Von Fabian Heckenberger

Der FC Bayern ist wieder Tabellenführer und ganz bei sich: Präsident Hoeneß grinst wortlos, und Trainer van Gaal schickt ein vergiftetes Lob nach Leverkusen.

Louis van Gaal kennt den Verein, bei dem er im Sommer 2009 angeheuert hat, mittlerweile ziemlich gut, und so wusste der Trainer genau zu berichten, wie sich der FC Bayern fühlte an diesem Sonntagabend. "Für das Publikum, für meinen Vorstand, aber auch für meinen Pressechef", bei diesen Worten klopfte der Trainer dem Mediendirektor Markus Hörwick neben ihm auf die Schulter, "ist das sehr wichtig. Sie haben alle lange darauf gewartet, sogar sehr lang."

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Wir sind die Besten! Bayern-Kapitän Mark van Bommel (r.) und Arjen Robben. (© Foto: Getty)

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Bayern München ist nach dem 1:0 gegen den HSV, nach 57 Spieltagen, nach 652 echten Tagen, seit dem 17. Mai 2008 erstmals wieder Tabellenführer der Fußball-Bundesliga. "Sie sind jetzt alle sehr froh", sagte van Gaal.

Man hätte meinen können, es sei sogar noch deutlich länger her, dass die Münchner dort standen, wo sie ihrer Meinung nach immer hingehören. Als am Sonntagabend in meterhohen Lettern "110 Jahre" auf dem Rasen der Arena aufflammte, da mag so mancher angefangen haben zu rechnen. Konnte das sein? Nein? Oder doch?

Ganz so schlimm und ganz so lange war es aber dann doch nicht her. 110 Jahre ist nur gefühlt die Zeit, die die Bayern spitzenabstinent bleiben mussten. 110 Jahre ist die Zeit, die seit der Klubgründung vergangen ist, die am Sonntag pompös gefeiert wurde.

Carl Orffs Carmina Burana durfte es da gerne auch nach der Partie beim Feuerwerk nochmal sein, also dröhnte wieder einmal "Oh Fortuna", dieser wuchtig-dramatische Chor, durch das Stadion. Und emphatisches Glück empfanden sie ja wirklich - bis auf die angereisten Hamburger - fast alle im Stadion, angesichts des Jubiläums, des Sieges, der Tabellenspitze.

Man sei jetzt "endlich wieder an der Sonne", sagte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge, und man werde jetzt "nicht wieder zurück aus der Sonne in den Schatten treten". Draußen liefen da gerade die bayerischen Schützen vorbei, die dem Verein zuvor mit Salutböllern gratuliert hatten, ihre Gewehre gut verpackt unter dem Arm. Für die Warnschüsse waren jetzt andere zuständig. Man dürfe nicht glauben, dass der FC Bayern immer oben stehen müsse, sagte Rummenigge, aber an den letzten zehn Spieltagen sollen Leverkusen, Schalke, Hamburg und Dortmund genau diesen Glauben lernen: "Das wird der Konkurrenz zeigen, dass das Pfeifen im Walde eingestellt werden kann", sagte Rummenigge: "Wir sind lieber der Gejagte und nicht der Jäger."

Wenn das Ausmaß der Zufriedenheit in Zeiten des Erfolgs ein Gradmesser für die Unzufriedenheit vor diesem Erfolg ist, dann muss es den Bayern in den letzten 652 Tagen ziemlich schlecht gegangen sein. Sie betonen zwar seit Wochen, dass es allein wichtig sei, nach dem 34. Spieltag oben zu stehen, dass sie nur auf sich schauen, Schritt für Schritt, Spiel für Spiel. Wieviel ihnen aber Platz 1 nach 24 Spieltagen Wert ist, das war am deutlichsten am Gesicht von Uli Hoeneß abzulesen: Ohne Worte, nur mit einem zarten Grinsen im Gesicht marschierte der Präsident aus dem Stadion.

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