Von Johannes Aumüller

Fabian Hambüchen patzt ausgerechnet am Reck, ausgerechnet beim Kolman-Salto. Was hat es mit diesem Element auf sich? Aus der Reihe "Facholympisch".

Auch als Profi-Sportler ist man auf gute und treue Freunde angewiesen. Turner Fabian Hambüchen zum Beispiel hatte stets einen besonderen: den Kolman-Salto. 2006 hat der 20-Jährige dieses schwierige Element in seine Übung aufgenommen und seitdem bei seinen größten Erfolgen stets gezeigt. Ob bei seiner Bronzemedaille im WM-Mehrkampf 2006, dem EM-Gold am Reck 2007 oder schließlich bei seinem bisher größtem Triumph, dem Reck-Weltmeistertitel in Stuttgart im vergangenen Jahr: der Kolman-Salto war stets dabei.

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Abgang beim Kolman-Salto: Fabian Hambüchen. (© Foto: dpa)

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Das Element ist ein Doppelsalto rückwärts über die Stange mit ganzer Drehung. Diese ganze Drehung ist es, die den Kolman-Salto vom etwas bekannteren Kovacs-Salto unterscheidet. Die eine Gesamtübung noch etwas schwieriger macht. Und die mit dafür sorgt, dass Hambüchen der Turner mit der auf dem Papier schwersten Übung weltweit ist.

Der Kolman-Salto nimmt in Hambüchens Repertoire auch deswegen eine Sonderstellung ein, weil er das erste Flugelement ist, das der 20-Jährige zeigt. Ein erfolgreicher erster Flug steigert das Selbstvertrauen, treibt zu weiteren großen Leistungen an; ein verpatztes erstes Flugelement hingegen lässt bereits frühzeitig alle Hoffnungen auf eine Platzierung weit vorne platzen.

Chance zur Versöhnung

Und nun das: Ausgerechnet beim Kolman-Salto vergreift sich Hambüchen, verpasst mit der linken Hand die Reckstrecke und landet auf dem Hosenboden. "Verrat eines Freundes", titeln einige pathetische Kollegen. Danach unterläuft ihm noch ein kleiner Wackler. Die Folge: Mehr als Platz sieben in der Endabrechnung des Mehrkampfes nicht mehr drin. Mit einer fehlerlosen Reck-Vorstellung hätte er Silber oder Bronze holen können.

Wer zu den Menschen gehört, die in jeder Situation das Positive sehen wollen, kann auch jetzt einen Hoffnungsschimmer finden. Denn es war nicht das erste Mal bei einem wichtigen Wettkampf, dass Hambüchen beim Kolman-Salto vom Reck stieg. Bei der WM 2006 verpatzte er in der Qualifikation des Einzelwettbewerbs den Kolman-Salto - und gewann einige Tage später im Mehrkampf die Bronzemedaille. Auch das olympische Programm in Peking gibt Hambüchen und dem Kolman-Salto die Chance, sich noch einmal zu versöhnen: Am Dienstag steht das Finale am Reck an.

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(sueddeutsche.de/dop)