FC Bayern Alle lieben Heynckes!

Jupp Heynckes bereitet den Bayern momentan viel Freude.

(Foto: AP)

Der Trainer des Rekordmeisters wird zu Recht gelobt, allerdings kann in den kommenden Wochen der Wahrheit auch viel schiefgehen. Danach werden die Bayern klarer sehen.

Kommentar von Claudio Catuogno

Man kann schon verstehen, dass Uli Hoeneß seinen Jupp nicht mehr zurück lassen will auf den Bauernhof am Niederrhein. Jedenfalls nicht, ehe er den 72-jährigen Trainer geklont und diesem Klon mindestens einen Vertrag auf Lebenszeit aufgedrängt hat. Man kann es verstehen, wenn man noch mal an den 27. September 2017 zurückdenkt. Das 0:3 bei Paris Saint-Germain hatte damals stark den Eindruck erweckt, dass etwas ins Rutschen gekommen ist, dass in Paris veredelte Petro-Dollars am Ende doch mehr Tore schießen als eher biedere Euro-Millionen vom Festgeldkonto. Dabei hatten die Bayern doch sogar Carlo Ancelotti als Trainer, den multiplen Champions-League-Gewinner!

Aber dass Ancelotti halt auch nur mit Wasser kocht, ist dann bald klar geworden - besonders gerne Tortellini, und nicht selten in den gemütlichen Abendstunden, in denen sich ein Jupp Heynckes auf den nächsten Gegner vorbereitet. Und nun? Steht der seriöse Herr Heynckes mit den revitalisierten Bayern wieder im Viertelfinale. Während in Paris, auch weil der 222-Millionen-Brasilianer Neymar verletzt ist, das ganze ambitionierte Projekt zu zerbröseln droht.

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Heynckes wird zu Recht gelobt

Unter Ancelotti war der FC Bayern am Ende gespalten. In Istanbul wurde von vielen Spielern der außergewöhnliche Zusammenhalt betont. Exemplarisch dafür: Wie überschwänglich sich alle für Sandro Wagner freuten, der mit 30 Jahren sein erstes Champions-League-Tor erzielte. Und nicht nur dafür wird Heynckes zu Recht gelobt. Gerade hat der ewige Teamdoktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in seinem Buch auch beschrieben, warum Heynckes für ihn der "Idealfall eines Trainers" sei, wenn es um das Vermeiden von Muskelverletzungen gehe - während Pep Guardiola damals immer bloß "alles besser gewusst" und Blitzheilungen verlangt habe. Was das genau für Heilungen sein sollten, da ist der Doc leider nicht ins Detail gegangen. Doch auch hier: Alle lieben Heynckes!

Zur Frage, wie es weitergehen soll beim FC Bayern, gehört aber auch dies: dass Heynckes' Elf zwar schon am Sonntag die Meisterschaft klarmachen kann, ansonsten aber noch nichts gewonnen ist. Und dass sie, weil in der Liga oft nur in homöopathischen Dosen gefordert, nicht recht weiß, wo sie international steht. So werden jetzt wieder mal die Wochen der Wahrheit ausgerufen im April.

In der Liga in Leipzig und Dortmund, im Pokal in Leverkusen, dazu zwei Viertelfinalspiele. Da kann viel gut, aber auch einiges schiefgehen. Und danach werden wohl alle auch in der Frage klarer sehen, ob sie ihren Jupp wirklich nicht zurücklassen wollen auf den Bauernhof, wo er doch eigentlich längst gern Rentner wäre.

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