FC Bayern Die Leiden des Arjen Robben

Wieder dort, wo Arjen Robben sich sieht in wichtigen Spielen: auf dem Platz.

(Foto: John Macdougall/AFP)
  • Beim 5:0 des FC Bayern gegen Beşiktaş ist vor allem einer mit der allgemeinen Situation unzufrieden: der Niederländer Arjen Robben.
  • Er wird erst nach der Pause eingewechselt und kritisiert die Leistung der ersten Halbzeit.
  • Daraus ergibt sich das derzeit größte Problem des Vereins: Kaum ein Profi im Luxuskader ist verletzt, das Gedränge um Startplätze folglich groß.
Von Thomas Hummel

Es gilt als heiliges Gesetz im Mannschaftssport, dass man seine Mitspieler nicht öffentlich kritisiert. Schon gar nicht, wenn man selbst nur zugeschaut hat. Arjen Robben hat sich am Dienstagabend kurz vor Mitternacht über diese Regel hinweggesetzt.

Zuerst fasste er die erste Halbzeit des FC Bayern passend zusammen: "Da haben wir nicht gut gespielt, da waren wir nicht bei der Sache", erklärte er. Doch dann fügte er hinzu: "Das hat leichtsinnig ausgesehen, da hat die Aggressivität und die Schärfe gefehlt, um nach vorne zu spielen und Tore zu machen." Der Niederländer hätte nur noch anfügen müssen: Das alles ist passiert, weil ich nicht dabei war! Stattdessen sagte er auf die Frage, ob er nicht enttäuscht gewesen sei, nicht in der Startelf zu stehen: "Dazu sage ich nichts. Jedes Wort wäre eines zu viel. Wenn ich jetzt meine Emotionen ausspreche, dann bin ich morgen bei Herrn Rummenigge und dann weiß ich nicht, was es dann gibt."

Wer einen Robben in einem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League zu Spielbeginn auf die Bank setzt, der weiß, was er zu erwarten hat. Es gibt nur wenige Fußballer auf dieser Welt, in denen es dann so brodelt. In denen die Überzeugung, eigentlich viel besser zu sein als der Rest, so verfestigt ist. Und hatte er nicht Recht? Lief es nicht mit ihm nach der Pause viel besser?

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Der FC Bayern hat das Fußballteam von Beşiktaş Jimnastik Kulübü (zu deutsch: Beşiktaş Gymnastik-Klub) am Dienstagabend mit 5:0 besiegt und kann sich nun auf einen ruhigen Ausflug nach Istanbul zum Rückspiel freuen. Selbst das Stadion am Ufer des Bosporus kann den Münchnern mit seiner gefürchteten Atmosphäre nun nichts mehr anhaben. Dabei offenbarten die Bayern während der 90 Minuten, zu was sie fähig sind - im Guten wie im Schlechten.

Sie begannen schlecht. Träge, langsam, ohne Pressing, ohne Wucht. Treten sie im Viertelfinale gegen einen stärkeren Gegner mit so einer mauen Körperspannung an, dürfte der Traum vom Champions-League-Sieg vorbei sein. Diesmal durften die Bayern sich beim Gegner und dessen Kapitän Atiba Hutchinson sowie Verteidiger Domagoj Vida bedanken, die ihnen mehr oder weniger den Sieg schenkten. Hutchinson spielt einen Pass so schlampig, dass Robert Lewandowski mit dem Ball alleine aufs Tor zurannte, Vida grätschte hinterher - Foul und rote Karte. Nach 16 von insgesamt 180 Minuten plus Nachspielzeiten war dieses Achtelfinale praktisch entschieden. Trainer Jupp Heynckes bedauerte den Gegner: "Mit zehn Mann zu spielen, das ist ein großer Nachteil."

Dennoch brauchten die Bayern fast bis zur Pause, um sich aufzurappeln. Höhepunkt der schlaffen Vorstellung war der wilde Schuss von Thomas Müller ans Ohr von James Rodríguez, der an eine Bolzerei im Englischen Garten erinnerte. Erst als Kingsley Coman links einmal erfolgreich antrat und in der Mitte Thomas Müller den Ball mit der Fußspitze ins Tor schubste, veränderte sich das Spiel. Und natürlich wegen Robben.