Von Andreas Burkert

Der FC Bayern präsentiert Jürgen Klinsmann als "Querdenker" und "absoluten Wunschkandidaten".

Im Foyer des Arabella Sheraton ist der Weg ausgeschildert, "Implanotologie & mehr" steht auf den Monitoren. Ein Kongress für Zahnärzte, erklärt die Dame am Empfangstisch, von der zweiten Großveranstaltung hat sie noch nichts gehört. Dabei hat sich die Nachricht von dieser recht großen Großveranstaltung an diesem Freitag längst herum gesprochen im Land und gerade auch in München, wie die zahlreichen Übertragungswagen des Fernsehens und die vielen Schaulustigen am gläsernen Drehportal belegen. Sie sind alle gekommen wegen des Hauptdarstellers der Show im Untergeschoss, Veranstalter ist hier der FC Bayern: Pünktlich um 16 Uhr tritt er über den tiefen Teppich herein in den Tagungssaal Garmisch, unter seinem Hals sitzt eine vorbildlich arrangierte Krawatte in hellblau. Für ein, zwei Minuten glänzt diese Krawatte im sagenhaften Inferno der Blitzlichter, aber Jürgen Klinsmann kann dieses Inferno nichts anhaben. Kein Zucken, cool lächelt er in die Objektive. Zumindest das hält er also aus, der künftige Trainer des FC Bayern.

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Vertrag bis 2010

Am 1. Juli wird der frühere Bayern-Stürmer (1995 - '97) und kürzliche Bundestrainer (2004 bis 2006) also die Münchner trainieren und damit die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld antreten. Den bis 2010 gültigen Vertrag haben sie mittags unterschrieben, und Klinsmann hat sich darüber nach eigener Aussage "riesig gefreut und geehrt". Neben ihm sitzen die Herren vom Vorstand, der Vorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß, auch sie wirken zufrieden. Denn sie haben ja einen Trainer holen wollen, der ihre teure Mannschaft voran bringt, der ihr einen modernen Stil verpasst. Und nun sagt Klinsmann, als er etwas zu seiner Philosophie sagen soll: "Die ist ganz einfach erklärt: Wir wollen jeden Spieler besser machen, jeden Tag."

Klinsmann, 43, war am mittags um 12.35 Uhr auf dem Münchner Airport gelandet, Finanzvorstand Karl Hopfner nahm ihn in Empfang. Auf was sich der einstige Erwecker der Nationalmannschaft da eingelassen hat, wird er spätestens am Ausgang begriffen haben, wo die in München übliche Meute aus Kamera- und Mikrophonträgern ziemlich hautnah Klinsmanns Defilée abnahm. Auch auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße hatte sich die Nachricht natürlich längst herumgesprochen, die der Klub auf recht eigenwillige Weise der Öffentlichkeit übermittelt hatte: Um 10.10 Uhr erschien die Meldung auf der Internetseite des FC Bayern, dort also, wo vor gut einer Woche die von Hitzfeld längst bestätigte Demission zum Saisonende tagelang totgeschwiegen worden war.

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