Beim 0:0 gegen den Tabellenvorletzten Duisburg wird deutlich, dass Bayern-Trainer Hitzfeld nicht mehr viel ausrichten kann bei seiner Mannschaft.
Ottmar Hitzfeld verharrte an der Seitenlinie, er schaute erst irgendwohin in die Ferne und dann zu Boden, kopfschüttelnd. Vor ihm umarmten sich ja ausgelassen die Spieler des Gegners, an Hitzfelds Seite stand in diesem Moment nur Markus Hörwick, der Presseattaché des FC Bayern. Gemeinsam warteten sie aufs Fernsehen, denn so professionell ist Hitzfeld schon. Er stellt sich stets den Fragen, die meisten beantwortet er.
Ottmar Hitzfeld sichtlich unzufrieden nach dem 0:0 gegen Duisburg. (© Foto: AP)
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Selbst an diesem ausladend gruseligen Wintertag im Februar.
Gut zehn Monate ist das nun her, damals kollabierte der FC Bayern beim ersten Spiel unter seinem alten, neuen Cheftrainer Hitzfeld: 0:3 in Nürnberg. Vielleicht hat sich auch Hitzfeld an diesem Samstag an seine Premiere erinnert, als er, der Vorgänger von Felix Magath, dessen Nachfolge antrat.
Derart niedergeschlagen wie nach dem Remis gegen Duisburg ist er jedenfalls selten zu sehen, und wieder schaute Hitzfeld erst in die Ferne und dann zu Boden, kopfschüttelnd. Denn vor ihm umarmten sich die glücklichen Duisburger, wegen eines verblüffend angemessenen 0:0. Nach zehn Monaten wäre Hitzfeld somit an den Ausgangspunkt seines Wiederbeginns zurückgekehrt: Er vermag gerade nicht sonderlich viel auszurichten bei seiner Mannschaft.
Die Bayern führen auch nach dem 16. Spieltag die Tabelle an, das hat Hörwick dem Trainer noch vor den professionellen Stellungnahmen fürs Fernsehen (,,haben uns schwer getan'') gesteckt. Die Punktverluste gegen den Tabellenvorletzten und die verpasste vorzeitige - so genannte - Wintermeisterschaft wären also eigentlich leicht zu verschmerzen für Hitzfeld und die Bayern.
Ein Dribbler fehlte
Doch bezeichnenderweise hat auf diese Fakten kein Münchner hingewiesen. ,,Wir sollten immer nur auf uns schauen'', sagte etwa Mittelfeldspieler Mark van Bommel. Und der Blick in den Spiegel hat den Bayern am Samstag die Gewissheit geliefert, dass der Erfolg in Bielefeld (1:0) keine Wende gewesen ist. Sondern ein Arbeitssieg. Gegen den MSV ist ihnen nicht einmal der geglückt.
Die Frage, weshalb ihnen die Arbeit nicht mehr so leicht von der Hand geht wie beim glanzvollen Entrée einer kostspielig renovierten Mannschaft, hören die Münchner nun schon seit Wochen. Im Spätsommer habe man ,,die Ansprüche sehr hoch gesetzt'', entgegnet van Bommel. Damals wirkten die neuen Bayern eben wie ein frisch verliebtes Paar; sie waren vernarrt in sich, sie entdeckten sich gegenseitig. Das war selbst für Profis aufregend, und Hitzfeld hatte nur eine Aufgabe: Er musste die Show moderieren. Bis Oktober ist ihm das gelungen.
Nicht mehr verliebt
Inzwischen sind die Bayern nicht mehr verliebt. Sie kennen sich jetzt und müssen den Alltag bearbeiten. Jede Woche. Hitzfelds Aufgabe wäre es nun, den Alltag zu gestalten, Einfluss zu nehmen. Gegen die gut stehenden Duisburger könnte er zum Beispiel die Außenverteidiger um eine halbe Platzlänge vorziehen; er könnte früh jemanden aus der Absicherung des Mittelfeldes opfern (Zé Roberto ging erst nach 70 Minuten), ebenso einen Innenverteidiger; er könnte Luca Tonis Zorn über einen Tausch gegen einen Dribbler wie Schlaudraff (spielte wieder nicht, der im Gedränge wirkungslose Toni dafür 70 Minuten) in Kauf nehmen. Doch Hitzfeld, 58, neigt nicht zu Experimenten. Denn er ist Hitzfeld.
