FC Barcelona vor dem Aus Schuld sind der Schiedsrichter und der Kartoffelacker

Bild eines verkorksten Abends: Barça-Verteidiger Carles Puyol mit Stirn-Pflaster.

(Foto: dpa)

Große Überraschung in der Champions League: Der dahinsiechende AC Mailand besiegt im Achtelfinal-Hinspiel den großen FC Barcelona mit 2:0 und steht vor dem Einzug in die nächste Runde. Die Katalanen wundern sich und suchen Erklärungen.

Von Thomas Hummel und Jürgen Schmieder

So ist das am nächsten Morgen, wenn Dinge geschehen, die so niemand erwartet hat. Die Mailänder Zeitung Corriere de la Sera titelt: "Milan, unvergessliche Nacht." Die Zeitung Sport aus Barcelona schreibt in Großbuchstaben: "Schwarze Nacht für Barça in Mailand."

2:0 hat der AC Mailand im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Barcelona gewonnen. Und bei allem, was man über den Fußball Anfang 2013 weiß, führt das zwangsläufig zu der Frage: Wie konnte das geschehen?

Hier der AC Mailand, Sinnbild für die alten Mächte, die den Anschluss verloren haben, für Silvio Berlusconi und Starspieler, die nicht mehr da sind wie Zlatan Ibrahimovic, Thiago Silva oder Pato. "Grande Milan" hat in der Vorrunde nicht einmal den FC Malaga besiegen können und bangt in der heimischen Serie A mit Platz vier um die Qualifikation für die nächste Königsklassen-Saison. Ein Verein, der aus einer Laune des Präsidenten heraus den unberechenbarsten Charakter der Fußballwelt nach Hause holt, obwohl dieser Mario Balotelli für die Champions League nicht einmal spielberechtigt ist.

Und dort der strahlende Klub am Himmel des Weltfußballs, der FC Barcelona. Das Vorbild, der Souverän der spanischen Liga mit 16 Punkten Vorsprung vor dem Erzrivalen Real Madrid. Die Siegmaschine, die sich selbst dann nicht aus der Ruhe bringen lässt, wenn ihr Trainer Tito Vilanova wegen Behandlung seines Krebsleidens an der Ohrspeicheldrüse nach New York umziehen muss. Der 44-Jährige wurde auch im Guiseppe-Meazza-Stadion von Assistenztrainer Jordi Roura vertreten. Und nun das Aus im Achtelfinale der Champions League?

Wenn etwas Undenkbares passiert, müssen schnell Verantwortliche her. Dabei landen die Spanier zum Beispiel bei Schiedsrichter Craig Thomson aus Schottland. "Der Schiedsrichter wollte die Hand von Zapata nicht sehen", schreibt Mundo Deportivo, die zweite Sportzeitung aus Barcelona. Dem ersten Mailänder Tor ging ein Fernschuss voraus, ein Spanier hatte sich in den Weg geworfen und von seinem Rücken prallte der Ball ins Gesicht oder an den Arm, es war nicht genau zu sehen, des einen Meter entfernt stehenden Cristián Zapata. Anschließend schoss Kevin-Prince Boateng ein. "Das erste Tor hat uns ein bisschen durcheinandergebracht", urteilte Jordi Roura. Dazu forderten die Spanier später einen Elfmeter an Pedro, den Thomson aber nicht gab.

Zweiter Übeltäter? Der Platz. Roura nannte ihn einen patatal, einen Kartoffelacker. Das Feld sei nicht geeignet für Spiele auf diesem Niveau.

Dabei war der Erfolg von Milan nicht unverdient. Freilich war der FC Barcelona öfter am Spielgerät (insgesamt 66 Prozent Ballbesitz), doch wirklich gefährliche Situationen erschuf die Mannschaft nicht. Trainer Massimiliano Allegri stellte seine Mannschaft optimal ein: "Sie haben gegen jeden diesen Ballbesitz, aber wir mussten darauf achten, dass sie damit wenig anfangen konnten." Das schafften seine Spieler besser denn je. Milans Torwart Christian Abbiati musste gerade einmal zwei Schüsse parieren, sein Gegenüber Victor Valdes dagegen wurde sechsmal geprüft - zwei dieser Schüsse musste er ins Tor lassen.