FC Bayern Die Bayern führen ihr eigenes Theaterstück auf

Karl-Heinz Rummenigge (li.) und Präsident Uli Hoeneß sind nicht immer einer Meinung - jetzt haben sie aber einen gemeinsamen Gegner.

(Foto: dpa)
  • Die Geschehnisse um den anstehenden Wechsel von Trainer Niko Kovac zum FC Bayern sorgen für Ärger.
  • Konkret geht es darum, ob die Münchner hinter dem Rücken der Frankfurter mit dem Coach verhandelt haben.
  • Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge erstaunen die Öffentlichkeit.
Von Sebastian Fischer

Diesmal, das wussten sie, mussten sie sich etwas einfallen lassen. Keinen gewöhnlichen Auftritt, sondern etwas Besonderes, um ein Zeichen zu setzen, um die entscheidenden Wochen des Jahres für den FC Bayern angemessen zu beginnen. Also schritten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß, der Vorstandsvorsitzende und der Präsident, nach dem 5:1 gegen Borussia Mönchengladbach Seite an Seite dem Ausgang der Arena sowie allen offenen Fragen entgegen. Die Sponsorenwände in ihrem Rücken sahen aus wie ein Vorhang, der sich am Samstagabend für ein Theaterstück öffnete.

Rummenigge sagte: "Wir waren fair und seriös und in der ganzen Geschichte sauber!" Hoeneß sagte: "Dass aus dieser eigentlich großzügigen Geste ein Bumerang gemacht wird, das verstehen wir überhaupt nicht!"

Hoeneß und Rummenigge feuern Richtung Frankfurt

Mit scharfen Worten haben die Verantwortlichen des FC Bayern auf die Vorwürfe von Fredi Bobic bei der Verpflichtung von Trainer Niko Kovac reagiert. Uli Hoeneß empfand die Aussagen als "unanständig". Aus dem Stadion von Maik Rosner mehr ...

Es ist mittlerweile kein großes Geheimnis mehr, dass die beiden mächtigsten Männer des FC Bayern sich nicht immer einig waren bei der überwölbenden Frage, wer in der kommenden Saison ihrem Trainer Jupp Heynckes nachfolgen soll. Hoeneß hatte sich gewünscht, dass Heynckes' Nachfolger Jupp Heynckes heißt; Rummenigge schon auch, aber er hatte zudem den Kontakt mit Thomas Tuchel gepflegt. Am Donnerstag wurde bekannt, dass sich beide mit dem dritten Kandidaten, dem Frankfurter Coach Niko Kovac, 46, auf einen Dreijahresvertrag verständigt haben.

Und nun haben Hoeneß und Rummenigge einen gemeinsamen Gegner: Eintracht-Sportchef Fredi Bobic, der den Bayern am Freitag Respektlosigkeit und Unprofessionalität vorgeworfen hat. Bobic fühlte sich hintergangen und suggerierte, die Bayern hätten die Personalie der Bild-Zeitung verraten, die als erste darüber berichtete. Abwegig ist es nicht, dass die Bayern daran interessiert sein könnten, vor den Halbfinals im DFB-Pokal gegen Leverkusen am Dienstag und danach in der Champions League gegen Real Madrid endlich die ewige Trainer-Debatte von der Backe zu haben. Hoeneß aber sagte nun: "Wir hatten gar kein Interesse, außer die Frankfurter Eintracht zu schützen!"

Die Bayern respektlos? Aber nein!

Der Zeitpunkt - jetzt, nicht am Saisonende - sei ein Entgegenkommen, so habe Frankfurt doch vier Wochen mehr Zeit, einen neuen Trainer zu suchen! Rummenigge sagte: "Wir haben keinen respektlosen Auftritt gehabt oder sonst was, wir haben auch nicht, da lege ich extrem Wert darauf, die Öffentlichkeit hintenrum informiert!" Das habe ja sogar in der Bild gestanden. Hoeneß sagte: "Wir fanden die Aussagen von Fredi Bobic ziemlich unverschämt!" Und: "So wie er sich verhält, das tut man nicht, das ist unanständig, wenn man die Sachlage nicht kennt!"

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Die Sachlage, so erzählte es Hoeneß, habe er mit Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic ein paar Tage nach einem Telefonat mit Thomas Tuchel Mitte März neu erörtert. In jenem Telefonat hatte Tuchel mitgeteilt, sich inzwischen für einen anderen Klub, wohl Paris St. Germain, entschieden zu haben, die Bayern waren zu spät. "Jetzt ist unser Wunschkandidat Niko Kovac", darauf hätten sie sich danach festgelegt, sagte Hoeneß.

Nun muss man wissen, dass sie beim FC Bayern schon vor etwa einem Jahr, als der Trainer noch Carlo Ancelotti hieß, den Kandidaten Kovac für durchaus geeignet hielten. Für geeignet genug jedenfalls, um ihm ausrichten zu lassen, an eine Ausstiegsklausel zu denken, wenn er seinen Vertrag in Frankfurt verlängere. Eine angeblich nur für europäische Spitzenklubs geltende Klausel, von der die Münchner nun Gebrauch machen werden, soll bei mindestens 2,2 Millionen Euro liegen.