Fanprotest bei Wacker Burghausen 90 Minuten Raunen

Da wurde noch angefeuert: Fans von Wacker Burghausen (Foto von 2012).

(Foto: imago sportfotodienst)

Der tiefe Konflikt zwischen Ultra-Fans sowie Klubs und Polizei hat die Drittliga-Provinz erreicht: Die Fans von Wacker Burghausen verweigern ihrer Mannschaft die Unterstützung - als Protest gegen Polizeirepression und den aus ihrer Sicht untätigen Klub. Dabei könnten die Spieler ihre Fans gut gebrauchen.

Von Nicole Werner

"Ich will nur über das Spiel reden." Georgi Donkovs Ansage ließ keine Nachfragen zu. Für eine Kommentierung des Geschehens außerhalb des Spielfelds sah er sich nicht zuständig. Gerne analysierte der Burghauser Trainer, wie seine Mannschaft die Partie gegen den 1. FC Saarbrücken 2:1 gewonnen hatte: schnelles Kurzpassspiel, aggressives Pressing in der gegnerischen Hälfte, taktischer Wechsel von zwei Angreifern auf einen Stürmer.

Von der ordentlich gefüllten Westtribüne der Wacker-Arena war allerdings 90 Minuten lang selten mehr als ein Raunen zu hören gewesen. Die sonst eifrig anfeuernden Burghauser Fans hatten die Hände in die Hosentaschen gesteckt und geschwiegen. Sie streiken.

Dabei würde, so ein dicht beschriebenes Flugblatt, jeder von ihnen "lieber voller Emotionen und Spaß in der Kurve stehen und unsere Mannschaft nach vorne peitschen". Etwas, das dem Team gut getan hätte, sagte Spielführer Josef Cinar nach der Partie: "Wenn man so knapp führt und man kommt nicht mehr so richtig hinten raus, dann ist es wichtig, dass die Fans einem Energie geben." Donkov findet auch, sein Team hätte sich die aufreibenden letzten acht Minuten sparen können - "davon habe ich Kopfschmerzen bekommen" - und vorher eine der zahlreichen Chancen zur Entscheidung nutzen müssen.

Der tiefe Konflikt zwischen Ultra-Fans auf der einen Seite sowie Klubs und Polizei auf der anderen hat längst die Drittliga-Provinz erreicht. Die Fangruppierungen protestierten gegen "totale Überwachung, Repressalien und Fehleinschätzungen". Für die Ultras Black Side herrscht "keine familienfreundliche Stadionatmosphäre" mehr.

Wenn ein 60-Jähriger mit seinem Enkel an der Hand von Polizisten kontrolliert werde, sei das abschreckend, sagt ein Mann um die 25. Auf seinen schwarz-weißen Schal zeigend, berichtet sein Kumpel, dass es an einem Spieltag in der kleinen Stadt nicht mehr möglich sei, in Vereinsfarben einkaufen zu gehen, ohne von der Polizei "bis zur Leibesvisitation" behelligt zu werden. Sie sprechen von "ausufernder Überwachung" bis vor die eigene Haustür.