FC Bayern Müller beherrscht die Kunst der Diplomatie wie kein Zweiter

Und am Mittwoch saß nun also Thomas Müller im kleinen Pressestüberl des Klubs an der Säbener Straße, er war nun derjenige, der einen Einblick geben konnte in diese bayerischen Wochen zwischen Triumph und Trauer. Müller trug Trainingsoutfit, was ein Hinweis darauf war, dass die Saison entgegen anderslautenden Gerüchten noch nicht vorbei ist. Drei Ligaspiele noch, in denen Müller "keine Motivationsprobleme" erwartet: Unter anderem "treffen wir ja noch auf unseren Konkurrenten aus Leipzig, da wollen wir noch mal zeigen, dass wir die Nummer eins in Deutschland sind". Und: drei Spiele noch mit Philipp Lahm an seiner Seite. Nur noch drei. Wird nicht auch Müller da langsam nostalgisch? Nun, "ich bin jetzt kein Romantiker", sagt er, "das ist manchmal schade, doch im Verarbeiten von negativen Emotionen hilft es". Aber natürlich kommt auch der Nicht-Romantiker Müller zu dem Schluss, dass "als Mensch, als Persönlichkeit niemand zu kopieren ist". Schon gar nicht der scheidende Kapitän Lahm.

Was andererseits direkt zu der Frage führt, ob es nicht ein naheliegender Gedanke wäre, dass er, Müller, als dann letzter Bayer im Team, Lahms Nachfolger wird.

Wenn man Müller das fragt, macht er klar, dass er die hohe Kunst der Diplomatie beherrscht wie kein Zweiter bei den Bayern: Er weist jeden Anspruch entschieden zurück, allerdings auf eine Art, die ihn doch als den perfekten Kapitän erscheinen lässt. "Das Kapitänsamt ist ja ein Amt", sagt er, "das vor allem neben dem Platz eine große Wichtigkeit hat, in organisatorischen Dingen. Das haben Philipp, Manu und ich ohnehin schon gemeinsam übernommen: Wenn Dinge zu klären waren, haben wir uns da abgesprochen." Und weiter: "Auf dem Platz geht es darum, vorauszugehen. Auch das war immer schon mein Ansinnen: auf dem Platz Dinge anzusprechen, unabhängig von irgendeinem Amt." Ergo: "Es wird keinen Kampf um ein Kapitänsamt geben. Ich weiß auch gar nicht, wer das entscheidet." Subtext: Im Grunde mach' ich den Kapitänsjob sowieso schon nebenbei mit. Könnt ihr mir die Binde auch geben. Gleiches gilt allerdings auch für den von Müller angesprochenen Torwart Manuel Neuer, der noch dazu zwei Vorteile hat: Er ist bereits Kapitän in der Nationalmannschaft. Und er spielt immer.

Deshalb hat sich Thomas Müller auch erst einmal vorgenommen, wieder der Offensivspieler zu werden, der er jahrelang war. Der inoffizielle Chefdiplomat ist er sowieso längst.

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