Von Thomas Becker

Das 3:0 gegen Bukarest beschert dem FC Bayern vorzeitig den Einzug ins Achtelfinale - und Klinsmann endlich mal ein paar ruhigere Momente.

Die Flackerfrequenz wird niedriger, und das ist gut so. Vor ein paar Wochen noch musste man sich ernsthaft Sorgen machen um Jürgen Klinsmann. Da stand er wie immer nach Champions-League-Spielen neben dem interviewenden Fernsehmenschen und dem lichtgestaltigen Präsidenten-TV-Experten Franz B., und während dieser sprach, wanderten Klinsmanns Augen derart hochfrequent hin und her, dass einem vom Klinsmann-Gucken schwindlig werden konnte. Was für eine Anspannung! Dabei war die Champions League nie das Problem: fünf Spiele, keine Niederlage, nur zwei Gegentore. Und dennoch wirkte der Bayern-Coach ständig angespannt wie die Sehne eines Bogens.

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Nicht mehr zu halten nach Kloses 1:0: Jürgen Klinsmann (© Foto: dpa)

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Wenn sich dieser Druck löst, zum Beispiel in Minute 57 des Spiels gegen Bukarest, dann scheint dieser hagere Mann zu explodieren. Als Miroslav Klose die ungefähr 47. Torchance des FC Bayern an diesem Abend endlich in einen Treffer ummünzte, war Klinsmann nicht mehr zu halten. Wie ein Flummi hüpfte er durch die Coaching Zone, die er in der Stunde davor fast nie verlassen hatte, so als wollte er mit seiner puren Präsenz an der Linie den Führungstreffer erzwingen. Als ehemaliger Stürmer weiß er, wie sich das anfühlt, wenn man eine Chance nach der anderen vergibt: Da wachsen Zweifel, wo keine hingehören.

14 Minuten genügten Klose (zwei Treffer) und Luca Toni (erstes Champions-League-Tor) dann, um ihren Trainer in etwas ruhigere Fahrwasser zu schippern. Besonders der Italiener hatte Klinsmann zuvor an den Rand der Verzweiflung getrieben: In den ersten zehn Minuten vergab Luca Toni vier gute Möglichkeiten, drei Mal hatte Klose perfekt vorbereitet, ein Mal Ribéry. Dieses Dreigestirn war auch in den restlichen 80 Minuten an fast allen Bayern-Chancen beteiligt, und Klinsmann hatte natürlich recht, als er nach dem Spiel sagte: "Es hätten schon ein paar Tore mehr sein können. Aber wir spüren seit sechs, acht Wochen, dass wir immer besser in Schwung kommen. Die Automatismen greifen immer mehr." Und der wortkarge Miroslav Klose überraschte die Reporter mit ein paar beinahe kecken Sätzen: "Die Offensivkräfte finden immer mehr zueinander. Wenn wir unsere Chancen herausspielen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Tore fallen."

Nun kann man einwenden, dass von Steaua Bukarest wenig mehr Gegenwehr kam als vom Tabellenletzten Energie Cottbus drei Tage zuvor. Andererseits: Nur selten erarbeitet sich eine Mannschaft in der Champions League so viele Torchancen wie dieser FC Bayern. Was natürlich am Treibauf Ribéry liegt, aber auch an Extraklasse-Kickern wie Klose, Lahm oder Ze Roberto, die seit Wochen in brillanter Form sind und überragend viel Lust auf Fußball versprühen. Neuerdings klappt das jetzt auch über 90 Minuten, was den Trainer selbstredend happy macht: "Wir sind hochzufrieden", so Klinsmann, "zum einen, weil wir schon am vorletzten Spieltag den Achtelfinal-Einzug geschafft haben. Das war die zweitschwerste aller Gruppen. Aber auch die Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt, das schaut schon toll aus."

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