Von Andreas Burkert

Uli Hoeneß glaubt weiterhin, dass Michael Ballack in München bleibt - und plant dennoch gelöst ohne ihn. Ein Ersatz könnte aus Brasilien kommen - oder aus den eigenen Reihen.

Wenn es in Uli Hoeneß arbeitet und gärt, sieht man ihm das gewöhnlich nicht nur an; auch seine Stimme und sein Temperament transportieren dann ziemlich unverfälscht seine Gemütslage. Und so darf man am Ende einer sehr turbulenten Arbeitswoche tatsächlich annehmen, dass ihn und den FC Bayern die öffentliche Anteilnahme an den geplatzten Verhandlungen mit der Führungskraft Michael Ballack über dessen Weiterbeschäftigung nicht viel mehr berührt als die für Samstag angesetzte Revanche bei der im Vorjahr siegreichen Bielefelder Arminia (3:1).

Ballack, dpa

"Should I stay or should I go?": Michael Ballack ist unentschieden. (© Foto: dpa)

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"Niemand bei uns ist panisch", sagt der Münchner Manager in einem fast besinnlichen Ton, "denn wir sind doch in einer Super-Situation." Zum Beginn dieser Woche hatten sich Hoeneß und sein Vorstandskollege Karl-Heinz Rummenigge mit Ballack und dessen Berater Michael Becker im Büro des Managers getroffen. "Vor Montag bin ich etwas nervös gewesen", erinnert sich Hoeneß, weil er ja nicht wusste, wie sich die Sache entwickeln würde.

Doch als sie schließlich auf das latente Zögern Ballacks entschlossen den vorläufigen Rückzug aus dem Deal verkündeten, fühlten sich Hoeneß und sein Kollege irgendwie erlöst. Hoeneß sagt: "Wir sind jetzt frei."

Zu Manchester geht Ballack nicht

Noch allerdings hat sich Ballack nicht verabschiedet, das betont Hoeneß - und zwar ausnahmsweise energisch, er sagt: "Die Wahrscheinlichkeit, dass er bei uns bleibt, ist weit größer als 50 Prozent." Denn zum einen haben ja die Mailänder Großklubs AC und Inter ganz offiziell mitgeteilt, kein Interesse am Kapitän des WM-Gastgebers zu besitzen; zudem darf dem Vernehmen nach inzwischen als gesichert gelten, dass Ballack, 29, keinesfalls zu Manchester United wechseln möchte (obwohl dort die Leitrolle von Roy Keane neu zu besetzen sein wird).

Somit bliebe allein die Option Real Madrid, immer schon Ballacks heimliche Sehnsucht. Aus Spaniens Kapitale indes ist erneut zu hören: derzeit keine Verwendung für Michael Ballack.

Dass der FC Bayern einstweilen seine Millionenofferte zurückgezogen hat, war Ballack zwar angekündigt worden, und er bestätigt das auch ohne Frust: "Das war abgemacht, das ist also alles völlig in Ordnung." Doch der Entscheidungsdruck ist nun wohl mit einer von ihm unterschätzten Wucht auf ihn übergewechselt, und die fast feindselige Reaktion des Publikums hat nicht nur Hoeneß überrascht.

"Aber das wird sich jetzt beruhigen", glaubt der - "wenn nicht, werde ich dagegen arbeiten." Und zu Ballacks Verhandlungsposition sagt Hoeneß: "Wenn er nicht aufpasst, hängt er irgendwann zwischen den Stühlen."

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