Von Markus Schäflein

Anhänger, die sich in einer vorgedruckten Erklärung von der Fan-Gruppe "Schickeria" und von Gewalt distanzieren, sollen ihre Dauerkarten zurückbekommen.

Der FC Bayern will den Streit um die Kündigungen von 530 Dauerkarten beenden. Der Verein hatte dabei auf eine Namensliste zurückgegriffen, die von der umstrittenen Ultra-Gruppierung Schickeria in Umlauf gebracht worden war, auf der sich aber zahlreiche Nichtmitglieder der Gruppe eingetragen hatten. "Alle, denen die Jahreskarten gekündigt worden sind, werden von uns noch einmal Post erhalten", kündigt Raimond Aumann, Fanbeauftragter des FCB, nach Gesprächen mit Manager Uli Hoeneß an. In einer vorgedruckten Erklärung, die ab Dienstag verschickt wird, sollen sich die Betroffenen von Gewalt im Allgemeinen und von der Schickeria distanzieren.

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Acht Fans weiter in Haft

In dem Vordruck heißt es: "Ich versichere hiermit, dass ich jegliche Gewalt innerhalb und außerhalb der Stadien verurteile, ich kein Mitglied der Gruppierung Schickeria München bin, ich mich ausdrücklich von jeglichen Gruppierungen mit Gewaltpotential distanziere." Wer ihn unterschreibt und zurückschickt, soll seine Jahreskarte zurück erhalten. "Aber die letztendliche Prüfung obliegt uns", kündigt Aumann an. Das für Juli geplante Treffen der Betroffenen mit der Vereinsführung wird wohl nicht mehr stattfinden. "Ein Treffen ist dann nicht mehr notwendig", meint Aumann.

Der FC Bayern will sich weiterhin von der Schickeria distanzieren, die gewaltbereite Mitglieder in ihren Reihen hat. "Wenn wir da kein Zeichen setzen, dann verstehe ich die Welt nicht mehr", sagt Aumann. "Man muss sagen, dass es eine gewaltbereite Gruppe ist und der FC Bayern mit dieser Gruppierung nichts mehr zu tun haben will." Der Fanforscher Gunter A. Pilz kritisierte diese Haltung mit harschen Worten. "Das halte ich für eine einfältige und dümmliche Reaktion", sagte Pilz in der Sendung "Zündfunk" des Bayerischen Rundfunks, "denn damit nimmt man natürlich eine Gesamtgruppe in Sippenhaft. Man muss sich Gedanken machen, wie man diese Leute stärker in die Pflicht im Sinne der Selbstregulierung nimmt." Aumann entgegnet, der Verein führe "seit Jahren" Gespräche mit den Verantwortlichen der Schickeria zu diesem Thema - ohne Erfolg. "Ich glaube nicht, dass Herr Pilz unser Vorgehen aus der Entfernung beurteilen kann."

Mitglieder der Schickeria waren an den Randalen bei Würzburg beteiligt, bei denen eine Frau durch einen Flaschenwurf auf einem Auge erblindete. Acht Bayernfans, die dort anwesend und teilweise an den Randalen beteiligt waren, sitzen einen Monat nach der Tat weiter in Untersuchungshaft.

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(SZ vom 5.6.2007)