Von George Russew

Zwei Fans radeln von Usbekistan nach Berlin, um ihr Idol Oliver Kahn zu treffen.

Sie sind durch Eis und Schnee, Regen und glühende Hitze zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Berlin geradelt. Gesamtlänge der Strecke: 6500 Kilometer. Durch Usbekistan, Kasachstan, Russland, Weisrussland, Polen und Deutschland.

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Akram Marufshonow und sein Freund Musadshon Chornidow sind am 8.März von Zuhause in der Nähe von der usbekischen Hauptstadt Taschkent gestartet, um ein Autogramm zu bekommen. Ein Autogramm, das Oliver Kahn schreiben soll.

In ihrem Dorf haben sie natürlich alle nur ausgelacht und gesagt, dass sie es nie und nimmer schaffen würden. Das hat Akram und Musadshon aber nur mäßig beeindruckt. Die beiden 58-jährigen Männer sind unbeirrt in Richtung Westen geradelt, anfangs bei Eiseskälte.

Überfallen und beraubt

"Unsere Hände und Gesichter waren teilweise blau angelaufen, so kalt war es", berichten sie. In Kasachstan sind Akram und Musadshon von der Polizei überfallen und von den Beamten ausgeraubt worden. 50 US-Dollar und ihre Schlafsäcke hat man ihnen abgenommen. Mit Gelegenheitsjobs haben sie sich dann aber doch noch bis nach Berlin vorgearbeitet.

Um rechtzeitig zum WM-Start in der deutschen Hauptstadt zu sein, traten sie drei Tage und Nächte unentwegt in die Pedale.

Völlig ausgelaugt, müde, hungrig und durstig haben sie auf der Berliner Fanmeile dann erst einmal das Eröffnungsspiel Deutschland-Costa Rica gesehen. Danach fanden sie in einer Kreuzberger Moschee Unterschlupf.

In der Moschee konnten die beiden aber nicht bleiben. Seitdem campieren sie auf der Straße. Das Betteln widerstrebt den beiden stolzen Usbeken, und so bleiben ihnen die Türen fast immer verschlossen. "Ich fahre hier aber nicht ohne ein Autogramm von Oliver Kahn weg", sagte Akram und traf an der Adidas-Arena vor dem Reichstag auf einen Journalisten, der ihre Geschichte aufschrieb.

Und dann hat sie einfach Glück. Oliver Kahn las den Artikel in einer Zeitung und entschloss sich, die beiden so schnell wie möglich zu treffen. Dass zwei Fans per Fahrrad 6500 Kilometer für ein Autogramm absolvierten, brachte den routinierten Torwart aus der Balance.

"Das kann ich gar nicht glauben. Unfassbar!" Das Treffen findet dann nach dem Training der Deutschen statt, vor dem Berliner Internationalen Congress Centrum.

Herr Kahn, welche Ehre!

Unkompliziert und freundlich geht Kahn auf die Usbeken zu. Akram fällt seinem Idol zu Tränen gerührt in die Arme: "Herr Kahn! Sie glauben gar nicht, welche Ehre sie mir zuteil werden lassen!" Kahn schreibt die Autogramme und fährt Minuten später zurück ins Mannschaftsquartier in den Grunewald.

Für die beiden Usbeken ist damit ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. "Mein Herz raste wie verrückt. Ich bin überglücklich", sagt Akram, der schnell noch sein Taschentuch versteckt. Die Tränen scheinen ihm ein wenig peinlich zu sein.

Wie ihre Reise jetzt weitergeht, wissen die beiden Usbeken selbst noch nicht. Jedenfalls wollen sie noch ein paar Tage aushalten und dann per Fahrrad zurück nach Usbekistan fahren.

Vielleicht wird für Akram und Musadshon aber noch ein anderer Traum wahr. Oliver Kahn ist von dem Treffen nämlich so begeistert gewesen, dass er und der DFB den beiden ein wenig unter die Arme greifen wollen. Zwei Tickets für einen Stadionbesuch, so heißt es, seien nicht ausgeschlossen.

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(SZ vom 16.6.2006)