Fan-Forscher Bernd Strauß "Der Einfluss der Zuschauer ist nicht nur positiv"

Die Zuschauer in den Stadien trampeln, klatschen, johlen - doch haben sie tatsächlich Einfluss auf das, was auf dem Rasen passiert? Der Wissenschaftler Bernd Strauß hat Stadionbesucher analysiert. Im Interview erklärt er, warum der Einfluss von den Rängen abnimmt.

Von Matthias Mederer

Die Südtribüne im Stadion von Borussia Dortmund: Haben die Fans EInfluss auf das Geschehen auf dem Rasen?

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Auf der Südtribüne im Stadion von Borussia Dortmund trampeln, klatschen, johlen, singen, pfeifen und schreien 25.000 Menschen. Oft wird die Tribüne mit einer schwarz-gelben Wand verglichen. Die Botschaft an den Gegner ist klar, doch wie sehr beeindruckt das eine Profi-Fußballmannschaft wirklich? Professor Bernd Strauß von der Universität Münster hat ein Buch mit dem Titel "Sportzuschauer" geschrieben.

SZ.de: Herr Strauß, der Zuschauer wird im Fußball oft als zwölfter Mann bezeichnet. Wer ist wertvoller für eine Mannschaft: Ein Spieler auf dem Platz oder der Fan auf der Tribüne?

Bernd Strauß: Rein sportlich betrachtet natürlich Spitzenspieler wie Lionel Messi. Aber selbst ein Zweitliga-Profi wäre wohl wertvoller als die Fans.

Sie haben gerade ein neues Buch herausgegeben und sich darin mit dem Phänomen des Sportzuschauers beschäftigt. Gibt es den viel gerühmten Heimvorteil etwa gar nicht?

Doch, es gibt ihn immer noch. Aber abnehmend in seiner Wirkung. Tatsächlich entsteht häufig eine Art Null-Effekt, denn der Einfluss der Zuschauer ist nicht nur positiv, da ein Heimpublikum die eigene Mannschaft auch verunsichern kann. Der soziale Druck, den ein Publikum aufbaut, wirkt duchaus auch leistungshemmend. Dazu kommt, wenn wir hier über Profis reden, dass diese die Zuschauermassen gewöhnt sind - egal ob zuhause oder auswärts. Diese Gewöhnung wird durch die hohe Zahl der Spiele nur noch verstärkt. Wenn ich alle drei bis vier Tage vor so einer Kulisse spiele, dann wird das auch irgendwann normal.

Aber es gibt doch Profis, die eindeutig auf eine große Kulisse reagieren. In Dortmund zum Beispiel, wenn der FC Schalke zum Derby kommt.

Natürlich, aber das ist ein Einzelfall. Wir als Wissenschaftler haben viel mehr Spiele gegenüber gestellt und ausgewertet. In den allermeisten Spielen ist der Einfluss der Zuschauer verschwindend gering. Das Beispiel Dortmund kann mit dem gerade gespielten Derby (Dortmund verlor 1:2 gegen Schalke, d. Red.) außerdem entkräftet werden. Oder wirkte Schalke beeindruckt und eingeschüchtert?

Vielleicht hatten die Fans einen schlechten Tag?

Im Derby? Gegen Schalke? Ich bitte Sie.