Anhänger, die sich in einer vorgedruckten Erklärung von der Fan-Gruppe "Schickeria" und von Gewalt distanzieren, sollen ihre Dauerkarten zurückbekommen.
Der FC Bayern will den Streit um die Kündigungen von 530 Dauerkarten beenden. Der Verein hatte dabei auf eine Namensliste zurückgegriffen, die von der umstrittenen Ultra-Gruppierung Schickeria in Umlauf gebracht worden war, auf der sich aber zahlreiche Nichtmitglieder der Gruppe eingetragen hatten. "Alle, denen die Jahreskarten gekündigt worden sind, werden von uns noch einmal Post erhalten", kündigt Raimond Aumann, Fanbeauftragter des FCB, nach Gesprächen mit Manager Uli Hoeneß an. In einer vorgedruckten Erklärung, die ab Dienstag verschickt wird, sollen sich die Betroffenen von Gewalt im Allgemeinen und von der Schickeria distanzieren.
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Acht Fans weiter in Haft
In dem Vordruck heißt es: "Ich versichere hiermit, dass ich jegliche Gewalt innerhalb und außerhalb der Stadien verurteile, ich kein Mitglied der Gruppierung Schickeria München bin, ich mich ausdrücklich von jeglichen Gruppierungen mit Gewaltpotential distanziere." Wer ihn unterschreibt und zurückschickt, soll seine Jahreskarte zurück erhalten. "Aber die letztendliche Prüfung obliegt uns", kündigt Aumann an. Das für Juli geplante Treffen der Betroffenen mit der Vereinsführung wird wohl nicht mehr stattfinden. "Ein Treffen ist dann nicht mehr notwendig", meint Aumann.
Der FC Bayern will sich weiterhin von der Schickeria distanzieren, die gewaltbereite Mitglieder in ihren Reihen hat. "Wenn wir da kein Zeichen setzen, dann verstehe ich die Welt nicht mehr", sagt Aumann. "Man muss sagen, dass es eine gewaltbereite Gruppe ist und der FC Bayern mit dieser Gruppierung nichts mehr zu tun haben will." Der Fanforscher Gunter A. Pilz kritisierte diese Haltung mit harschen Worten. "Das halte ich für eine einfältige und dümmliche Reaktion", sagte Pilz in der Sendung "Zündfunk" des Bayerischen Rundfunks, "denn damit nimmt man natürlich eine Gesamtgruppe in Sippenhaft. Man muss sich Gedanken machen, wie man diese Leute stärker in die Pflicht im Sinne der Selbstregulierung nimmt." Aumann entgegnet, der Verein führe "seit Jahren" Gespräche mit den Verantwortlichen der Schickeria zu diesem Thema - ohne Erfolg. "Ich glaube nicht, dass Herr Pilz unser Vorgehen aus der Entfernung beurteilen kann."
Mitglieder der Schickeria waren an den Randalen bei Würzburg beteiligt, bei denen eine Frau durch einen Flaschenwurf auf einem Auge erblindete. Acht Bayernfans, die dort anwesend und teilweise an den Randalen beteiligt waren, sitzen einen Monat nach der Tat weiter in Untersuchungshaft.
(SZ vom 5.6.2007)
Bundespräsident Gauck in Nahost
Ich verfolge den Fall nun bereits über einen Monat, habe die veröffentlichten Artikel gelesen, kenne Stellungnahmen persön. Betroffener und habe mir daraus folgenden Reim geschmiedet:
Diese 8 Inhaftierten (alle Insassen eines Bayernbusses) werden hier an den Pranger gestellt und müssen nun ausbaden, wofür sie nicht "allein" verantwortlich waren!
Der ebenfalls am "Tatort" anwesende Bus der Nürnberger Ultra`s wird in allen Medien totgeschwiegen, lt. Medien gabs nur 2 Bayernbusse und 1 Nürnberger Fan-Bus!
Die Nürnberger Ultra`s, welche mit Böllern und Flaschen warfen wurden mit keiner Silbe erwähnt und haben sich somit fein aus dem Staub gemacht...
Ist das Bayrische Gerechtigkeit???? Bin froh das ich Tiroler bin...
Ich will die Gewalttäter unter den Ultras ganz gar nicht in Schutz nehmen. Leider scheint es in deren Gruppierung tatsächlich äußerst gewaltbereite Krawallmacher zu geben.
Aber die Reaktion des FC Bayern halte ich - wie Professor Pilz - für überzogen und für falsch.
Glaubt der FC Bayern wirklich, dass es sich bei den sog. Ultras ausschließlich um Gewalttäter handelt!? Man kann den Eindruck bekommen, dass der FC Bayern nun endlich seine Chance sieht die letzten kritischen und konsumverweigernden Fans aus dem Stadion zu verbannen. Denn eins ist klar: Die Ultras sind zum Großteil nicht nur lautstarke - wenn man so will: klassische - Fans, sondern im Hinblick auf die totale Kommerzialisierung des Profi-Fußballs auch sehr kritische und mündige Fans. In den Augen der profitorientierten Macher des FC Bayern sind sie Konsumverweigerer und passen halt nicht mehr in die neue Zielgruppe des FC Bayern, also in die Zielgruppe der kauf- und zahlungskräftigen Kunden.
Woran Herr Hoeness dabei dachte, wird sich mir kaum erschließen, ich kenne ihn ja nicht und kann ihn kaum befragen. Das der Wisch, den der FC Bayern da Leuten zur Unterschrift vorlegt, eine juristische Konsequenz haben kann, wage ich zu bezweifeln.
Alleine schon die Formulierung "dass ich jegliche Gewalt innerhalb und außerhalb der Stadien verurteile" verweist eher auf mangelnde rechtliche Kenntnisse. Und das ist noch zurückhaltend formuliert, naiv träfe es eben auch.
Ich hatte gehofft, dass der FCB seine Entscheidung noch einmal überdenken würde und sich eine andere Regelung einfallen lassen würde. Ich bin froh, dass er das getan hat.
@notenough: Bei der Formulierung "außerhalb der Stadien" dürfte es sich um eine rein formaljuristische Formulierung handeln, um auszuschließen, dass irgendwelche Chaoten sich dann auf dem Parkplatz oder in der Stadt prügeln. Tun sie es jetzt doch und haben diese Formulierung unterschrieben, haben sie gegen eine Abmachung verstoßen und der FCB hat das Recht, die Karten wieder zu kündigen. Hätte er diesen Passus nicht gewählt, hätte er wohl keine rechtliche Handhabe gehabt, Chaoten die sich woanders als im Stadion prügeln, Stadionverbot zu erteilen. Ich glaube nicht, dass Herr Hoeness dabei an Heiligendamm gedacht hat.
Meine Güte, Herr Pilz ....
1. Es ist bedauerlich, dass Menschen wie Sie immer noch solchem Selbstbetrug nachhängen.
2. Es ist bedauerlich, dass Herr Pilz in der SZ zitiert wird.
Wir leben zwar in einem freien Land, ..... aber meine Güte, Herr Pilz, .... so war das mit der Meinungsfreiheit auch wieder nicht gemeint.
:-)
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