Fall Hoeneß Kurzer Prozess

Eines scheint bereits jetzt klar zu sein: Auf einen besonders milden Richter kann der geständige Steuerhinterzieher Ulrich Hoeneß nicht hoffen

Nur vier Verhandlungstage, nur vier Zeugen: Uli Hoeneß muss sich von Montag an vor dem Landgericht München verantworten. Die Gerüchte wuchern, selbst die Staatsanwälte verraten nicht, was sie dem Bayern-Präsidenten konkret vorwerfen. Deshalb zu Beginn der Verhandlung: Antworten auf die drängendsten Fragen.

Von Hans Leyendecker und Annette Ramelsberger

Am Montagmorgen beginnt vor dem Landgericht München der Prozess gegen Ulrich Hoeneß. Am Donnerstag bereits soll das Urteil gesprochen werden. Dem 62 Jahre alten Präsidenten des FC Bayern wird Steuerhinterziehung in Höhe von 3, 5 Millionen Euro vorgeworfen. Ein überschaubarer Prozess - könnte man meinen. Aber in diesem Hauptverfahren ist nichts vorhersehbar. Staatsanwaltschaft und Gericht haben unter Verweis auf die Geheimhaltungspflicht in Steuerstrafverfahren vorab keine Einzelheiten zu den genauen Vorwürfen der Anklage mitgeteilt. Aber weil Hoeneß angeklagt ist, wuchern die Gerüchte, und Mutmaßungen sind zu scheinbaren Gewissheiten geworden. Deshalb hier nun Antworten auf wichtige Fragen.

Warum ist der Prozess so kurz?

Anders als bei Christian Wulff oder gar im NSU-Prozess, wo Dutzende oder sogar Hunderte Zeugen auftreten, hat Ulrich Hoeneß ein Geständnis abgelegt - seine Selbstanzeige. Deswegen ist der Umfang der Taten relativ klar, es geht nun um die rechtliche Bewertung. Und die Zeugen, die alle aus der Finanzverwaltung kommen, sollen vor allem erklären, was vor der Selbstanzeige war und unter welchem Druck Hoeneß stand.

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Wer ist der Richter von Hoeneß?

Der Richter Rupert Heindl, 47, gilt als harter Hund. Er sitzt schon seit einigen Jahren der Wirtschaftskammer des Landgerichts München II vor. Ein Mann von großer Klarheit und Bestimmtheit. Deals über das Strafmaß lehnt er kategorisch ab, das sagt er auch zu Beginn seiner Verfahren. Er hat damit schlechte Erfahrungen gemacht. Als er noch Beisitzer in einer Wirtschaftskammer war, kam es zu einem Deal mit einem Anlagebetrüger. Alles war korrekt, das Strafmaß, auf das man sich geeinigt hatte, die Absprachen. Aber weil das Gericht den Angeklagten nicht belehrt hatte, dass es auch anders entscheiden könne, hat das Bundesverfassungsgericht dieses Urteil aufgehoben. Wegen einer Petitesse also. So etwas will Richter Heindl offenbar nicht noch einmal erleben. Deswegen prüft er ganz genau. Verfahren vor Wirtschaftskammern seien fast immer viel zu kompliziert, um von vornherein zu wissen, was hinten rauskommt, sagt er. Aber wenn er jemanden für schuldig hält, langt er kräftig hin. Kein einfacher Richter für Hoeneß.

Wer ist der Staatsanwalt?

Staatsanwalt Achim von Engel, 39, gilt als Experte in Steuerstrafverfahren und als sehr aktenkundig. Er hat auch schon den früheren BMW- und VW-Chef Bernd Pischetsrieder wegen Steuerakrobatik vor Gericht gebracht - auch deswegen, weil er bei Pischetsrieder zu wenig Entgegenkommen bei der Aufklärung spürte. Hoeneß soll dagegen sehr viel geliefert haben - aber offenbar zu spät. Der Staatsanwalt sieht dessen Selbstanzeige als nicht strafbefreiend an. Er scherzt auch nicht: Engel hatte gleich einen Haftbefehl gegen Hoeneß dabei. Gegen fünf Millionen Euro Kaution wurde der allerdings ausgesetzt.

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Wer sind die Verteidiger?

Im Gerichtssaal wird Hoeneß von drei Anwälten verteidigt. Da ist vor allem Hanns Feigen, der in dieser Woche 65 Jahre alt wird. Der gebürtige Oberhausener gilt als Spezialist für heikle Fälle und kann sehr direkt sein - wie Leute aus dem Revier eben so sind. Manche Äußerung von Hoeneß zur Sache und tränenreiche Auftritte des Bayern-Chefs vor Fans werden ihm missfallen haben. Feigen weiß, dass Richter von Angeklagten Demut und Zurückhaltung erwarten. Für den ehemaligen Infineon-Chef Ulrich Schumacher, der wegen Korruption angeklagt war, hat er einen Freispruch erwirkt. Der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel, der rund eine Million Euro am Fiskus vorbeigeschleust hatte, kam - auch dank Feigen - mit einer Bewährungsstrafe davon. Derzeit berät Feigen in Ermittlungsverfahren den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

Feigen hat einen Steuerrechtler an seiner Seite: Markus Gotzens, Jahrgang 1967, der erstaunlich viele Aufsätze über die Steuerfahndung veröffentlicht hat. In Hauptverhandlungen aber hat man ihn bislang nicht groß gesehen. Der dritte Verteidiger wird vermutlich ein junger Anwalt aus Feigens Frankfurter Kanzlei sein. Im Hintergrund wirkt der 50-jährige Münchner Steuerrechtler Dieter Lehner, der kein Strafverteidiger ist und ohnehin lieber hinter den Kulissen arbeitet - eine Kapazität in seinem Fach. Auf seiner Homepage steht: "Selbstanzeigeberatung". Um die Medienarbeit kümmert sich der Hamburger Anwalt Michael Nesselhauf, eine Top-Adresse. Das müsste eigentlich reichen, um für Hoeneß so etwas Ähnliches hinzubekommen wie bei Schumacher oder Zumwinkel. Oder? Die Lage im Fall des Bayern-Präsidenten scheint komplizierter zu sein.