Die Zeiten beim FC Bayern werden härter, jetzt wird im Training schon Rugby gespielt. Für den morgigen Start in die Rückrunde mit der Partie bei Eintracht Frankfurt hat sich Trainer Hitzfeld aber noch ein paar andere Varianten überlegt. Von Thomas Becker

Die Zeiten beim FC Bayern werden härter, jetzt wird im Training schon Rugby gespielt. Ohne Schoner, ohne Polster, wie die richtig harten Jungs. Nur die langen Hosen und die schwarzen Handschuhe wollen nicht so recht in das Bild vom rauen Sport passen. Nach dem als "härtestes Trainingslager aller Zeiten" (Mamager Hoeneß) in die Klubanalen eingegangenen Dubai-Ausflug geht Trainer Ottmar Hitzfeld kurz vor dem Auftakt zur Bundesliga-Rückrunde für ihn ungewohnte Wege: Gaudi an der Säbener Straße! Grober Unfug unter Anleitung von Mister Spaßbremse! Spinnen die jetzt komplett, die Bayern?

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Tun sie natürlich nicht. Die kurze Rugby-Einheit im dicken Schneetreiben diente lediglich als Warm up, sollte ein bisschen Spaß in den Trainingsalltag bringen. Derzeit übt der deutsche Meister nämlich zwei Mal am Tag, und das schon seit geraumer Zeit. Dem FC Bayern München ist es verdammt ernst mit seiner Kampfansage an die Konkurrenz, egal ob in der Bundesliga (Bremen), im Pokal (Fürth) oder der Champions League (Madrid). Der mal wieder als Rudelführer ausgespähte Michael Ballack fasst zusammen: "Wir kennen unser Potenzial. Die anderen haben am Limit gespielt, wir können uns steigern. Das Wichtigste ist die Einstellung, dass jeder an die Leistungsgrenze geht. Dann können wir auch die Champions League gewinnen."

Ersteres wird dem Coach gefallen haben, Letzteres weniger: Hitzfeld weigert sich beharrlich, schon über die Partie gegen Madrid zu reden. Mehr als drei Wochen sind es noch bis dahin, und auch wenn die Prä-Real-Gegner nur Frankfurt, Aachen (4.Februar), Hannover (8.Februar) und Bochum (14.Februar) heißen, sind diese ersten Spiele nach der Winterpause aus Hitzfelds Sicht entscheidend: "Es dauert immer zwei, drei Spiele, bis man wieder den großen Rhythmus gehen kann. Und das wollen wir schneller schaffen als die anderen Mannschaften. Die Bundesliga ist wichtiger als die Champions League. Alles weitere ist Zubrot. Wir müssen wieder Meister werden." Folgerichtig verlangt er "von allen Spielern zehn, zwanzig Prozent mehr Leistung und totale Hingabe dem Verein gegenüber". Schließlich "leben die Spieler beim FC Bayern im Paradies. Das Geld kommt pünktlich hier" - und nicht zu wenig davon, möchte man anfügen.

Die Winterpause war eine für FC Bayern-Verhältnisse tatsächlich "staade Zeit", also eher ruhig: frohe Botschaften aus dem Hause Deisler (Papa geworden, aus der Klinik entlassen, aber noch Solo-Jogger), Spekulatives um den FCB des Jahres 2006 (Beckenbauer weg? Hoeneß Präsident? Kahn Manager?) und die üblichen Blubberblasen des Bild-Kolumnisten Franz B. aus K. ("Rosicky, Ewerthon, Dede - die würden alle zu uns passen"). Derart mager war zuweilen die Nachrichtenlage, dass man sich schon mit Uli Hoeneß' Fitnessplänen befasste (will 2004 zwölf Kilo abnehmen) oder Hitzfeld zum im Probebetrieb befindlichen neuen EM-Ball befragte; seine Expertise: "Der Ball ist leichter, es werden mehrTore fallen."

Manchmal ging es aber auch tatsächlich um Fußball, sogar um Taktik: Die Rückkehr zum altbewährten 3-4-3 hatten die Kiebitze in Dubai entdeckt; mit dieser Variante hatten Effe&Co 2001 die Champions League gewonnen. Doch Hitzfeld spielt das Thema herunter: "Das ist keine große Umstellung, das sind nur Nuancen. Wir sind nun etwas offener in der Taktik."

Auch über die Aufstellung für die Partie in Frankfurt (Ballack: "Ein undankbares Spiel", Hitzfeld: "Die liegen uns. Das ist auch eine Traditionsmannschaft, das macht immer Spaß.") lässt er sich nichts entlocken, zwei Positionen seien noch offen, so Hitzfeld. In der Defensive wird der verletzte Robert Kovac wohl eher von Demichelis vertreten als von Thomas Linke, und neben Ballack werden statt Jeremies und Salihamidzic vermutlich Schweinsteiger und Hargreaves durchs Mittelfeld wuseln.

Letzterer war beim Rugby der mit Abstand aktivste Bayer. Vielleicht ist die harte Tour ja doch mehr als nur ein lustiges Aufwärmspielchen, vielleicht wird ja der Bayern-Stil der Rückrunde daraus.

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