Zumindest war er das bis zum Uefa-Cup-Spiel Anfang November gegen Bolton. Dann hatte er das Pech, mit einer vermutlich gut gemeinten Rotation ein 2:0 zu verspielen. Nach dem 2:2 ist Hitzfeld ein anderer Trainer gewesen - ein vom Vorstand Rummenigge öffentlich wie intern bloßgestellter (,,Fußball ist nicht Mathematik''). Dabei dürfte der öffentliche Tadel nur die Reaktion auf eine Entwicklung zum Schlechten gewesen sein. Die Reaktion auf eine Degeneration.
,,Wir haben doch schon vorher einige Male mit dem Ottmar gesprochen'', hat Manager Uli Hoeneß neulich erzählt, als er noch einmal zu Rummenigges Vorstoß Stellung nahm. Sie hatten den Trend zeitig kommen sehen. Und die Abhängigkeit vom Ideengeber Ribéry möchte der Klubvorstand dabei genauso wenig als Ursache akzeptieren (Hoeneß: ,,Das kann nicht sein bei dem Kader'') wie die sich angeblich einschleichenden Redundanzen in der Trainingsarbeit; Hoeneß nennt sie vorsichtig ,,Kleinigkeiten''.
Ein Kettenhund gegen Ribery
Derlei Kritik am alten Hitzfeld ist schon einmal sehr offen formuliert worden - zum Ende seiner insgesamt sehr erfolgreichen Tätigkeit, im Frühjahr 2004. Vor zehn Monaten haben diese Vorbehalte jedoch überhaupt keine Rolle gespielt, ebenso wenig nach der auch unter Hitzfeld verkorksten Rückserie 06/07. Die Lösung mit dem Vorgänger als Nachfolger ist wohl sehr bequem gewesen. Und es fehlte ja angeblich nur ein Moderator.
Die Bayern haben sich damals eingebildet, ein bestens erholter, vermeintlich neuer Hitzfeld könne mit neuen Bayern auch einen neuen Stil entwickeln. Doch inzwischen sehen sie, wie sogar der MSV mit einem leidlich austrainierten Weltmeister in der Abwehr (Roque Junior) und einem leidlich austrainierten Kettenhund (Christian Weber) die wichtige Querverbindung Toni/Ribéry kappen kann. Und nicht einmal die Doppelbelastung nach einem Europacupspiel ist jetzt Schuld gewesen. ,,Vielleicht hat es der eine oder andere zu locker gesehen'', sagte Philipp Lahm nach der Blamage gegen den zum Schluss dezimierten Abstiegskandidaten (Rot für Idrissou wegen einer Tätlichkeit/81.). ,,Wie wir uns im Moment präsentieren, das darf keiner Spitzenmannschaft passieren.''
In der Winterpause will Bayern mit Hitzfeld bereden, ob es weitergeht für ihn - sofern er überhaupt noch will und sich damit gegen die Offerte des Schweizers Verbandes entschiede. Man muss nicht gleich auf jedes Gerücht (etwa: Trainer Matthäus, Sportdirektor Hitzfeld) hören, das an der Säbener Straße weitergereicht wird. Doch wahrscheinlicher als eine Vertragsverlängerung ist die nächste professionellste Trennung aller Zeiten. Noch zwei Spiele bleiben Hitzfeld, um das zu verhindern, am Samstag in Berlin und am Mittwoch im Uefa-Cup gegen Saloniki. Vielleicht holen sie wieder je einen Punkt, das würde ihnen ja sogar erneut weiterhelfen (Wintertitel, Weiterkommen). Doch darum geht es längst nicht mehr, das weiß Hitzfeld. Er ist Profi.
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Ich würde ja auch gerne diesen Artikel kommentieren. Aber auch ich boykottiere das nun, denn es ist lächerlich, wenn man das ganze Wochenende nichts schreiben darf! Dann bitte gleich die Kommentare ganz streichen!
Würden Leute wie marcello50 und benutzer1100 halb so viele Beiträge schreiben, die anschließend gelöscht werden müssen, dann wäre die Moderation der SZ auch nicht so aufwendig. Aber leider gibt es gewisse User, die rund um die Uhr einen Babysitter brauchen, weil sie sich nicht vernünftig artikulieren können.
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