Ex-Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar "Das waren schon immer Schlachten gegen Spanien"

Am Mittwochabend trifft die deutsche Handball-Nationalmannschaft auf WM-Gastgeber Spanien. Im Interview spricht der frühere Nationalspieler Stefan Kretzschmar über die positive Entwicklung des deutschen Teams, große Duelle mit Spanien - und erklärt, weshalb er immer noch Alpträume hat.

Von Joachim Mölter

Der ehemalige Handball-Nationalspieler Stefan Kretzschmar, 39, rät seinen Nachfolgern in der deutschen Mannschaft, ihr WM-Viertelfinalspiel am Mittwoch (19 Uhr/ARD) in Saragossa gegen Spanien "einfach nur zu genießen". Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Mittwoch-Ausgabe) sagt er: "So eine Chance bekommt man nicht häufig: Ein WM-Viertelfinale gegen den Gastgeber zu spielen, das ist ein tolles Erlebnis für die jungen Spieler. Das wird sie prägen."

Er selbst erinnerte sich an zwei große Duelle mit den Spaniern, jeweils in Viertelfinals von Olympischen Spielen: 2000 in Sydney schied die deutsche Mannschaft aus, als Kretzschmar Sekunden vor Schluss nur die Unterkante der Latte traf und die Spanier im Gegenzug das Siegtor erzielten. "Für mich der schlimmste Moment in meiner Karriere", erzählt er: "Ich habe da immer noch Alpträume."

Vier Jahre später in Athen trafen die beiden Teams erneut im Viertelfinale aufeinander, im "vielleicht spannendsten und grandiosesten Spiel in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft" ging Kretzschmar diesmal als Sieger vom Platz - nach zwei Verlängerungen und einem Siebenmeterschießen. Dabei wäre er beinahe erneut zur tragischen Figur geworden: Beim Siebenmeterschießen trat er als Erster an - und verwarf. "Also, das waren schon immer Schlachten gegen Spanien...", erinnert er sich.

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Der vor der Weltmeisterschaft verjüngten Auswahl von Bundestrainer Martin Heuberger bescheinigt Stefan Kretzschmar "eine tolle Entwicklung innerhalb dieses Turniers"; er fügte hinzu: "Ich glaube schon, dass die Spanier vor uns Respekt haben." Für Kretzschmar ist der WM-Dritte von 2011 dennoch Favorit, allein schon wegen des Heimvorteils im 11500 Zuschauer fassenden Pableon Principe Felipe. "Keiner wird auf Deutschland setzen", glaubt er, und "die Spanier als WM-Ausrichter werden natürlich bestrebt sein, so lange wie möglich im Turnier zu bleiben, da können wir auch keine Hilfe der Schiedsrichter erwarten." Heubergers Team könne demnach völlig unbelastet antreten, das sei ihre Chance: "Wenn sie keinen Druck hat, ist sie eigentlich am stärksten."

Ein Ausscheiden des jungen Teams fände Kretzschmar nicht schlimm, er sähe es als Teil eines Lernprozesses, einer Persönlichkeitsentwicklung: "Du musst erst lernen zu scheitern, um zu wissen, wie man gewinnt", sagt er: "Es ist wichtig, diese Erfahrung zu sammeln. Das geht allen großen Mannschaften so: Die haben immer ein paar Jahre gebraucht, in denen sie scheiterten, bevor sie auf einem konstant hohen Niveau gespielt haben."

Das vollständige Interview lesen Sie in der Mittwochausgabe der Süddeutschen Zeitung oder auf Ihrem iPad.