Fall Uli Hoeneß Im Ring mit einem mächtigen Kämpfer

Nach einer kurzen Auszeit bereitet Uli Hoeneß seinen Gegenangriff vor: Er wolle nicht von seinem Ämtern beim FC Bayern München zurücktreten, gegen Exzesse in der Berichterstattung werde er "anwaltschaftlich" vorgehen und gegen Barcelona sitzt er wieder im Stadion. Wer nach der Steueraffäre etwas anderes erwartet hat, kennt Uli Hoeneß schlecht. Er wird kämpfen.

Von Thomas Hummel

Uli Hoeneß hat mitgeteilt, wie er sich die Zukunft vorstellt. Er wird am Dienstagabend im Stadion seines FC Bayern seinen Platz einnehmen und sich das Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona ansehen. Er denke auch nicht an einen Rücktritt von seinen Ämtern beim größten Fußballklub des Landes, er wolle Aufsichtsratsvorsitzender und Vereinspräsident bleiben. Außerdem verkündete er, beizeiten zum Gegenangriff überzugehen: "Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen", sagte Hoeneß im Münchner Merkur. Einer Münchner Zeitung kündigte er an: "Für die wird das richtig teuer."

Wer Uli Hoeneß in den vergangenen Jahrzehnten beobachtet hat, der wäre auch überrascht gewesen, würde seine Reaktion anders ausfallen. Dieser 61 Jahre alte Mann mit dem breiten Kreuz hat in seinem Leben noch nie kleinbeigegeben, hat sich mit seiner immensen Energie allen Angriffen gestellt und die allermeisten von ihnen scharf gekontert. Wer Uli Hoeneß angreift, weiß, dass er mit ihm in den Ring steigen muss und die allermeisten aus diesem Ring mit ordentlichen Beulen wieder herausgekommen sind. Unter anderem deshalb, weil Uli Hoeneß zumeist die besseren, stärkeren Argumente auf seiner Seite hatte. Oder schlicht die bessere Fußball-Mannschaft, wenn es ums Sportliche ging.

Umso erstaunter reagiert nun die Nation auf die Enthüllung, dass Uli Hoeneß ein Steuerhinterzieher sein soll. Einer, der in der Schweiz ein Konto unterhielt, erhebliche Summen den deutschen Behörden nicht mitteilte und nun Selbstanzeige erstattete. Es geht nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung angeblich um drei Millionen Euro Steuern und Zinsen, die Hoeneß dem Fiskus bereits nachgezahlt hat. Diese Summe ist offiziell aber nicht bestätigt.

Jüngster Manager, Lautsprecher, Steuerhinterzieher

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Seine Aussage, er habe eigentlich auf ein von der Regierungskoalition angestrebtes Abkommen mit der Schweiz gehofft, um inkognito aus der Sache rauszukommen, macht die Angelegenheit eher schlimmer. Schließlich ist bekannt, dass Hoeneß eng mit der CDU-Kanzlerin und den CSU-Granden in Bayern verbunden ist. Ja, dass diese Parteien bisweilen auf seinen Rat hören. Das Abkommen war im letzten Moment von der Opposition in Berlin abgeblockt worden. Wer in Talkshows vor einem Millionenpublikum den moralischen Zeigefinger schwingt und dann selbst als Steuerhinterzieher auffliegt, der fällt tief.

Merkel hat sich nun von Hoeneß distanziert. "Viele Menschen sind jetzt enttäuscht von Uli Hoeneß, die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen", ließ sie über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert ausrichten. Es gebe weiterhin Verdienste des Bayern-Präsidenten. "Aber es ist jetzt durch die Tatsache der Selbstanzeige wegen Steuerbetrugs eine andere, traurige Facette hinzu gekommen."

Kann so einer noch Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident des bekanntesten, beliebtesten, reichsten Fußballvereins des Landes sein?

Garantiert unversöhnlich

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