Nach der Niederlage gegen Schalke verabschieden sich die Bayern vorerst vom Kampf um die Meisterschaft - und die Zweifel an Trainer Klinsmann wachsen wieder.
Wahrscheinlich hatten die Bayern in den Tagen vor dem Schalke-Spiel schlicht vergessen, dass im Fußball-Wortschatz auch der Begriff "Verlierer" auftaucht. Mit dieser Selbstverständlichkeit, die nur der FC Bayern und seine Vertreter haben können, sprachen sie von sechs Siegen in den noch ausstehenden sechs Saisonspielen, rechneten die Punktestände hoch und diskutierten allein die Frage, wann der Tabellenführer VfL Wolfsburg verlieren und der FC Bayern aufschließen respektive vorbeiziehen würde, nicht das ob. Dass die eigene Mannschaft noch ein Spiel verlieren könnte - ausgeschlossen schien das in der Münchner Vorstellungswelt zu sein.
Ratlosigkeit auf der Bayern-Bank, Gewissheit bei vielen Fans im Publikum, die "Klinsmann raus" riefen. (© Foto: dpa)
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Fans krakeelen: "Klinsmann raus"
Nun hat es die Bayern schneller erwischt als ihre Angriffsrhetorik in Wolfsburg ankommen konnte. Nach einem Tor von Halil Altintop unterlagen die Münchner gegen keineswegs stark aufspielende Schalker mit 0:1, in der Tabelle rutschten sie auf Position drei zurück, und wenn Wolfsburg am Sonntagabend gegen Cottbus gewinnt, beträgt der Abstand zum Spitzenreiter sechs Punkte. Die Folge: Diese Ratlosigkeit aus der Woche nach den Pleiten gegen Wolfsburg und Barcelona ist wieder zurück beim FC Bayern.
Diese Ratlosigkeit, die den Münchnern von ihrem Selbstverständnis her so fremd ist und die das 4:0 gegen Frankfurt und das 1:0 in Bielefeld zuletzt ein wenig bedeckt hatten. Diese Ratlosigkeit, aus der so viele Diskussionen folgen. Die Kontroverse um Klinsmann. Die Debatte um die Qualität der Mannschaft. Und die Frage, ob die Bayern es noch schaffen können, in dieser Saison Meistertitel Nummer 22 der Vereinsgeschichte einzufahren.
Jürgen Klinsmann weiß, dass eine harte Woche auf ihn wartet. Die Fans haben während des Spiels mal wieder kräftig "Klinsmann raus" krakeelt. Kapitän Mark van Bommel und Außenverteidiger Philipp Lahm erklärten zwar nach der Partie, der Trainer sei für die Mannschaft kein Thema, aber nicht alle spielten so, als ginge es gegen Schalke auch um Klinsmanns Job; wieder einmal kam der Eindruck auf, als habe der Trainer diese Mannschaft verloren.
Die üblichen Durchhalteparolen
Die Bayern-Bosse Hoeneß und Rummenigge wiederum brachten kein eindeutiges Bekenntnis über die Lippen, sondern entschwanden wortlos. Die Spekulationen um Klinsmanns Zukunft dürfte die nächsten Tage bestimmen, die Namenspalette von potentiellen Nachfolgenamen, von Breitner bis Rijkaard, täglich besprochen werden.
Klinsmann selbst spulte die üblichen Durchhalteparolen herunter, die er seit Wochen auf seiner Festplatte gespeichert hat. Die Arbeit mit der Mannschaft mache ihm noch Spaß. Für die Pfiffe der Fans und die "Klinsmann-raus"-Rufe habe er Verständnis. Zu Manager Uli Hoeneß gebe es keineswegs ein distanziertes Verhältnis. Und nun gelte es eben, die Maximalpunktzahl von 15 Punkten aus den verbleibenden fünf Spielen anzustreben und dann zu schauen, was damit am Ende möglich sei. Dieses Vokabular hat Klinsmann die gesamte Woche über benutzt - mit der kleinen Einschränkung, dass natürlich immer von 18 Punkten Maximalpunktzahl die Rede war.
Woher er allerdings die Überzeugung nimmt, das mit den 15 Punkten könne klappen, bleibt nach dem Auftritt am Samstag sein Geheimnis. Gewiss haben die Bayern schon schlechtere Saisonspiele gezeigt. Sie haben 15 Minuten lang sogar ganz ordentlich kombiniert, sich mehr Chancen erarbeitet als Schalke, mehr Ballbesitz gehabt und mehr Zweikämpfe gewonnen, einen Handelfmeter nicht bekommen und bei Schussversuchen zwei, drei Mal Pech gehabt. Und wenn Philipp Lahm anmerkt, man habe die Meisterschaft nicht mit diesem 0:1 gegen Schalke verspielt ("So ein Spiel kann man mal verlieren"), sondern in anderen Spielen, liegt er nicht ganz falsch.
Lesen Sie auf Seite zwei, welche Ziele sich der FC Bayern für die verbleibende Saison steckt.
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