FC Bayern Basketball Gavel wirft wieder

"Wir haben jetzt auf der Aufbauposition mehr Variationsmöglichkeiten", sagt Anton Gavel (rechts), der auch wieder Drei-Punkte-Würfe trifft.

(Foto: Johannes Simon)

Mit einem weiteren Spielmacher im Kader haben die Bayern-Basketballer ihr Spiel in der Offensive breiter aufgestellt.

Von Matthias Schmid

Nach Auslegung des Sportgelehrten Svetislav Pesic sind Anton Gavel und Bryce Taylor komplette Basketballer. Sie können mehrere Positionen in der Offensive spielen und auf mehreren Positionen in der Defensive verteidigen. "Sie bringen also die richtige Balance mit, um eine Mannschaft stärker zu machen", sagt der Cheftrainer des FC Bayern München. Pesic kann nicht viel mit Basketballprofis anfangen, die nur daran denken, wie sie Agenten oder Klubscouts mit ihren statistischen Werten beeindrucken können und deshalb die Verteidigungsarbeit für überflüssig halten.

Anton Gavel zum Beispiel schert sich nicht um seine Zahlen. "Mich interessiert nur, wie wir Spiele gewinnen können", sagt der 31-Jährige vor dem ersten Eurocup-Heimspiel der Münchner an diesem Mittwoch gegen Ligakonkurrent Ulm (20 Uhr). Bei dem gebürtigen Slowaken ist das auch nicht einfach so dahingesagt und keine der typischen Floskeln. Gavel ist ein ziemlich unprätentiöser Spieler, der sich nicht allzu wichtig nimmt. Vor ein paar Wochen etwa gegen Würzburg kam der Mann, der zuvor in Bamberg einst der beste und beständigste Werfer war, auf null Punkte. Gavels Wert und Qualität für die Bayern-Mannschaft sind deshalb erst auf den zweiten Blick zu erkennen. "Er nimmt den Topscorer des Gegners meistens aus dem Spiel", sagt Pesic. Übersetzt heißt das: Gavel verteidigt den besten Spieler so lästig, dass dieser die Lust am Spiel verliert. Auch gegen Ulm fällt Gavel diese Aufgabe zu. Mit einem Sieg gegen den Ligarivalen könnten sich die Münchner in der Eurocup-Tabelle schon etwas absetzen; aus ihrer Vierergruppe steigen nach sechs Spieltagen nur die ersten beiden Mannschaften in die K.o.-Runde der besten 16 auf. Und auch im zweitklassigen Eurocup-Wettbewerb haben die internationalen Spiele für den FC Bayern nach dem Aus in der Euroleague nichts von ihrer Wertigkeit verloren. "Uns hilft jedes Spiel, um uns als Mannschaft weiter entwickeln zu können", sagt Trainer Pesic nach zuletzt sechs Pflichtspielsiegen nacheinander. Der 66-Jährige spinnt die Saison in seinem Kopf schon längst weiter.

Bislang war Anton Gavel eher auf die Defensive spezialisiert

Spätestens in den Playoffs um die Meisterschaft soll seine Mannschaft ihre volle Wirkung entfalten können. Die Bayern-Verantwortlichen haben deshalb den Kader noch einmal umgebaut, sie haben nach dem Weggang von Flügelspieler K.C. Rivers auch noch den begabten, aber mehrere Monate verletzten Spielmacher Vasilije Micic zur Bildungsreise nach Belgrad geschickt und dafür bis zum Saisonende den Amerikaner Justin Cobbs geholt, einen reinen Point Guard. Einen zusätzlichen Regisseur also. Cobbs Aufgabe sei es, "die anderen mit seinem guten Auge und seinen Pässen besser zu machen", sagt Pesic.

Einer der Profiteure des Wechselspiels ist Anton Gavel. Wie sich seine Rolle beim FC Bayern durch Zugang Cobbs verändert hat, war in den vergangenen Spielen sehr gut zu beobachten. Gavel wirft plötzlich wieder häufiger auf den Korb, vor allem von jenseits der 6,75 Meter entfernten Dreipunktelinie. Er tritt also wieder als Werfer in Erscheinung, seit Cobbs gemeinsam mit Alex Renfroe das Spiel lenkt und die Systeme ansagt. Zuletzt bei den Siegen in Tübingen und in Bandirma verwandelte Gavel jeweils drei Dreier. "Das kommt fast zwangsläufig, wenn ich nun häufiger auf der Zwei spiele", sagt er. Die Zwei bedeutet im Basketball die Position des Shooting Guards, Gavel kann sich hier neben seiner Verteidigungsarbeit vornehmlich seinen Würfen widmen und wird davon befreit, den Ball in die gegnerische Hälfte tragen zu müssen. "Wir haben jetzt auf der Aufbauposition mehr Variationsmöglichkeiten", sagt Gavel. Welche Position er lieber spielt, will er nicht verraten. "Ich habe schon auf der eins und auf der zwei gute Spiele gemacht."

Auch Kapitän Bryce Taylor profitiert von der neuen Architektur. Bei nur zwei Spielmachern musste Taylor häufiger als Guard oder sogar unter dem Korb als Power Forward gegen die größer gewachsenen und kräftigen Spieler aushelfen; seine Stärken kann der athletische Amerikaner aber vor allem auf dem kleinen Flügel einbringen. "Hier bin ich am wertvollsten für die Mannschaft", sagt Taylor selbst. In den vergangenen drei Spielen hat er je zweistellig gepunktet und so den Weggang des bis dahin besten Werfers Rivers aufgefangen. "Das kommt für mich nicht überraschend, weil er endlich das Niveau abruft, was er spielen kann", sagt Gavel über Taylor.

Svetislav Pesic gefällt die Entwicklung seiner beiden Führungspersönlichkeiten, sie bringen ihn dem Ziel Meisterschaft näher. "Wir sind jetzt in der Offensive schwerer auszurechnen."