Von Bolt bis Phelps: Die Olympischen Spiele erleben eine Weltrekord-Flut. Aber was wäre eigentlich, wenn es die Listen mit den Bestzeiten gar nicht geben würde?
Am frühen Sonntagmorgen hat die Lagenstaffel der USA Gold in Weltrekordzeit gewonnen. Der Weltrekord muss vielleicht noch einmal erwähnt werden, weil er ein wenig untergegangen ist in den Meldungen über Phelps' 8. Peking- und 14. Gesamt-Olympia-Gold. Vielleicht muss es aber auch gar nicht erwähnt werden, weil es in den Schwimmtagen von Peking irgendwie selbstverständlich war, dass ein Rennen in Weltrekordzeit gewonnen wurde.
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Usain Bolt, Goldmedaillengewinner und Weltrekordler. (© Foto: dpa)
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25 Weltbestzeiten stellten die Schwimmer auf, Usain Bolt legte zum Auftakt der Leichtathletik gleich 9,69 Sekunden über 100 Meter hin. Die Olympischen Spiele erleben eine Rekordflut. Weltrekorde, Europarekorde, olympische Rekorde, Landesrekorde, oder zumindest persönliche Rekorde. Das Etikett "Spiele der kleinen Zeiten" können sich die Chinesen schon jetzt anheften.
Aber welchen Sinn hat eigentlich ein Weltrekord? Einerseits liegt es in der Natur der Sache, dass Sportler - gedopt und ungedopt - immer schneller werden, immer höher springen, immer weiter werfen. Und nichts eignet sich so gut wie ein Weltrekord, das urolympische schneller-höher-kräftiger-Prinzip zu dokumentieren. Es ist die deutlichste und augenscheinlich gerechteste Markierung, wer der schnellste Sprinter, der beste Springer usw. ist.
Sympathischer Marathon
Andererseits bringt die penetrante Weltrekord-Messung mehrere Probleme mit sich. Der Kampf um die Auszeichnung ist nämlich nicht so gerecht, wie er auf den ersten Blick scheint. Bei Regen und Gegenwind ersprintete 9,95 können unter Umständen eine bessere sportliche Leistung sein als sonnige 9,85, bei denen der Wind der Schritt beschleunigt.
Dieses Problem ist den Verantwortlichen ja bewusst, wenn sie bestimmte Grenzen ziehen und beispielsweise Rennen mit mehr als zwei Meter Rückenwind pro Sekunde nicht in die offiziellen Listen aufnehmen. Insofern war der Marathon-Lauf über Jahre eine äußerst sympathische Disziplin, als er den Begriff Weltrekord nicht kannte. Weil die äußeren Bedingungen, der Streckenverlauf und der Streckenuntergrund so verschieden sind, beließ man es lange bei einer "Weltjahresbestzeit". Da gab es zwar immer noch Bestenlisten, minimierte man den sturen Rekordblick aber immerhin ein bisschen.
Zweitens bedeutet die Existenz von Weltrekorden in der Eventisierung des Sports ein weiteres Marketing-Instrument. Ein Weltrekord verheißt größere mediale und finanzielle Aufmerksamkeit - und entsprechend zelebrieren das einige Disziplinen. Das führt dazu, dass Stabhochspringer wie früher Sergej Bubka oder heute Jelena Isinbajewa scheibchenweise ihre Weltrekorde steigern. Wenn sie antraten/antreten, war/ist ihnen der Sieg gewiss; es war/ist allein die Frage, ob sie noch diesen einen Zentimeter. Oder dass Mittel- und Langstreckenläufer bei bestimmten Veranstaltungen tempomachende "Hasen" einsetzen, um ihre Zeiten zu erreichen. Dass ein Usain Bolt nach zwei Dritteln der Strecke aufhört, erweckte den Eindruck, er habe sein Potenzial bewusst nicht ausgeschöpft, um es künftig weiter vergolden zu können.
Der unbezwingbare Gegner
Drittens relativiert die Fixierung auf den Weltrekord ein anderes Ur-Prinzip des Sports: Die bewusst anvisierte Jagd nach Weltrekorden ist keine Auseinandersetzung mit einem menschlichen Gegner, den man bezwingen will, sondern mit Marken oder Zahlen. "Unter 10,0", das war über Jahre das Ziel der Leichtathletik-Sprinter. "Mehr als 200 Meter", das wünschten sich die Skiflieger. Beides ist längst erreicht, doch die Rekordhatz nicht gestillt. Jetzt wollen sie vielleicht bald unter 9,5 laufen und mehr als 300 Meter springen.
Die sich stets verschiebenden Bestmarke als Gegner sind, anders als die direkten Kontrahenten im sportlichen Wettkampf, unbezwingbar. Sie sollten deshalb auch nicht so akkurat niedergeschrieben werden. Wenn nach dem Lauf von Usain Bolt keine Zeit aufgeblinkt wäre, sondern der Jamaikaner einfach nur als Goldmedaillengewinner gefeiert worden wäre - was wäre daran so schlimm gewesen?
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(sueddeutsche.de/dop)
Freundschaft zwischen den Geschlechtern
Wie man am Strassenradsport sieht, würde sich das Verhalten der Sportler und/oder Trainer im Umgang mit Doping so garnix ändern. Ohne Zeitmessung wird doch eher noch verschleiert mit welchen unmenschlichen Zeiten gewonnen wird.
Mal eine andere Frage:
Warum hat eigentlich ausgerechnet eine Sportart in der es keine Weltrekordmessung gibt das größte Dopingproblem?
Es wäre nicht schlimm, wenn man beim 100m lauf die zeit nicht stoppen würde, aber vielleicht wäre Usain Bolt noch nicht m ziel. er könnte ja dann auf die idee kommen, ein taktisches rennen zu laufen es darauf anzulegen, durch "stehvermögen" das rennen zu gewinnen. eine reizvolle vision für deutsche sprinter allemal und eine alternative zu meiner alten idee, das doping völlig freizugeben.