FC Bayern Basketball Applaus und Experimente

Die Münchner besiegen Braunschweig unaufgeregt mit 91:70. Doch eigentlich geht es am Samstag bereits um die Vorbereitung auf die schweren Aufgaben der nächsten Wochen.

Von Matthias Schmid, München

Ein Cheftrainer sieht es nie gerne, wenn zwei seiner besten Spieler am Spieltag in die Halle kommen und ihren Trainingsanzug zu Hause gelassen haben. Bryce Taylor und Nihad Djedovic hatten ihre Sportklamotten allerdings am Samstag im Bundesliga-Heimspiel gegen die Löwen Braunschweig nicht vergessen und so auch nicht den Zorn von Svetislav Pesic provoziert. Vielmehr hatten die Teamärzte der Bayern-Basketballer die beiden abermals vom Sport befreien müssen. Sie leiden weiter an den Folgen ihrer Verletzungen. Während Kapitän Taylor einen Bluterguss auskuriert, der operativ entfernt werden musste, plagt Djedovic eine Verhärtung an der Wade.

Bayern-Trainer Svetislav Pesic hofft, dass er sie am Dienstag beim Auswärtsspiel in Göttingen wieder aufbieten kann. Denn sonst wird die Zeit knapp vor der Pokalendrunde am folgenden Wochenende. Daheim im Audi-Dome wird im deutschen Basketball der erste Titel in dieser Saison vergeben. Und im Halbfinale gegen den deutschen Meister Brose Baskets Bamberg kann Pesic eigentlich nicht auf seine beiden Führungsfiguren verzichten, um vor heimischem Publikum eine realistische Chance zu haben, auch das Endspiel erreichen zu können. "Nur wenn Nihad und Bryce vorher schon Spielpraxis sammeln, haben sie für uns den größten Nutzen", sagt Pesic.

Für dem unaufgeregten Sieg gegen Braunschweig reichen zehn gesunge Spieler

Der Serbe hatte daher gehofft, dass er sie schon die eine oder andere Minute gegen Braunschweig einsetzen könnte, sein Wunsch erfüllte sich aber nicht. Gegen den Tabellenneunten reichten aber auch nur zehn gesunde Spieler aus, um die Niedersachsen vor 5465 Zuschauern unaufgeregt 91:70 (45:29) zu besiegen. Mit dem 16. Sieg im 21. Saisonspiel verbesserten sich die Münchner in der Tabelle der Basketball-Bundesliga (BBL) wieder auf den zweiten Platz hinter Bamberg. Die meisten Punkte bei den Münchnern sammelte Deon Thompson mit 24 Zählern.

Es ist kommt selten vor, dass eine Auswärtsmannschaft mehr Spieler im Kader stehen hat als die eigentlich gut bestückten Münchner. Doch diesmal fand Pesic keine zwölf vollständig genesene Spieler im Verein, während die ebenfalls mit Verletzungssorgen geplagten Braunschweiger immerhin elf Profis nominieren konnten.

Savanovic blüht nach seiner schöpferischen Pause auf

Die numerische Unterlegenheit hatte jedoch keinen Einfluss auf das Spielgeschehen, im Gegenteil. Die Münchner verteidigten von Beginn an so leidenschaftlich und lästig, als würde der Gegner schon Bamberg und nicht Braunschweig und der Wettbewerb nicht Bundesliga, sondern BBL-Pokal heißen. Vor allem ein Bayern-Spieler hatte viel Freude an seiner Arbeit, Dusko Savanovic. Der Serbe ist mit 32 Jahren der älteste Spieler im Kader, Pesic hatte ihm zuletzt beim letzten Gruppenspiel im Eurocup in Ulm eine Erholung gegönnt.

Die schöpferische Pause tat dem Flügelspieler gut. Mit einem beherzten Sololauf aus der eigenen Hälfte, den er mit einem Korbleger zum 12:7 abschloss, hatte er seinen samstäglichen Dienst nach seiner Einwechslung aufgenommen, ehe er ein Traumanspiel auf Thompson folgen ließ, das die Zuschauer euphorisch beklatschten. Der Pass war in der Tat ein kleines Kunstwerk. Mit dem Rücken zum Korb stehend konnte Savanovic seinen Mitspieler nicht sehen, nicht erahnen, allenfalls spüren. Es war ein No-Look-Anspiel in Perfektion, allein damit hätte sich Savanovic schon den Szenenapplaus verdient gehabt. Doch er ließ den Ball nicht einfach nur aus der Hand gleiten, sondern tat das per Rückhandpass.

Auch Pesic applaudierte, an Savanonic lässt sich der Plan des Cheftrainers vor dem Pokalwochenende sehr gut erkennen. Er will seine von anhaltenden Verletzungssorgen beeinträchtige Trainingsarbeit durch eine wohl dosierten Einsatzplan so auffangen, dass kein Profi zu lange auf dem Feld steht und sich mehr als nötig verausgabt. Pesic experimentiert viel, er wechselt häufig und lässt vor allem auch jene Spieler auflaufen, die über Spielpraxis nicht nur ihr Selbstvertrauen, sondern auch ihre Kondition vermehren sollen, Spieler wie der lange verletzte Nationalspieler Maximilian Kleber und der erst Ende Dezember verpflichtete Spielmacher Justin Cobbs.

Die Münchner wollen unbedingt erstmals den Pokal gewinnen

"Wir müssen in bester physischer Verfassung bei der Pokalendrunde sein", sagt Pesic. Ein kleines bisschen widerspricht er sich in dieser Hinsicht selbst. Gleichzeitig betont der 66-Jährige nämlich bei jeder Gelegenheit, dass er und die Spieler noch lange nicht an den Pokal denken würden, den die Münchner unbedingt zum ersten Mal seit ihrer Rückkehr in die Erstklassigkeit gewinnen wollen.

Die Partie gegen Braunschweig ging dann auch nicht ohne den schon fast obligatorischen Wutausbruch von Trainer Pesic zu Ende. Im Schlussviertel schmetterte er seine Taktiktafel auf den Boden, als Cobbs nicht schnell genug nach vorne spielte und seine Mannschaft in der Abwehr nicht mehr so lustvoll verteidigte wie noch in der ersten Hälfte. Braunschweig kam zwischenzeitlich sogar auf sechs Punkte heran. "Es war ein solides Spiel von uns", sagte Pesic, "aber wir waren teilweise etwas zu selbstzufrieden."