FC Bayern Ancelotti wird zum Altenpfleger

Arjen Robben: Amüsante Vorstellung gegen Gladbach

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Arjen Robben tobt nach seiner Auswechslung gegen Borussia Mönchengladbach, für Carlo Ancelotti ist das ein gutes Zeichen.
  • Der Trainer des FC Bayern will, dass seine Alt-Rocker nochmal einen Hit landen - und nicht in die Altersmilde abgleiten.
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Von Martin Schneider, Mönchengladbach

Eine der allgemein akzeptierten deutschen Lebensweisheiten besagt, dass man im Alter gelassener wird. Die innere Ruhe, so die These, nimmt proportional mit den Lebensjahren zu. Die Sprichwort-Kiste kennt den Drang der Jugend und die Weisheit des Alters - nicht umgekehrt. Ab einer gewissen Anzahl Kerzen auf dem Geburtstagskuchen hat man eben schon viel gesehen und erlebt, da muss man sich nicht mehr, sagen wir, bei einer Auswechslung in der 85. Minute bei einer 1:0-Führung aufregen. Oder?

Arjen Robben ist 33 Jahre alt und damit in der Fußball-Welt so etwas wie eine graue Eminenz. Er hat schon ein Champions-League-Finale entschieden und ein WM-Finale fast entschieden, er hat insgesamt 536 Pflichtspiele gespielt, aber als er am Sonntagabend im Spiel gegen Mönchengladbach vom Feld musste, da brach der innere Mecker-Rentner durch. Mit Renato Sanches klatsche er nicht ab, an Trainer Carlo Ancelotti ging er patzig vorbei, Co-Trainer Davide Ancelotti schnitt er auch noch und dann setzte er sich beleidigt auf die Bank. Das war in seiner ganzen Eingeschnapptheit so übertrieben, dass die Kollegen neben ihm die Fassung nicht bewahren wollten, Jérôme Boateng und Franck Ribéry kringelten sich, Rafinha lachte laut und Xabi Alonso grinste sich einen ab.

Der Grund für das ganze Theater: In der 78. Minute schoss Robert Lewandowski einen Ball direkt aufs Tor, statt zum besser postierten Robben zu passen. Der Pole hatte insgesamt nicht seinen Abspiel-Tag, schon in der ersten Halbzeit übersah er Ribéry und bevor der sich über Robben lustig machte, ging auch er schwer angefressen vom Feld. Carlo Ancelotti, die personifizierte italienische Gelassenheit, fand das alles nicht schlimm. "Das ist kein Problem für mich", sagte Ancelotti und grinste auch ein bisschen.

Älteste Bayern-Elf seit 2006

Der Verdacht liegt nahe, dass er sich über den tobenden Robben und den motzenden Ribéry eher gefreut als geärgert hat. Der Italiener sieht, dass in seiner alten Garde noch das Feuer brennt. Gegen Gladbach, immerhin nach dem FC Bayern zweitbeste Rückrunden-Mannschaft, reichte den alten Hasen schon eine durchschnittliche Leistung, um durch ein Thomas-Müller-Tor 1:0 zu gewinnen. "Das ist das, was uns auszeichnet. Leute, die schon ewig lang im Geschäft sind, sehr viele Titel auf der Autogrammkarte stehen haben und trotzdem noch Emotionen zeigen. Genau das brauchen wir", meinte Müller später. Mit durchschnittlich 30 Jahren und zehn Tagen, so haben die Statistiker berechnet, schickte Ancelotti die älteste Bayern-Elf seit März 2006 aufs Feld. Jüngster Akteur auf dem Platz war David Alaba, der ist tatsächlich erst 24, hat aber auch schon sieben Jahre Profi-Erfahrung hinter sich.

In Gladbach zeigte sich, welchen Plan Carlo Ancelotti verfolgt. Philipp Lahm und Alonso hören am Ende der Saison auf, Ribéry und Robben wissen, dass sie jede verletzungsfreie Sekunde nutzen müssen, in der sie ihre 30-jährigen Körpern noch auf die nötige Hochgeschwindigkeit pushen können. Nachdem die Münchner nun 13 Punkte Vorsprung haben, ist die Meisterschaft entschieden und im besten Fall spielen die Bayern bis Ende Mai nur noch sieben wichtige Spiele. Fünf in der Champions League und zwei im DFB-Pokal.