Fan-Protest beim FC Bayern Graues Loch hinter dem Tor

Die Spieler des FC Bayern zaubern gegen Lille und siegen 6:1, das reißt sogar das Münchner Champagnerpublikum von den Sitzen. Doch zwischen den Toren ist es seltsam ruhig, die Fankurve öd und leer. Teile der Fans protestieren mit Abwesenheit gegen neue Sicherheitsregeln. Zwischen dem Klub und seinen treuesten Fans schwelt ein Streit.

Von Andreas Burkert

Transparent über den teilweise leeren Rängen der Südkurve: Einige Bayern-Fans blieben bleiben dem Spiel gegen Lille aus Protest fern.

(Foto: dapd)

Oben unterm Dach der Südkurve versuchten sie es in der ersten Hälfte nach Kräften, ob nun "D'Deckinger" aufs Neue anstimmten oder doch die Sängerknaben nebenan vom "Hatzkofa '97", war schwer zu ermitteln. Die Versuche der Fanklubs, die Welle durch die Münchner Arena schwappen zu lassen, missrieten aber bis kurz vor der Pause. Denn dummerweise schossen ihre Bayern schon wieder ein Tor gegen diese Mannschaft aus Lille, die angeblich am Spielbetrieb in der ersten französischen Fußballliga teilnimmt.

Die Stimmung ist also auch ohne La Ola ordentlich gewesen, viele Tore locken das sogenannte Münchner Champagnerpublikum durchaus aus der Reserve. Das spielende Personal wird den Vereinspräsidenten Uli Hoeneß doppelt erfreut haben. Denn es sorgte dafür, dass das graue Loch unten im Südrang fast nur optisch auffiel.

Dass sich graue Schalensitze hinter dem Südkurven-Tor befinden, ist ja sonst nur zu erahnen, der harte Kern der FC-Bayern-Stehkundschaft versammelt sich gewöhnlich dort. Doch am Mittwoch fehlten schätzungsweise 300 Ultras - ein stummer Protest gegen eine striktere Zugangsregelung für ihre angestammten Blöcke 112/113. Schon beim Champions-League-Auftakt gegen Valencia war durch Abwesenheit auf das nicht neue Problem aufmerksam gemacht worden. Die Fans protestieren dagegen, dass nur diejenigen in den Block dürfen, die eine entsprechende Karte besitzen.

Der Ordnungsdienst lässt eine früher ermöglichte Durchlässigkeit in die Zentrale der Arena-Stimmung nicht mehr zu, "aus Sicherheitsgründen", wie die Bayern betonten. Im Europacup verstärkt sich der Frust bei den jungen Ultras, da offiziell keine Stehplätze erlaubt und somit rund 400 Plätze weniger verfügbar sind. Die Fans verstehen nicht, dass samstags im Ligabetrieb mehr Kurvensteher ein geringeres Sicherheitsproblem sein sollen.

"Klatschklappen kann man kaufen - Stimmung nicht!", stand gegen Lille auf dem Südbalkon geschrieben. Und es stimmte schon, zwischen all den Toren, Tricks und Pizarro-Chören war es manchmal seltsam leise: Man konnte die Spieler dann miteinander reden hören und ebenso Ribérys Zahnlücken-Pfiff, mit dem er vom Kollegen den Ball anfordert. Weil Lille aber ein dankbarer Gegner war, lösten dann wieder Jubel und Begeisterung die Stille ab.

Die mögliche Entfremdung von einem Teil der Fans bleibt dennoch ein Thema; seit den Dissonanzen wegen der Arena-Atmosphäre und Hoeneß' Tirade auf der Klubversammlung 2007 ("Ihr seid doch selbst für die Scheiß-Stimmung verantwortlich!"), und erst recht seit den Debatten um den Kauf des Nationaltorwarts ("Koan Neuer") schwelt da etwas. Die nächste Versammlung steigt am 15. November.