FC Bayern Bayern-Fans beschäftigen Merkel

Beim Champions-League-Spiel in Turin soll die Polizei überhart mit den Fans des FC Bayern umgegangen sein. Ein Landrat schreibt deshalb der Kanzlerin.

Von Sebastian Fischer

Der CSU-Politiker Christian Bernreiter geht in Zwiesel/Niederbayern ans Telefon. Dort diskutiert der Landrat aus Deggendorf am Donnerstag wichtige Fragen der Asylpolitik. "Es kann nicht sein, dass Bürger so behandelt werden", ruft er in den Hörer, da müsse die Bundespolitik aktiv werden. Es geht gerade, in der Tagungspause, übrigens um Fußballfans.

Als ein solcher war Bernreiter am Dienstag in Turin und hat miterlebt, wie bayerische Fans vor dem Champions-League-Achtelfinale des FC Bayern bei Juventus mehrere Stunden auf Einlass warteten - er selbst wartete von 18.15 Uhr bis 20.50 Uhr - und die Stimmung immer gereizter wurde. Deutsche Staatsbürger seien polizeilicher Willkür und "körperlicher Gewalt" ausgeliefert gewesen. Er sei schockiert von dem Umgang der italienischen Polizisten mit Fußballfans, sagt er.

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Deshalb hat er einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel verfasst: Die "zuständigen Stellen" sollten sich mit dem Thema befassen. Die Turiner Polizei hatte am Mittwoch mitgeteilt, fünf deutsche Fans verhaftet zu haben. Ihnen wird Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen, fünf Polizisten seien leicht verletzt, ein Ordner bedroht worden. Die Fans, 20 bis 35 Jahre alt, wurden abends in Gewahrsam genommen und erst am Donnerstag freigelassen. Bernreiter hat angeboten, im Prozess als Zeuge auszusagen.

Die Polizei gilt im Umgang mit Fans als rigoros

Denn er habe, schreibt er an Merkel, die Situation aus der Nähe miterlebt. Ein friedlicher Fan mit einer um den Bauch gewickelten Fahne sei von einem italienischen Polizisten "in den Zaun geschubst, an der Kehle gepackt und geschüttelt" worden. Als einem weiteren Fan eine Fahne abgenommen werden sollte, seien Ordner des FC Bayern, die vermitteln wollten, des Stadions verwiesen worden. "Nun eskalierte die Sache vollends! Bayern-Ultras stürmten über den Zaun, was zu Tumulten führte", und zu einer "Gefahr für Leib und Leben", schreibt Bernreiter.

Die fünf von der Polizei beschuldigten Fans sind Mitglieder des Fanklubs Schickeria, der in einer Stellungnahme bestritt, dass die Eskalation von Fans ausging und den Polizisten die Verantwortung gab. Die Unruhen waren überhaupt erst entstanden, weil Fans mit in Italien üblichen, personalisierten Tickets intensiv kontrolliert worden waren. Eine Sprecherin von Juventus Turin hatte am Mittwoch von Kontrollen im gewöhnlichen Rahmen gesprochen. Die italienische Polizei gilt im Umgang mit Fans als rigoros.

Ein Fan vom "Club Nr. 12" hat am Dienstag auch vor dem Stadion gewartet. Ihm zufolge seien deutlich zu wenige Ordner am Stadion gewesen. Der Fanklub prüfe eine Sammelklage der Anhänger auf Rückerstattung der Eintrittsgelder. Beim FC Bayern hatten sich am Donnerstag jedoch erst 20 Fans gemeldet, die erst während der ersten Halbzeit ins Stadion kamen.

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