Klose. Karl-Heinz Rummenigge ergänzte: "Luca Toni läuft eben immer richtig und ist dann eben da."

Podolski muss draußen bleiben

Die zweite Halbzeit verlief ähnlich: Bayer Leverkusen drückte auf einen Treffer, verfügte jedoch nicht über die herausragenden Individualisten, um die taktisch clever agierende Bayern-Defensive auflösen zu können.

Dafür gab es ein interessantes Schauspiel an der Seitenlinie. Als Miroslav Klose signalisierte, nicht weiterspielen zu können, schnürte Lukas Podolski schon seine Schuhe, weil er mit einem Einsatz rechnete. Ottmar Hitzfeld jedoch tauschte Klose gegen Schweinsteiger und schickte Podolski zum Warmlaufen. Eine deutliche Ansage an Podolski.

Der FC Bayern zog sich immer weiter zurück und versuchte - anders als bei den bisherigen Spielen dieser Saison -, den Vorsprung zu verwalten. Es war aber das taktisch beste Mittel, denn Bayer Leverkusen spielte zwar gefällig nach vorne, hatte jedoch keinen Spieler auf dem Platz, der diesen einen Moment kreieren konnte, der zum Torerfolg hätte führen können.

So blieb es bei den Versuchen der Leverkusener, denen der FC Bayern gefährliche Konter entgegensetzte. Zé Roberto (69.) zögerte zu lange, Schweinsteigers Schuss (75.)wird abgeblockt, Ribéry (85.) schoss knapp über das Tor. Ansonsten schaukelte der FC Bayern den Vorsprung nach Hause. "Gegen den FC Bayern muss man eben die Torchancen der ersten Halbzeit verwerten", sagte Manager Rudi Völler nach dem Spiel. "Dann ist uns die Kraft ausgegangen."

Ach ja: Lukas Podolski durfte auch noch aufs Feld - nach dem Schlusspfiff, um mit den anderen Reservisten Steigerungsläufe zu absolvieren.

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(sueddeutsche.de)