Von Andreas Burkert, Fröttmaning

Beim 1:1 gegen Tabellenführer Bayer Leverkusen enttäuscht der FC Bayern über weite Strecken. Die Position von Trainer Louis van Gaal bleibt gefährdet.

Diese Woche des FC Bayern hat es in sich. Am Mittwoch gegen Haifa müssen die stolzen Münchner um ihren umstrittenen Trainer Louis van Gaal bereits das frühe Aus in der Champions League fürchten, was ein hitziges Klima ergeben könnte, wenn sich zwei Tage später Uli Hoeneß nach 30 Jahren im Manageramt zum Präsidenten küren lässt. Aber zum Glück kamen ja am Sonntag die Leverkusener vorbei, gern gesehene Gäste sind sie im Süden, wo Bayer 04 zuletzt vor 20 Jahren gewann.

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Bayern-Coach Louis van Gaal (li.) im Gespräch mit Leverkusens Erfolgstrainer Jupp Heynckes. (© Foto: AP)

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Münchner Coach ist 1989 übrigens ein gewisser Jupp Heynckes gewesen, Hoeneß' enger Freund, der nun die Rheinländer betreut. Heynckes' Zuneigung hielt sich somit ausnahmsweise in Grenzen, jedenfalls freute er sich nach dem Abpfiff über ein verdientes 1:1 (1:1), womit sein Team die Tabellenspitze verteidigte. Die über weite Strecken enttäuschenden Münchner verbesserten sich nur unwesentlich, auf Rang sieben. Van Gaals Position bleibt gefährdet, nach dem Spiel sagte er zu Diskussion um seine mögliche Entlassung: "Ich mache diese Entscheidung nicht, mein Fokus liegt bei der Mannschaft."

Van Gaal hatte mit seiner Aufstellung dokumentiert, dass er sich weder von Hoeneß ("Wir wollen 4-4-2 spielen!") noch vom weiter munter nörgelnden Stürmer Toni ("Unverständnis mit dem Trainer") beeinflussen lässt. Zum einen gab Gomez natürlich die einzige echte Spitze; Klose spielte zwar, aber in zweiter Reihe und auch nur deshalb, weil sich der eigentlich vorgesehene Altintop beim Aufwärmen verletzt hatte. Toni gehörte erwartungsgemäß nicht einmal zum Kader, aus disziplinarischen Gründen, wie zu vermuten steht (offiziell indes war von muskulären Problemen die Rede).

Mario Gomez rechtfertigte früh das Vertrauen. Nach einem Leverkusener Ballverlust erreichte Klose mit großem Einsatz den Ball vor Außenverteidiger Schwaab - Gomez setzte das Zuspiel kunstvoll mit dem linken Außenrist ins Eck zur Führung (8.). Der großen Erleichterung beim Nationalspieler und den Bayern folgte allerdings eine Reaktion der Gäste, die ihnen wohl nicht nur die mäßig kreative Südkurve ("Ihr werdet nie deutscher Meister") kaum zugetraut hatte: Vidal flankte weit nach vorn auf Kießling, der den Ball sicher verarbeitete, van Buyten mit einem Haken narrte - und trocken zum 1:1 abschloss (14.).

Nach dem Ausgleich ging dann gut 20 Minuten lang ein ungläubiges Raunen durch die Arena. Denn die Mannschaft in den weißen Hemden ließ die Kugel mit einer Präzision durch ihre Reihen und die Beine des Gegners wandern, dass dieser bisweilen wie angetrunken hinterher taumelte. Chance auf Chance erspielte sich diese Elf, und zum Leidwesen des Publikums handelte es sich bei dem Team in Weiß nicht um die Bayern.

Die hübscheste Stafette garnierte die Münchner Leihgabe Kroos mit einem Hackentrick in den Lauf von Kießling, der den Ball erneut ins Eck setzte. Allerdings stand der Stürmer knapp im Abseits, das 1:2 fand trotz einer rekordverdächtigen B-Note keine Anerkennung (21.). Drei Minuten später tauchte erneut Kießling frei vor Butt auf, der diesmal parieren konnte. "Ich trauere schon den Chancen der ersten Halbzeit nach", sollte der egoistische Freund Heynckes hinterher klagen.

Bayers freche Dribbler

Denn die Bayern rannten ihrerseits lange nur sporadisch und kopflos mit Kontern an. Der Grund für ihre dramatische Unterlegenheit in der Spielanlage fand sich abermals im Mittelfeld, wo Barnetta, Vidal, Kroos und der junge Reinartz, 20, die Abwesenheit des verletzten Kapitäns Rolfes und des Brasilianers Augusto vergessen machten. Van Bommel und die unsicheren Innenverteidiger Demichelis und van Buyten fanden selten die rechte Distanz zueinander, um Bayers freche Dribbler einzubremsen.

Bei den Münchnern führte die Verunsicherung zu zahlreichen Abspielfehlern im Aufbau - ohne Ribéry und den erneut wegen Knieschmerzen fehlenden Holländer Robben ist ihr Spiel von Zufällen abhängig. Der zunehmende Unmut auf den Rängen machte gerade dem zuletzt so unbeschwerten Youngster Müller und auch Timoschtschuk sichtbar zu schaffen. Beide entwarfen dennoch die verheißungsvollste Situation vor der Pause: Müller glückte doch mal ein gescheites Zuspiel, aber Timoschtschuks strammen Flachschuss parierte der starke Nationalkeeper Adler; zuvor hatte Adler auch Badstubers Freistoß im Hechtsprung entschärft (40.). Angezählt, aber noch nicht geschlagen gingen die Bayern in die Kabine.

Der zweite Abschnitt verlief ausgeglichen und eher zäh. Die deutlich bemühteren Bayern verschoben das Geschehen jetzt um 20 Meter in die andere Richtung, der Leverkusener Elan flaute ab. Trotzdem trieben es van Gaals Leute immer wieder auf die Spitze mit ihrem Ballgeschiebe, das Haus rebellierte lautstark. Lahms Hereingabe, die Adler Probleme bereitete (64.), war mit etwas Enthusiasmus als erste Torchance zu werten. Van Gaal reagierte und brachte für Müller Olic, der nach wochenlanger Verletzung zurückkehrte. Die größte Chance hatte jedoch Gomez, dessen listiger Versuch aus kurzer Distanz per Hacke erneut von Adler pariert wurde.

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(SZ vom 23.11.2009/jbe)